Wie funktioniert eigentlich: Elektrische Parkbremse

31.08.2026 08:45 Uhr | Lesezeit: 2 min
Wie funktioniert eigentlich: Elektrische Parkbremse
In vielen Autos findet sich mittlerweile eine elektrische Parkbremse
© Foto: ZF

Die elektrische Parkbremse hat oberhalb der Kleinwagenklasse den Handbremshebel fast komplett verschwinden lassen. Das hat Vor- und Nachteile.

Ein kleiner Taster statt eines sperrigen Hebels zwischen den Sitzen: Die elektrische Parkbremse hat mittlerweile in den meisten aktuellen Pkw-Modellen ihren mechanischen Vorgänger ersetzt. Das schafft mehr Platz in der Mittelkonsole und ermöglicht vor allem neue Funktionen.

Bei einer herkömmlichen Feststellbremse überträgt ein Hand- oder Fußhebel die Kraft des Fahrers über Seilzüge auf die Bremsen, meist an der Hinterachse. Die elektrische Parkbremse (EPB) ersetzt diesen Kraftweg durch Elektromotoren und ein Steuergerät. Besonders verbreitet sind Systeme, bei denen direkt an den hinteren Bremssätteln kleine Elektromotoren sitzen. Zieht der Fahrer den Schalter, setzt der Motor über ein stark untersetztes Getriebe eine Spindel in Bewegung. Diese drückt den Bremskolben beziehungsweise die Bremsbeläge gegen die Bremsscheibe. Die Übersetzung ist nötig, weil ein kompakter Elektromotor allein nicht genügend Kraft erzeugen würde. Moderne Aktuatoren erreichen laut Zulieferer ZF Klemmkräfte von bis zu 25 Kilonewton.

Der entscheidende Unterschied zur klassischen Handbremse liegt jedoch nicht im Elektromotor, sondern in der Steuerung. Weil die Parkbremse mit anderen Fahrzeugsystemen kommunizieren kann, sind Funktionen möglich, die mit dem Seilzugsystem nicht möglich wären. „Auto Hold“ etwa hält das Fahrzeug an einer Ampel fest, auch wenn der Fahrer den Fuß vom Bremspedal nimmt. Beim Anfahren kann die Bremse selbstständig lösen. Am Hang verhindert die Elektronik, dass das Auto zwischen dem Lösen der Bremse und dem Einkuppeln zurückrollt. Das von Generationen an Fahrschülern gefürchtete Anfahren am Berg verliert so seine Gefahr.

Auch für den Notfall hat der unscheinbare Schalter eine Funktion. Wird er während der Fahrt länger betätigt, führt das Fahrzeug je nach System eine kontrollierte Bremsung aus. Dabei wird nicht einfach schlagartig die Hinterachse blockiert. Stattdessen überwachen Steuergeräte und Stabilitätsregelung die Verzögerung, so dass das Auto stabil bleibt.


Technik verstehen - Vom Elektroantrieb zum Scheinwerfer

Elektromotor Bildergalerie

In die Großserie kam die elektrische Parkbremse zu Beginn des neuen Jahrtausends in Mode. ZF beziehungsweise der damalige Bremsenspezialist TRW führte 2001 die erste EPB für die Hinterachse ein. Was zunächst vor allem in höherpreisigen Fahrzeugen auftauchte, verbreitete sich später bis in die Volumenklassen. Nach Angaben des Zulieferers waren bis 2024 bereits mehr als 125 Millionen Fahrzeuge damit ausgestattet. Seit 2020 gibt es außerdem eine elektrische Parkbremse für die Vorderachse, wodurch die Technik auch für Klein- und Kleinstwagen einfacher nutzbar ist.

Für Hersteller bringt das System neben dem Komfortgewinn auch konstruktive Vorteile. Handbremshebel und lange Seilzüge können entfallen, was Platz in der Mittelkonsole schafft und die Innenraumgestaltung flexibler macht. Gleichzeitig lässt sich die Bremse elektronisch überwachen und in Assistenzsysteme integrieren. So gesehen ist die EPB auch eine Art Zwischenschritt zu den modernen Brake-by-Wire-Systemen, die auch die normale Fahrbremse nicht mehr mechanisch, sondern elektronisch ansteuern.

Ganz ohne Nachteile ist die Entwicklung allerdings nicht. Wo bei einer mechanischen Handbremse Hebel, Seile und Federn arbeiten, kommen nun Elektromotoren, Sensoren, Software und Steuergeräte hinzu. Bei Reparaturen müssen die Stellmotoren häufig zunächst elektronisch in eine Wartungsposition gefahren werden. Ein einfacher Bremsbelagwechsel kann deshalb Diagnosegerät und passende Software erfordern. Auch ein defekter Aktuator kann teurer sein als ein klassischer Bremszug.

HASHTAG


#Autotechnik

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


asp AUTO SERVICE PRAXIS Online ist der Internetdienst für den Werkstattprofi. Neben tagesaktuellen Nachrichten mit besonderem Fokus auf die Bereiche Werkstatttechnik und Aftersales enthält die Seite eine Datenbank zum Thema RÜCKRUFE. Im neuen Bereich AUTOMOBILE bekommt der Werkstatt-Profi einen Überblick über die wichtigsten Automarken und Automodelle mit allen Nachrichten, Bildergalerien, Videos sowie Rückruf- und Serviceaktionen. Unter #HASHTAG sind alle wichtigen Artikel, Bilder und Videos zu einem Themenspecial zusammengefasst. Außerdem gibt es im asp-Onlineportal alle Heftartikel gratis abrufbar inklusive E-PAPER. Ergänzt wird das Online-Angebot um Techniktipps, Rechtsthemen und Betriebspraxis für die Werkstattentscheider. Ein kostenloser NEWSLETTER fasst werktäglich die aktuellen Branchen-Geschehnisse zusammen. Das richtige Fachpersonal finden Entscheider auf autojob.de, dem Jobportal von AUTOHAUS, asp AUTO SERVICE PRAXIS und Autoflotte.