Fahrbericht Geely E5: Der europäische Chinese

07.07.2026 05:38 Uhr | Lesezeit: 4 min
Der Geely E5 ist für Deutschland startklar.
© Foto: Geely

Geely gehört zu den zehn größten Automobilkonzernen der Welt. Jetzt will der chinesische Riese seine im Mutterland besonders erfolgreiche Dachmarke auch in Europa vertreiben – mit ambitionierten Zielen.

4,136 Millionen Fahrzeuge verkaufte die Geely Holding Group 2025. Das war ein Wachstum von 26 Prozent gegenüber 2024. Nun positioniert sich das 1986 gegründete, 140.000 Mitarbeiter starke Unternehmen erstmals mit Fahrzeugen unter dem Namen Geely in Deutschland: dem PHEV Starray und dem vollelektrischen Geely E5.

Volvo, Polestar, Lynk & Co, Lotus als Eigenmarken, Joint Ventures mit Smart und Renault, Beteiligungen an Mercedes-Benz (rund zehn Prozent) und Aston Martin: Erfahrung hat Geely genügend in Europa. Seit 16 Jahren, seit der Akquise von Volvo, könne man von europäischen Unternehmen im eigenen Hause lernen, so Philipp Hempel, Executive Director Geely Auto Deutschland, beim Brandlaunch, dem Markenstart seines Unternehmens hierzulande, wie es neudeutsch heißt.

Dass die Verwurzelung auf dem Kontinent keine Marketing-Parole ist, sondern Strategie, machte Hempel so selbstbewusst im Vortrag wie auch bescheiden in der Sache deutlich: "Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage, niemand baut sicherere Autos als die Schweden. Wie praktisch, dass das die Jungs sind, die unser Crashtestzentrum in China entwickelt haben. Des Weiteren haben die Kollegen uns mal so richtig gut erklärt, wie eine Tür klingt, wenn sie zugeht und wie sie nicht klingen soll, wenn sie zugeht."

Premium statt Budget

Jedenfalls konnten wir uns am deutschen Sitz von Geely in Raunheim bei Frankfurt/Main davon überzeugen, dass die Türen des E5 mit einem satten Premium-"Plopp" statt eines Billig-"Schepper" schließen. Das ist allerdings bei weitem noch nicht das Einzige, was im E5 an höherklassigen Details montiert ist. Einiges fällt einem sofort im Kontext mit Volvo auf: die metallenen Türgriffe, der rahmenlose Rückspiegel, die Außenspiegel samt der Totwinkelwarnung – alles Volvo, beziehungsweise alles Geely. Und wie nach Philipp Hempels Aussage Volvo innerhalb Geelys für Sicherheit steht, Lotus für Sportlichkeit, Polestar für Designmut, so hat jede der genannten Marken zumindest eine eigene Prise ins E5-Süppchen geworfen.

Wenn man fährt, entdeckt man im Sportmodus des extrem geräumigen E5 eher die Familienorientierung als ein Erbe von Lotus, aber die 160 kW / 218 PS sind immerhin so gut angelegt, dass das Fahren im E5 Spaß macht. Und zwar schon in der Basisausstattung Pro. Da ist bereits fast alles drin, was man sich von einem zeitgenössischen Auto höherer Kategorie erwartet. Einzig der gigantische Glashimmel mit integriertem Schiebedach, das Head-up-Display sowie die hervorragende, hauseigene 16-Lautsprecher-Soundanlage sind dem Top-Modell Max+ vorbehalten. Für 37.990 Euro, wir haben auch die Pro-Variante gefahren, gibt es immerhin so luxuriöse Annehmlichkeiten wie belüftbare Vordersitze, ein brillantes 15,4-Zoll-Zentraldisplay, fünf Sterne im Euro-NCAP – das riecht nach Premium.


