Exklusive Neuheiten aus Pebble Beach: Schneller, stärker, seltener

17.08.2026 14:31 Uhr | Lesezeit: 4 min
Der Destrier ist das dritte Einzelstück aus Bugattis neuem Solitaire-Programm und basiert auf dem Bolide.
© Foto: SP-X/Benjamin Bessinger

Von wegen Altmetall und Garagengold – der Concours d’Elegance von Pebble Beach ist längst auch eine spektakuläre Neuwagen-Show, bei der Luxusmarken und Boutique-Hersteller den reichen Rasern so manche Extrawurst braten. Fünf spektakuläre Beispiele. 

Als er vor 1950 initiiert wurde, war es noch ein Oldtimer-Treffen. Doch mittlerweile ist aus dem Concours d’Elegance von Pebble Beach die Monterey Car Week erwachsen – und damit eine der größten automobilen Spielwiesen der Welt. Vor allem die Luxusliga nutzt den kalifornischen Ausnahmezustand, um zu zeigen, was passiert, wenn Geld wirklich keine Rolle mehr spielt. Das Motto ist dabei denkbar einfach: stärker, schneller und seltener als alles, was bisher da war. Und teurer natürlich auch.

Wobei "selten" auf der Monterey Peninsula eine ziemlich relative Größe ist. Wo sonst auf der Welt stehen gleich mehrere Bugatti, Koenigsegg und Pagani auf einem Golfplatz und wirken trotzdem beinahe wie Großserienautos? Auf "The Quail" reicht selbst ein Preis jenseits der Millionengrenze längst nicht mehr, um die Blicke dauerhaft auf sich zu ziehen. Dafür braucht es schon eine ziemlich extravagante Idee, ordentlich Kohlefaser oder am besten beides.

Denn die Monterey Car Week ist längst mehr als ein Schönheitswettbewerb für altes Blech. Natürlich rollen in Pebble Beach weiterhin die teuersten Klassiker der Welt vor die Jury. Doch ein paar Kilometer weiter geht es auf dem kurz geschorenen Rasen im Carmel Valley um die automobile Gegenwart und Zukunft – und um die Frage, wer den Superreichen die schmackhafteste Extrawurst gebraten hat. Die Eintrittskarten kosten inzwischen fast 2.000 Dollar und sind trotzdem heiß begehrt. Dazu gibt es Champagner, Austern, Zigarren und vor allem Autos, die man normalerweise nur aus dem Feed der Carspotter kennt.

Ein Schnäppchen für 600.000 Euro

Dabei gilt: Je kleiner die Stückzahl, desto größer die Begeisterung. Ein Lamborghini mit knapp 600.000 Euro Kaufpreis gilt hier beinahe als Schnäppchen, wenn er dafür 1.963 Mal gebaut wird. Ein Aston Martin für rund 1,8 Millionen Euro ist schon deutlich exklusiver – aber mit 150 Exemplaren immer noch erstaunlich häufig. 77 Bodos, 25 Spyker und ein einziger Bugatti sorgen dann endgültig für klare Verhältnisse.

Und natürlich wird dabei nicht nur an der Preisschraube gedreht. Die Hersteller rüsten auch bei Leistung, Sound und Optik auf. Mehr Carbon, mehr PS, mehr Flügel und weniger Gewicht gehören inzwischen zum guten Ton. Selbst bei einem Auto, das schon vorher kaum jemand überholen konnte, muss es offenbar noch eine Schippe mehr sein.

Das Ergebnis ist eine Mischung aus Automobilbau und Größenwahn. Hier geht es nicht darum, ob ein Auto vernünftig ist. Es geht darum, ob es spektakulär genug ist, damit sein Besitzer damit selbst zwischen Bugatti, Lamborghini und Koenigsegg noch auffällt. Und genau deshalb sind diese fünf Neuheiten so herrlich typisch für Pebble Beach.


Neuheiten-Highlights von Pebble Beach 2026

Neuheiten-Highlights von Pebble Beach 2026 Bildergalerie

Lamborghini Revuelto SV: 1.963 Mal Super Veloce

1.963 Exemplare –damit ist der Lamborghini Revuelto SV auf The Quail beinahe schon ein Massenprodukt. Jedenfalls dann, wenn man ihn mit den anderen Extrawürsten auf dem Golfplatz vergleicht. Denn eigentlich ist das neue Topmodell aus Sant’Agata alles andere als gewöhnlich: Der V12-Hybrid bekommt mehr Leistung, weniger Gewicht und deutlich mehr Aerodynamik.

Unter der Haube bleibt es beim 6,5-Liter-V12, der zusammen mit seinen Elektromotoren jetzt 1.065 PS und bis zu 1.425 Nm auf die vier Räder loslässt. Das sind rund fünf Prozent mehr Leistung als beim normalen Revuelto, während gleichzeitig kräftig abgespeckt wurde. Das Trockengewicht sinkt auf 1.772 Kilogramm, die Aerodynamik wird deutlich aggressiver. Herausgekommen ist ein Auto, das nicht nur böser aussieht, sondern auch entsprechend auf der Straße liegt.

