Ein kleiner Taster statt eines sperrigen Hebels zwischen den Sitzen: Die elektrische Parkbremse hat mittlerweile in den meisten aktuellen Pkw-Modellen ihren mechanischen Vorgänger ersetzt. Das schafft mehr Platz in der Mittelkonsole und ermöglicht vor allem neue Funktionen.
Bei einer herkömmlichen Feststellbremse überträgt ein Hand- oder Fußhebel die Kraft des Fahrers über Seilzüge auf die Bremsen, meist an der Hinterachse. Die elektrische Parkbremse (EPB) ersetzt diesen Kraftweg durch Elektromotoren und ein Steuergerät. Besonders verbreitet sind Systeme, bei denen direkt an den hinteren Bremssätteln kleine Elektromotoren sitzen. Zieht der Fahrer den Schalter, setzt der Motor über ein stark untersetztes Getriebe eine Spindel in Bewegung. Diese drückt den Bremskolben beziehungsweise die Bremsbeläge gegen die Bremsscheibe. Die Übersetzung ist nötig, weil ein kompakter Elektromotor allein nicht genügend Kraft erzeugen würde. Moderne Aktuatoren erreichen laut Zulieferer ZF Klemmkräfte von bis zu 25 Kilonewton.
Der entscheidende Unterschied zur klassischen Handbremse liegt jedoch nicht im Elektromotor, sondern in der Steuerung. Weil die Parkbremse mit anderen Fahrzeugsystemen kommunizieren kann, sind Funktionen möglich, die mit dem Seilzugsystem nicht möglich wären. „Auto Hold“ etwa hält das Fahrzeug an einer Ampel fest, auch wenn der Fahrer den Fuß vom Bremspedal nimmt. Beim Anfahren kann die Bremse selbstständig lösen. Am Hang verhindert die Elektronik, dass das Auto zwischen dem Lösen der Bremse und dem Einkuppeln zurückrollt. Das von Generationen an Fahrschülern gefürchtete Anfahren am Berg verliert so seine Gefahr.
Auch für den Notfall hat der unscheinbare Schalter eine Funktion. Wird er während der Fahrt länger betätigt, führt das Fahrzeug je nach System eine kontrollierte Bremsung aus. Dabei wird nicht einfach schlagartig die Hinterachse blockiert. Stattdessen überwachen Steuergeräte und Stabilitätsregelung die Verzögerung, so dass das Auto stabil bleibt.
Technik verstehen - Vom Elektroantrieb zum Scheinwerfer
In die Großserie kam die elektrische Parkbremse zu Beginn des neuen Jahrtausends in Mode. ZF beziehungsweise der damalige Bremsenspezialist TRW führte 2001 die erste EPB für die Hinterachse ein. Was zunächst vor allem in höherpreisigen Fahrzeugen auftauchte, verbreitete sich später bis in die Volumenklassen. Nach Angaben des Zulieferers waren bis 2024 bereits mehr als 125 Millionen Fahrzeuge damit ausgestattet. Seit 2020 gibt es außerdem eine elektrische Parkbremse für die Vorderachse, wodurch die Technik auch für Klein- und Kleinstwagen einfacher nutzbar ist.
Für Hersteller bringt das System neben dem Komfortgewinn auch konstruktive Vorteile. Handbremshebel und lange Seilzüge können entfallen, was Platz in der Mittelkonsole schafft und die Innenraumgestaltung flexibler macht. Gleichzeitig lässt sich die Bremse elektronisch überwachen und in Assistenzsysteme integrieren. So gesehen ist die EPB auch eine Art Zwischenschritt zu den modernen Brake-by-Wire-Systemen, die auch die normale Fahrbremse nicht mehr mechanisch, sondern elektronisch ansteuern.
Ganz ohne Nachteile ist die Entwicklung allerdings nicht. Wo bei einer mechanischen Handbremse Hebel, Seile und Federn arbeiten, kommen nun Elektromotoren, Sensoren, Software und Steuergeräte hinzu. Bei Reparaturen müssen die Stellmotoren häufig zunächst elektronisch in eine Wartungsposition gefahren werden. Ein einfacher Bremsbelagwechsel kann deshalb Diagnosegerät und passende Software erfordern. Auch ein defekter Aktuator kann teurer sein als ein klassischer Bremszug.