Erste Fahrt im Brabus Bodo: Das Bat-Mobil aus Bottrop

31.08.2026 08:16 Uhr
Mit dem Bodo hat Brabus nun ein über fünf Meter langes Coupé mit fast barockem, auf jeden Fall aber bitterbösem Auftritt im Portfolio.
© Foto: Brabus

Acht Jahre nach dem Tod des PS-Patriarchen Bodo Buschmann baut Brabus den ersten eigenen Sportwagen und setzt dem Firmengründer ein Zwölfzylinder-Monument mit 1.000 PS, ganz ohne Elektro-Schnickschnack. Eine Ausfahrt zwischen Ruhrpott-Bescheidenheit und barockem Donnergrollen.

Die Jungfernfahrt beginnt nicht auf der Corniche, nicht auf der Sheikh Zayed Road und auch nicht auf der Fifth Avenue. Und sie führt auch nicht durch Gotham City, selbst wenn das Auto aussieht wie das neue Batmobil. Seine ersten Meter fährt der Brabus Bodo auf der Essener Straße in Bottrop, vor jener Häuserzeile, wo die Familie Buschmann kurz nach dem Krieg aus einem Wohnwagen heraus mit Autohandel begann. Erst von hier aus darf der Bodo raus aufs Land. Das passt zu diesem Auto, das mehr Statement ist als Sportwagen und zugleich ein eiliges Erinnerungsstück.

Geträumt haben sie bei Brabus schon seit über zwanzig Jahren von einem eigenen Sportwagen. Doch Bodo Buschmann, das Ruhrpott-Urgestein, der die Firma 1977 gegründet und zum berühmtesten Tuner der Welt gemacht hat, war zu Lebzeiten zu beschäftigt und gedanklich zu eng an Mercedes gebunden. Erst nachdem der Senior im April 2018 mit 62 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben ist, hat Sohn Constantin den Laden neu aufgestellt: mehr Diversifikation, mehr eigene Ideen, dazu Boote, Motorräder, Wohnmobile, Immobilien. Verraten hat der heute 37-Jährige die Ideale seines Vaters damit nicht. Im Gegenteil: Er hat Brabus erst in die Lage versetzt, dessen Traum posthum zu erfüllen. Kein Wunder, dass der exklusive Erstling den Namen Bodo trägt und drinnen stolz Buschmanns Signatur prangt.


Brabus Bodo

Mit dem Bodo hat Brabus nun ein über fünf Meter langes Coupé mit fast barockem, auf jeden Fall aber bitterbösem Auftritt im Portfolio. Bildergalerie

Aston Martin Vanquish als Basis

Basis ist der Aston Martin Vanquish, doch vom Spenderfahrzeug bleibt kaum mehr als Chassis und Kabelbaum übrig. Die Karosserie backen sie in Bottrop komplett neu, aus Vollcarbon, mit unverschämt langer Haube und kurzem, laszivem Heck. Wer darin die Mercedes-Studie Maybach Vision 6 wiedererkennt, liegt richtig – nur dass sie in Stuttgart vor zehn Jahren nicht den Mut hatten, sie auch zu bauen. In Bottrop dagegen schon. So entstand ein über fünf Meter langes Coupé mit fast barockem, auf jeden Fall aber bitterbösem Auftritt, mit dem Brabus gar vollends vom Mercedes-Veredler in die Liga von Bugatti und Pagani aufsteigt.

Unter der langen Haube tobt dabei kein AMG-V8, sondern einer der letzten Zwölfzylinder, die in Europa noch gebaut werden – eingekauft bei den Briten, in Bottrop nachgeschärft. Größere Turbolader, geschmiedete Kolben, Titan-Pleuel: Aus 5,2 Litern Hubraum schöpft der V12 jetzt 1.000 PS und bis zu 1.200 Nm, elektronisch eingebremst, weil selbst das robusteste Getriebe irgendwo Grenzen hat. Macht 3,0 Sekunden von 0 auf 100, Schluss erst bei 360 km/h. Batterie, Hybridmodul, elektrischer Zusatzschub: Fehlanzeige. Elektromotoren gibt es höchstens in den Fensterhebern.

Bodo fährt fast diskret

Losgefahren ist der Bodo dabei erstaunlich manierlich. Er brummt tief und sonor aus der Stadt, verkneift sich jedes Gebrüll und rollt fast diskret durchs Ruhrgebiet, auch wenn sich selbst hier in heimischem Geläuf alle Hälse nach ihm recken, wo sie die Extravaganzen aus der Essener Straße doch nun wirklich gewohnt sind. Aber sobald man ihm die Sporen gibst, kippt der Klang: aus kultiviertem Grollen wird metallisches Donnern, das über die Felder rollt und jeden Tunnel zur Konzerthalle macht. Schade, dass es zwischen Bottrop und den einsamen Autobahnen im Nordwesten der Republik davon nicht allzu viele gibt.