2,4 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h und 345 km/h Spitze sprechen ohnehin eine ziemlich deutliche Sprache. Dazu kommen ein nachgeschärftes Fahrwerk, neue Bremsen und jede Menge Kohlefaser. Der Name Super Veloce, den Lamborghini erstmals vor 55 Jahren beim Miura verwendet hat, ist also durchaus Programm.

Das alles kostet mindestens 583.000 Euro. Ohne Extras versteht sich. Und trotzdem sind die 1.963 Exemplare längst nicht die große Sensation. Denn auf The Quail gibt es noch ganz andere Stückzahlen. Aber immerhin: Wer einen SV bekommt, darf sich damit rühmen, den stärksten und schnellsten Serien-Lamborghini aller Zeiten zu besitzen. Viel mehr Auto braucht eigentlich kein Mensch. Aber darum geht es hier ja auch gar nicht.


Aston Martin Valen (2027)

Die britische Flunder hat einen auf 850 PS getrimmten V12 unter der Fronthaube Bildergalerie

Aston Martin Valen: 150 Mal ganz vorne

Der normale Aston Martin Vanquish ist eigentlich schon ein ziemlich feines Gerät: V12 vorne, Hinterradantrieb und genug Leistung, um damit auch auf dem Weg zum Dinner niemanden zu langweilen. Doch in Gaydon scheint man irgendwann beschlossen zu haben, dass "fein" auf The Quail nicht ganz reicht. Also wurde die Q-Abteilung losgelassen – und heraus kam der Valen.

Der trägt zwar noch die Gene des Vanquish, sieht aber deutlich schärfer aus. Vor allem die Karosserie aus Carbon macht aus dem eleganten GT einen ziemlich bösen Burschen. Dazu kommen neue Aerodynamik, weniger Gewicht und ein kräftigerer Motor. Der 5,2-Liter-V12 kommt auf 850 PS und macht den Valen damit zum stärksten Serien-Sportwagen mit Frontmotor.

Natürlich ist das Ganze nicht nur eine Übung für den Prüfstand. Aston Martin hat auch beim Fahrwerk nachgelegt und dem Valen unter anderem spezielle Dämpfer, Bremsen und Reifen spendiert. Dazu kommt ein Auspuff, der ziemlich unmissverständlich klarstellt, dass hier kein Elektromotor arbeitet.

Das Entscheidende steht allerdings nicht im Datenblatt, sondern ganz unten auf der Produktionsliste: 150 Exemplare. Und damit ist der Valen zwar erheblich seltener als ein gewöhnlicher Vanquish, aber immer noch häufig genug, dass sich seine Besitzer auf der Monterey Peninsula nicht gegenseitig aus dem Weg fahren müssen.

Dafür werden rund 1,8 Millionen Euro fällig. Das ist mehr als viermal so viel wie für den normalen Vanquish. Aber wer in dieser Preisklasse noch über den Aufschlag nachdenkt, hat das Prinzip von The Quail ohnehin nicht ganz verstanden. Der Valen ist schließlich kein Auto für Menschen, die einen Aston Martin wollen. Er ist für Menschen, die einen Aston Martin wollen, den möglichst wenige andere haben.

Brabus Bodo Cabrio: 77 Mal völlig drüber

Ein Brabus Bodo ist schon ziemlich viel Auto. Aber in Pebble Beach gilt offenbar auch hier: Wenn man schon übertreibt, dann bitte richtig. Deshalb steht neben dem Coupé jetzt auch noch das Cabrio – und das macht aus dem ohnehin ziemlich hemmungslosen Erinnerungsstück gleich eine offene Luxus-Rakete.

Die Basis liefert auch hier der Aston Martin Vanquish. Brabus hat ihn allerdings so gründlich umgebaut, dass vom britischen Serien-GT vor allem die technische DNA übrig bleibt. Breit, tief und komplett auf Show getrimmt, trägt der Bodo in Würdigung des Firmengründers Bodo Buschmann reichlich Carbon und den für Brabus inzwischen obligatorischen Mix aus Luxus und Größenwahn.

Unter der Haube arbeitet der kräftig aufgerüstete V12, der es auf glatte 1.000 PS bringt. Damit gehört der Bodo zu den wenigen Cabrios, bei denen man sich ernsthaft überlegen sollte, ob man vor dem ersten Vollgasversuch noch einmal nach dem Frisörtermin schauen muss. Denn die offene Version macht aus der ohnehin spektakulären Leistung ein Erlebnis mit deutlich mehr akustischer und meteorologischer Beteiligung.

Passend zum kalifornischen Schauplatz bekommt der Bodo also nicht nur ein Dach zum Wegnehmen, sondern gleich den großen Auftritt dazu. Wer offen fährt, zeigt schließlich nicht nur sein Auto, sondern auch seinen guten Geschmack – oder zumindest den Mut, ihn öffentlich zur Schau zu stellen.

