Der Online-Teilehändler Autodoc hat im ersten Halbjahr 2026 seinen Wachstumskurs fortgesetzt. Umsatz und operatives Ergebnis legten zweistellig zu, während das Unternehmen gleichzeitig seine Organisation verschlankt und zentrale Geschäftsbereiche neu ausrichtet. Mit Investitionen in Logistik, Automatisierung und digitale Prozesse will sich der Marktführer für den europäischen Kfz-Ersatzteilhandel auf ein zunehmend anspruchsvolles Marktumfeld vorbereiten.
Effizienzprogramm als Antwort auf unsichere Märkte
Nach Angaben des Unternehmens stieg der Umsatz in den ersten sechs Monaten um 12,8 Prozent auf 1,003 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA erhöhte sich um 13,7 Prozent auf 91,9 Millionen Euro.
Konzernchef Dmitri Zadorojnii sieht darin das Ergebnis gezielter Maßnahmen. "In einem anspruchsvollen Umfeld sind gute Finanzergebnisse keine Selbstverständlichkeit. Sie sind das Ergebnis harter Arbeit, notwendiger Umstrukturierungen und gezielter Effizienzmaßnahmen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für den zukünftigen Erfolg, und angesichts des anhaltenden makroökonomischen Drucks sowie der Notwendigkeit, die Chancen von KI zu nutzen, bleibt eine strenge Kostendisziplin unerlässlich", sagte er am Donnerstag.
Mit Blick auf wirtschaftliche Unsicherheiten und geopolitische Veränderungen kündigt das Unternehmen weitere Anpassungen an: "Aus einer Position der Stärke heraus stellen wir Autodoc heute so auf, dass wir auch unter schwierigeren Bedingungen weiterhin effektiv agieren können."
Ausbau des Logistiknetzes in Europa
Parallel zum Wachstum hat Autodoc seine europäische Infrastruktur weiter ausgebaut. Das Lager in Belgien ist inzwischen vollständig in Betrieb und beschleunigt die Versorgung von Kunden in der Benelux-Region sowie in Frankreich. Darüber hinaus wurde ein neuer Logistikstandort in Großbritannien eröffnet. "Das Zusammenspiel aus lokaler Präsenz und automatisierter Infrastruktur ermöglicht es uns, Kundendirekter zu bedienen und langfristige operative Widerstandsfähigkeit aufzubauen", so Zadorojnii.
Einen Schwerpunkt setzt Autodoc zudem auf die Weiterentwicklung seines B2B-Geschäfts. Die Plattform "Autodoc Pro" wird in den meisten Ländern auf ein überwiegend digitales Modell umgestellt. Ziel ist es, Prozesse zu vereinfachen, die Skalierbarkeit zu erhöhen und die Profitabilität zu verbessern.
Künftig sollen Werkstätten stärker über die digitale Plattform bedient werden. Beschaffung, Retourenabwicklung und weitere Abläufe werden dafür zunehmend automatisiert. Nach Firmenangaben sollen professionelle Kunden dadurch schneller auf Fahrzeug-Ersatzteile zugreifen und von wettbewerbsfähigen Preisen profitieren.
B2B wächst besonders dynamisch
Besonders stark entwickelte sich im Berichtszeitraum das Geschäft mit Werkstätten und professionellen Kunden. Während das B2C-Segment um 11,7 Prozent auf 921,8 Millionen Euro zulegte, stieg der Umsatz im B2B-Bereich um 27 Prozent auf 81,6 Millionen Euro.
"Unser B2C-Geschäft bleibt das Herzstück und der Motor unseres Unternehmens. Auch wenn sich das Wachstumstempo leicht verlangsamt hat, sind wir zuversichtlich, dass die ergriffenen Maßnahmen das künftige Wachstum und die Rentabilität unterstützen werden", sagte Finanzvorstand Lennart Schmidt. Das Bruttoergebnis erhöhte sich auf 422,9 Millionen Euro, die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich leicht auf 9,2 Prozent.
Mehr Kunden und steigende Bestellwerte
Auch die operativen Kennzahlen entwickelten sich positiv. Die Zahl der Bestellungen stieg im ersten Halbjahr von 9,4 auf 10,2 Millionen. In den vergangenen zwölf Monaten verzeichnete Autodoc 19,8 Millionen Bestellungen. Die Zahl der aktiven Kunden erhöhte sich auf 9,7 Millionen und lag damit um 0,9 Millionen über dem Vorjahreswert. Zudem gab jeder Kunde im Schnitt mehr Geld aus. Der durchschnittliche Bestellwert stieg von 94,4 auf 97,2 Euro.
Für das Gesamtjahr hält Autodoc an seinen Zielen fest. Das Unternehmen erwartet weiterhin ein Umsatzwachstum im unteren Bereich der prognostizierten Spanne von elf bis 16 Prozent. Beim bereinigten EBITDA rechnet der Konzern unverändert mit 170 bis 195 Millionen Euro.