Geely E5 (Test)

Geely E5 im Test Bildergalerie

Der Plattform-Bruder Volvo EX40 kostet als Einstiegsmodell 47.490 Euro – und bietet eine schier endlose Liste an Extraausstattungen. Beim E5 ist bei 42.990 Euro Schluss. Das ist ganz schön viel Auto fürs Geld. Außen grüßt von vorn wie von hinten eine schmale Lichtarchitektur, die Front und Heck eine ebenso distinguierte wie unaufdringliche Erscheinung verleihen. Dezent geht es auf der Seite weiter: Eine zentrale Sicke verschlankt den Übergang vom vorderen zum hinteren Teil des Fahrzeugs. Die europäische Anmutung des E5 wird durch den klar konturierten Abfall der Dachlinie in Richtung C-Säule bestätigt. Das ist geradezu deutsches Understatement.

Understatement ist auch ein gutes Stichwort für die Fahreigenschaften des E5. Weder ist er mit 7,6 Sekunden ein olympiareifer Sprinter, noch machen ihn die 68,4 kWh der Batterie zum Marathonläufer. Aber die Werte liegen in Sachen Performance genau in der richtigen Mitte. Im Test jedenfalls blieb der E5 unter den WLTP-Verbrauchsangaben. Die direkt ansprechende Lenkung und das gut abgestimmte Fahrwerk – nur in schärfsten, über die Gebühr forsch passierten Kurven neigt sich die Karosserie etwas arg zur Seite. Auch der Innenraum ist für ein komfortables Fahrerlebnis wie gemacht – dank des großzügigen Platzangebots vor allem für Fond-Passagiere. Da ist praktisch, dass der Kofferraum bei voll besetzter Passagierkabine noch einmal 108 Liter extra Platz in einem Unterbodenfach bietet.


Geely E5 / Geely Starray EM-i

Geely E5 / Geely Starray EM i Bildergalerie

In China ist der E5 schon ein Riesenerfolg – und in 25 anderen Märkten auch. Zukünftig soll Passgenauigkeit bei Modellen für den europäischen Markt aber besser sein. Bis 2028 will Geely Jahr für Jahr vier Autos auf den europäischen Markt bringen. Dafür bündelt man nach dem Motto "In Europe for Europe" die europäischen Entwicklungsaktivitäten. Die Organisation Geely Technology Europe (GTEU) vernetzt die Standorte Raunheim, Göteborg und Coventry (England) sowie ein Designzentrum in Mailand und weitere Engineering-Kapazitäten in Großbritannien. Ziel ist die Entwicklung von Fahrzeugen und Technologien, die auf die Anforderungen des europäischen Marktes zugeschnitten sind.

Dazu kommt der Aufbau eines flächendeckenden deutschen Vertriebsnetzes bis 2030, eine üppige Garantie von acht Jahren und 200.000 Kilometern, ein Finanzierungsangebot ab 249 Euro/Monat (Leasingkonditionen folgen) sowie die Aussicht auf günstigeres Laden für Geely-Kunden bei einem deutschen Energieriesen. Die Verhandlungen stehen kurz vor dem Abschluss. Bei Geely jedenfalls ist man gekommen, um zu bleiben.


Geely E5 – technische Daten:

  • Karosserie: Fünftüriges SUV im C+-Segment
  • Länge: 4,62 Meter
  • Breite: 1,90 Meter (mit Außenspiegeln: 2,08 Meter)
  • Höhe: 1,67 Meter
  • Radstand: 2,75 Meter
  • Kofferraumvolumen: 461–1.877 Liter
  • Antrieb: E-Motor mit Frontantrieb, EInganggetriebe
  • Leistung: 160kW / 218 PS
  • Drehmoment: 320Nm
  • 0–100 km/h: 6,9 s–7,6 s
  • Vmax: 175 km/h
  • Verbrauch: 16,9 kWh/100 km–15,8 kWh/100 km/h
  • CO2/100 km: 0 g
  • Akkugröße: 60,33 kWh/68,39 kWh
  • Reichweite: 430 km / 450 km (WLTP)
  • Ladeleistung: 120 kW / 135 kW (DC), 11 kW (AC)
  • Ladedauer: DC: 10–80 % in 27 Minuten, AC: 10–100 % in 6,1/7 Std.
  • Preis: ab 37.990 Euro
  • Preis des Testwagens: 42.990 Euro.


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