Beeindruckend ist dabei gar nicht der nackte Vortrieb, sondern die Souveränität, mit der der Motor jede Drehzahl meistert. Schon knapp über Standgas drückt der Zwölfzylinder mit einer Wucht, für die andere erst drei Gänge zurückschalten müssten, während die Achtgang-Automatik ihre Übersetzungen fast unmerklich sortiert. Nach zwei, drei Kurven wird zudem klar: Die Ingenieure haben dem Vanquish-Chassis mehr verpasst als nur ein Carbon-Kleid.

Eigens entwickelte Federn, Dämpfer und Querlenker und natürlich die passenden Pneus lassen den Bodo flacher und ruhiger liegen, die Lenkung ist direkter und schwerer als beim Serienmodell und liefert mehr Rückmeldung, als man es von Luxuscoupés gewohnt ist. Nur auf engen kurvigen Sträßchen meldet sich kurz ein Turboloch der neuen, größeren Lader – der Preis für ein Kabinettstückchen aus 1.000 PS.

Drei Fahrmodi zur Auswahl

Drei Fahrmodi pendeln zwischen samtweichem Dahingleiten und roher Gewalt, ohne dass der Bodo je die Contenance verliert. Er kann die halbe Sportwagenelite in Grund und Boden brüllen, wenn man die Titan-Endrohre freischaltet. Er muss aber nicht. Genauso gut gibt er den Geheimtipp für den stillen Genießer – so dezent, wie es bei einem Brabus eben geht. Weil er sein Tempo so mühelos kaschiert, verrät oft erst der Blick auf den Tacho, wie schnell die Landschaft vorbeifliegt.

Innen dominiert Schwarz, sehr finster, aber edel: Leder und Carbon, in dessen Gewebe Brabus goldene Partikel einwebt, treffen auf Aston Martins Bedienlogik samt Touchscreen, dazu lange Carbon-Paddel für die Automatik und ein Panoramadach. Vorn thronen zwei feudale Sessel, hinten zwei Notsitze, auf denen Jacken besser aufgehoben sind als der Nachwuchs.

Am Ende der Ausfahrt eilt Constantin Buschmann, zwei Stufen auf einmal, zurück in sein Büro. Der schnelle Puls, den er seiner Mannschaft predigt, hält offenbar auch den Chef auf Trab. Auf 77 Exemplare limitiert, als Reminiszenz an das Gründungsjahr 1977, startet der Bodo bei rund 1,2 Millionen Euro – und ist längst zur Hälfte verkauft. Für Brabus ist er weniger Ziel als Anfang: der deutlichste Beweis, dass aus dem König der Mercedes-Tuner eine eigenständige Luxusmarke werden kann.


Was Sie zur Automechanika 2026 wissen sollten

Welche Trends, Innovationen und Zukunftsthemen prägen die Leitmesse? Im asp-Newsroom zur Automechanika erfahren Sie, was für Werkstätten und den Aftermarket wirklich relevant ist.

Jetzt entdecken

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


asp AUTO SERVICE PRAXIS Online ist der Internetdienst für den Werkstattprofi. Neben tagesaktuellen Nachrichten mit besonderem Fokus auf die Bereiche Werkstatttechnik und Aftersales enthält die Seite eine Datenbank zum Thema RÜCKRUFE. Im neuen Bereich AUTOMOBILE bekommt der Werkstatt-Profi einen Überblick über die wichtigsten Automarken und Automodelle mit allen Nachrichten, Bildergalerien, Videos sowie Rückruf- und Serviceaktionen. Unter #HASHTAG sind alle wichtigen Artikel, Bilder und Videos zu einem Themenspecial zusammengefasst. Außerdem gibt es im asp-Onlineportal alle Heftartikel gratis abrufbar inklusive E-PAPER. Ergänzt wird das Online-Angebot um Techniktipps, Rechtsthemen und Betriebspraxis für die Werkstattentscheider. Ein kostenloser NEWSLETTER fasst werktäglich die aktuellen Branchen-Geschehnisse zusammen. Das richtige Fachpersonal finden Entscheider auf autojob.de, dem Jobportal von AUTOHAUS, asp AUTO SERVICE PRAXIS und Autoflotte.