Auch vom Cabrio soll es, so hört man bei Brabus, noch einmal 77 Exemplare geben, angelehnt an das Gründungsjahr von Brabus. Damit bleibt der Bodo trotz seiner ziemlich großzügigen Dimensionen ein echtes Sammlerstück. Und mit dem Cabrio kommt jetzt die vielleicht verführerischste Variante dazu: oben ohne, V12 unter der Haube und genug Leistung, um den Highway schneller leer zu machen, als der kalifornische Wind das Haar zerzaust.

Spyker Preliator XXV: 25 fliegende Holländer

Totgesagte leben länger. Das gilt zumindest für Spyker. Die niederländische Boutique-Marke ist nach einigen ziemlich turbulenten Jahren wieder da und rollt in Pebble Beach mit dem C8 Preliator XXV vor. Und natürlich wäre ein Spyker kein Spyker, wenn er dabei einfach nur aussehen würde wie ein normaler Sportwagen.

Schon die Karosserie ist ein kleines Kunstwerk aus Aluminium, dazu kommen jede Menge Luftfahrt-Anleihen, ein Cockpit wie aus einem alten Flugzeug und roségoldene Details. Der Auftritt ist irgendwo zwischen Art déco, Jet-Cockpit und sehr teurem Spielzeug angesiedelt. Wer damit vorfährt, braucht jedenfalls keine Sorge zu haben, dass daneben jemand denselben Wagen stehen hat.

Denn vom Preliator XXV sollen gerade einmal 25 Exemplare gebaut werden. Unter dem Blech steckt ein Audi-V8 mit rund 800 PS, der den Wiedergänger bis auf 350 km/h beschleunigt. Damit ist der Spyker nicht nur ein rollendes Kunstwerk, sondern auch ein ziemlich ernstzunehmendes Geschoss.

Damit passt der Spyker perfekt nach Monterey. Denn hier geht es schließlich nicht nur darum, schnell zu sein. Man muss auch eine Geschichte erzählen können. Und Spyker erzählt gleich mehrere: von Flugzeugen, Handarbeit, Pleiten, Comebacks und der ziemlich unbeirrbaren Vorstellung, dass ein Sportwagen ruhig ein bisschen verrückt aussehen darf.

Was der Spaß kostet, ist offiziell noch offen und auf the Quail ohnehin nur eine Nebensache. Viel wichtiger ist die Zahl 25. Denn wer einen Preliator XXV besitzt, kann ziemlich sicher sein, dass selbst auf dem vollgepackten Rasen von The Quail kaum ein zweiter auftaucht. Und genau deshalb kommt man schließlich hierher.


Bugatti Solitaire Destrier

Mit dem Destrier hat Bugatti das nunmehr dritte Unikat der Solitaire-Serie auf Basis des Bolide vorgestellt. Bildergalerie

Bugatti Destrier: Einer muss der Letzte sein 

Und dann steht da noch dieser Bugatti. Und plötzlich wirken selbst 25 Spyker oder 77 Bodos beinahe wie Großserie. Denn den Destrier gibt es genau einmal. Ein Auto, ein Kunde, eine Geschichte. Mehr Exklusivität geht eigentlich nur noch, wenn man das Auto anschließend wieder einschmilzt.

Der Destrier ist das dritte Einzelstück aus Bugattis neuem Solitaire-Programm und basiert auf dem Bolide. Doch während der Bolide aussieht, als wolle er unmittelbar vom Tieflader auf die Rennstrecke springen, setzt der Destrier stärker auf Eleganz. Die Karosserie verzichtet auf den radikalen Rennanzug und macht aus dem extremen Technikpaket ein deutlich geschmeidigeres Coupé.

Ganz zahm wird der Einzelgänger deshalb natürlich nicht. Im Heck arbeitet weiterhin der 8,0-Liter-W16 mit 1.600 PS, jetzt angeblich wirklich, echt und ehrlich zum allerletzten Mal. Damit dürfte auch der Destrier wie jeder Bugatti locker die 400-km/h-Marke knacken. Viel mehr weiß man über die Fahrleistungen offiziell nicht – aber bei einem Auto, das vermutlich schon im Stand schneller ist als die meisten anderen auf der Straße, ist das auch fast nebensächlich.

Interessanter sind ohnehin die Details. Der Name Destrier geht auf das Lieblingspferd Ettore Bugattis zurück und damit auf jene ziemlich persönliche Leidenschaft, die bei Bugatti immer wieder in den Designs durchschimmert. Das Auto ist deshalb weniger Rennwagen als rollende Haute Couture.

Und natürlich hat so viel Individualität ihren Preis. Bugatti spricht beim Solitaire-Programm von Einzelstücken, die individuell für einen Kunden entstehen. Beim ersten Solitaire, dem Brouillard, war von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag die Rede und beim Destrier wird das kaum anders sein. 

Aber dafür gibt es etwas, das man auch für sehr viel Geld kaum kaufen kann: Ein Auto, von dem es wirklich nur eines gibt. Und genau deshalb ist der Destrier der perfekte Schlussakkord für The Quail – denn wenn 1.963 schon als Massenware gelten, muss einer schließlich die Eins bringen.


McLaren McL 6GT (2026)

In Monterey hat McLaren das bereits seriennahe Sportwagen-KOnzept McL 6GT vorgestellt Bildergalerie

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