Neue CO2-Bepreisung: Spritpreis legt zum Jahreswechsel kräftig zu

02.01.2026 14:12 Uhr | Lesezeit: 4 min
Preismast an BK Tankstelle mit HVO100
Neues Jahr, neue Preise: Wichtigster Treiber für den Anstieg dürfte die neue CO2-Bepreisung sein, die bis zu 3 Cent pro Liter ausmachen kann
© Foto: Mobil in Deutschland

Der Anstieg geht leicht über den erwarteten Effekt der neuen CO2-Bepreisung hinaus: Am 1. Januar waren sowohl Benzin als auch Diesel deutlich teurer als Ende 2025, wie aus Zahlen des ADAC hervorgeht. Ein Liter Super E10 kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Donnerstags 1,709 Euro. Das waren 3,4 Cent mehr als am 31. Dezember.

Die Spritpreise sind mit einem deutlichen Sprung ins neue Jahr gestartet. Am 1. Januar waren sowohl Benzin als auch Diesel deutlich teurer als Ende 2025, wie aus Zahlen des ADAC hervorgeht. Ein Liter Super E10 kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Donnerstags 1,709 Euro. Das waren 3,4 Cent mehr als am 31. Dezember. Bei Diesel ging es um 4 Cent auf 1,658 Euro pro Liter nach oben. 

Wichtigster Treiber für den Anstieg dürfte die neue CO2-Bepreisung sein, die bis zu 3 Cent pro Liter ausmachen kann. Der Preissprung geht allerdings etwas darüber hinaus. Das zeigt sich besonders deutlich, wenn man als Vergleichswert nicht Silvester, sondern den 29. Dezember heranzieht. Dann sind es 5,4 Cent bei E10 und 6 bei Diesel. Erfahrungsgemäß steigen Preise bei Änderungen wie dem CO2-Preis nicht schlagartig zum Stichtag, sondern zumindest teilweise auch schon knapp vor dem Ereignis.

2025 war viertteuerstes Tankjahr

Für die Spritpreise des vergangenen Jahres liegen die finalen Zahlen vor. Für E10 ergibt sich ein Durchschnittspreis von 1,688 Euro, für Diesel von 1,611 Euro. Beides sind einige Cent weniger als 2024. Trotz des Rückgangs 2025 sei Tanken immer noch relativ teuer, sagte der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer jüngst. Zudem könne sich die Lage schnell ändern, wenn internationale Krisen hinzukämen - gerade im Nahen Osten. Das liegt daran, dass der mit Abstand wichtigste Faktor für die Entwicklung des Spritpreises der Rohölpreis ist. 

Blick nach vorne ist schwierig

Dementsprechend schwierig ist der Blick nach vorne. "Wenn die Heizsaison endet, könnte es bei Diesel wieder deutlicher abwärtsgehen", sagte Laberer im Dezember. "Darüber hinaus ist aber nicht besonders viel Spielraum nach unten erkennbar, denn sinkt der Ölpreis noch weiter, würde sich Fracking häufig nicht mehr lohnen." Fällt dieser Methode zur Ölförderung aus, sinkt das Angebot, was den Preis wieder treiben würde. Kurzfristige Gründe für einen deutlichen Anstieg gebe es aber auch nicht. Dafür sei die Nachfrage angesichts der Schwäche der Weltwirtschaft einfach zu gering. "Am wahrscheinlichsten ist eine Seitwärtsbewegung - also relativ gleichbleibende Spritpreise."


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E10 führt weiter Nischendasein

Wer beim Sprit sparen will, sollte nach Empfehlung des ADAC versuchen, in den Abendstunden zu tanken - dann kann der Preis um gut 10 Cent niedriger sein, als am Morgen, wenn typischerweise die höchsten Preise aufgerufen werden. Zudem könnten die meisten Fahrer von Benzinern zu billigerem E10 greifen. Das tut bisher aber nur gut ein Viertel. 

Von Januar bis Oktober machte der Treibstoff, der bis zu 10 Prozent Biosprit enthalten darf, nach Zahlen des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) 28,2 Prozent der Inlandsablieferungen von Benzin aus. Normales Super E5 bleibt damit die mit Abstand dominierende Benzinsorte - obwohl sie laut ADAC im Schnitt rund 6 Cent pro Liter teurer ist.

"Die eher irrationale Angst, dass das Auto davon kaputtgeht, hält sich", sagt Laberer. "Denn fast alle Autos mit Ottomotor können problemlos mit Super E10 fahren. Das raten wir als ADAC bei Fahrzeugfreigabe auch - aus Umwelt- und Kostengründen. Es erschließt sich rational nicht, warum der Kraftstoff so wenig genutzt wird. Eigentlich sollte Super E10 mehr als 90 Prozent Marktanteil bei Benzin haben."


Der CO2-Preis steigt - das erwartet Autofahrer

Was ist der CO2-Preis?

Seit 2021 gibt es in Deutschland den CO2-Preis für Heiz- und Brennstoffe. Mit einer schrittweise steigenden CO2-Bepreisung soll ein Anreiz für mehr Sparsamkeit sowie zu einem Umstieg auf klimafreundliche Technologien gesetzt werden, um CO2-Emissionen zu verringern. Die Kosten werden an die Endverbraucher weitergegeben. Mit einer steigenden CO2-Bepreisung verteuern sich das Tanken mit Benzin und Diesel sowie das Heizen mit Erdgas und Öl. Derzeit ist der Preis noch gesetzlich vorgegeben, in Zukunft soll er sich aber aus dem EU-Emissionshandel ergeben.

Was passiert im kommenden Jahr und danach beim CO2-Preis?

Mit dem Jahreswechsel ist der CO2-Preis von aktuell 55 Euro pro Tonne auf 55 bis 65 Euro pro Tonne gestiegen. Es gibt also einen Preiskorridor, innerhalb dessen die CO2-Zertifikate ersteigert werden können. Der Start der Auktionen ist laut Umweltbundesamt (UBA) derzeit für Juli 2026 vorgesehen und soll bis Ende Oktober einmal pro Woche an der Leipziger Energiebörse stattfinden.  

Mit welchen Preisen müssen Verbraucher rechnen?

Autofahrer müssen beim Tanken tiefer in die Tasche greifen. Am oberen Ende der möglichen Spanne macht der CO2-Preis rund 3 Cent zusätzlich pro Liter aus - bei Benzin etwas weniger als bei Diesel. Zum Jahreswechsel hat dieser Effekt wohl bereits durchgeschlagen, wie ADAC-Daten zeigen: Am 1. Januar war ein Liter Super um 3,4 Cent teurer als am 31. Dezember, bei Diesel waren es 4 Cent. Zum Anstieg können aber auch noch andere Ursachen als der CO2-Preis beigetragen haben.

Was passiert mit den Einnahmen?

Die Einnahmen aus dem Emissionshandel fließen in den Klima- und Transformationsfonds. Dieser ist eigentlich für die Umstellung auf ein klimafreundlicheres Wirtschaften gedacht. Allerdings werden damit auch andere Kostenpunkte finanziert, wie zum Beispiel der ab Januar geplante staatlich subventionierte niedrigere Industriestrompreis.

Was ist für die Zukunft zu erwarten?

Auf die Dauer ist mit einem weiteren Anstieg des CO2-Preises zu rechnen. Der Präsident des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, Achim Wambach, rechnet ab 2028 mit einem Anstieg von bis zu 200 Euro pro Tonne CO2. "Das wären für einen Liter Benzin rund 60 Cent mehr. Ein Vier-Personen-Haushalt, der noch mit Gas heizt, müsste mit rund 1.000 Euro höheren Heizkosten pro Jahr rechnen", sagte er der "Wirtschaftswoche". Das sind Aussagen, die sich damals noch auf das Jahr 2027 bezogen. Mit der Verschiebung um ein Jahr rechnet Wambach nun 2028 mit diesen Werten, wie er bestätigte.

Welche sozialen Auswirkungen hat der CO2-Preis?

Befürworter von Emissionshandelssystemen betonen, dass hier der Markt Klimaschutz effizient macht. Doch ohne ergänzende gesetzliche Vorgaben landen die Preise ungebremst bei den Verbrauchern, lautet eine Sorge. Je stärker die gesetzlichen Vorgaben zum Beispiel im Gebäudeenergiegesetz oder die EU-Vorschriften für Neuwagen sind, desto niedriger fällt der CO2-Preis im Emissionshandel aus, erklärt Klimaforscher Niklas Höhne vom New Climate Institute. Die Bundesregierung plane aber, die Vorgaben eher zurückzudrehen. "Es ist also eher mit hohen Preisen zu rechnen."




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