BIV: "Mehr Sichtbarkeit gewinnen"

02.10.2026 08:10 Uhr | Lesezeit: 2 min
Detlef Peter Grün
Detlef Peter Grün, Bundesinnungsmeister und Vorstandsvorsitzender Bundesinnungsverband des Kfz-Handwerks (BIV).
©Foto: BIV

Detlef Peter Grün, Bundesinnungsmeister und Vorstandsvorsitzender Bundesinnungsverband des Kfz-Handwerks (BIV), spricht über die neue Struktur des Verbandes und aktuelle Projekte.

asp: Beim Blick auf die Webseite des BIV war mein Eindruck: Aha, jetzt tritt das Kfz-Handwerk an zentraler Stelle deutlich sichtbarer in seiner Themenvielfalt hervor. Täuscht mein Eindruck?

D. P. Grün: Nein, dieser Eindruck täuscht nicht. Mit der organisatorischen Neuaufstellung und dem schrittweisen Aufbau unserer Geschäftsstelle schaffen wir die Voraussetzungen, um diese Arbeit auch nach außen deutlicher erkennbar zu machen.

asp: Worin sehen Sie die wichtigsten Aufgaben des BIV?

D. P. Grün: Der BIV-Kfz vertritt die Interessen des Kfz-Handwerks auf nationaler und europäischer Ebene. Das gilt gegenüber Politik und Verwaltung ebenso wie gegenüber anderen Verbänden, Institutionen und den unterschiedlichen Akteuren im Automotive Aftermarket. Zugleich betreiben wir die akkreditierte Inspektionsstelle AÜK. Sie unterhält ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) zur Durchführung von jährlich rund 11,5 Millionen hoheitlichen Werkstattuntersuchungen und -prüfungen in Kfz-Betrieben.

asp: Wie viel hat sich nach der Trennung vom ZDK organisatorisch intern geändert?

D. P. Grün: Zunächst ist mir eine Klarstellung wichtig: Wir haben uns nicht vom ZDK getrennt. Der ZDK und der damalige ZVK, der heutige BIV-Kfz, waren bereits zuvor eigenständige Verbände. Beide Verbände hatten bis zum Ende des letzten Jahres ihre Ressourcen in einer gemeinsamen Geschäftsstelle gebündelt. Neu ist, dass sich das Kfz-Handwerks auf Bundesebene seit dem 1. Januar 2026 in einer eigenen Geschäftsstelle organisiert. Im Zuge dessen haben wir die Gelegenheit genutzt und zukunftsorientiert personelle Strukturen und Aufgabenfelder angepasst. Damit einher geht, dass wir innerhalb weniger Monate unser Team deutlich verjüngt haben. Das Durchschnittsalter in der Geschäftsstelle des BIV-Kfz liegt bei etwa Mitte 30. Damit sind wir ein sehr junger Verband. Das bringt neue Perspektiven mit sich und gibt der Organisation eine gute Grundlage für ihre weitere Entwicklung. All das trägt auch schon erste Früchte. Unsere Sichtbarkeit nimmt deutlich zu.

asp: Was heißt die stärkere Sichtbarkeit für Ihr Amt?

D. P. Grün: Für mich bedeutet die stärkere Sichtbarkeit vor allem mehr Verantwortung in der öffentlichen und politischen Kommunikation. Uns ist wichtig, die spezifischen Themen des Kfz-Handwerks klar zu profilieren. Wir vertreten die Handwerksthemen aller Kfz-Betriebe - unabhängig davon, ob sie frei oder markengebunden arbeiten. Meine Aufgabe ist es, diese Perspektive in Gespräche mit Politik, Wirtschaft und anderen Verbänden einzubringen und deutlich zu machen, welche Folgen politische, regulatorische oder technische Entscheidungen für den Betriebsalltag haben.

asp: Viele Themen werden in Brüssel entschieden. Wie sind Sie international vernetzt?

D. P. Grün: Unser Netz auf europäischer Ebene wird mit jedem Tag engmaschiger. Das ist für unsere Arbeit essentiell. Denn ein großer Teil der technischen und wettbewerbspolitischen Rahmenbedingungen für die Kfz-Betriebe wird heute in Brüssel festgelegt. Deshalb ist es für uns unverzichtbar, dort frühzeitig präsent zu sein. Wir sind über unsere Partnerverbände in den relevanten europäischen Gremien vertreten und haben unsere Vernetzung insbesondere auf der Arbeitsebene in den vergangenen Monaten weiter ausgebaut. Darüber hinaus haben wir gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks eine Kooperationsstruktur in Brüssel etabliert. Künftig werden wir auch auf der Ebene der ehrenamtlichen Spitzenvertreter unseres Verbands noch stärker in Brüssel präsent sein. Damit starten wir demnächst. Wir wollen ganz bewusst direkt aus der Werkstatt politischen Entscheidungsträgern ein Bild unseres Gewerkes vermitteln.

asp: Wie läuft die Abstimmung mit dem ZDK?

D. P. Grün: Die Zusammenarbeit mit dem ZDK ist weiterhin eng und partnerschaftlich. Die Abstimmung wird insbesondere durch die beiden Hauptgeschäftsführer Jürgen Hasler und Dr. Jürgen Gros koordiniert. Sie sorgen dafür, dass wir in den zentralen Themenfeldern, in denen es gemeinsame Schnittstellen gibt, eng miteinander verzahnt sind und entsprechende Positionierungen gemeinsam vorbereiten. Ein gutes Beispiel dafür ist die anstehende Reform der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO). ZDK und BIV-Kfz haben gemeinsam betont, dass sie eine zukunftsgerichtete Reform der StVZO begrüßen und dem Verordnungsgeber ihre fachliche Expertise anbieten. Ausdruck unserer Zusammenarbeit ist auch das gemeinsame Fachgespräch freie Werkstätten, das der BIV-Kfz und der ZDK am 9. Oktober in Würzburg ausrichten.

asp: Wie vermeidet man Doppelstrukturen bei BIV und ZDK?

D. P. Grün: Doppelstrukturen vermeiden wir zunächst durch eine enge Koordination zwischen den beiden Hauptgeschäftsführungen. Hinzu kommt eine klare Aufgabenverteilung zwischen den Geschäftsstellen. Der BIV-Kfz konzentriert sich auf die spezifischen Belange des Kfz-Handwerks und der Kfz-Betriebe. Der ZDK vertritt das gesamte Kraftfahrzeuggewerbe mit seinen unterschiedlichen Bereichen. Wo gemeinsame Interessen und Schnittstellen bestehen, stimmen wir uns eng ab, bündeln unsere fachliche Kompetenz und treten möglichst gemeinsam auf.

asp: Ist man bestrebt, bei wichtigen Themen mit einer Stimme zu sprechen oder darf es bei Sachthemen voneinander abweichende Positionen geben?

D. P. Grün: Ja, bei gemeinsamen Themen ist es das klare Ziel, uns eng abzustimmen und mit einer Stimme zu sprechen. Nur eine gemeinsame Position ist gegenüber Politik und Öffentlichkeit wirkungsvoll. Das streben wir mit allen Partnern in unserem Netzwerk an.


""Unser Ziel ist es, die Themen und Interessen des Kfz-Handwerks sichtbarer zu machen." "

Detlef Peter Grün, BIV


asp: Sprechen Sie für markengebundene Werkstätten genauso wie für den freien Markt?

D. P. Grün: Darauf hatte ich ja eben schon hingewiesen. Ich will es aber nochmals betonen. Wir vertreten die handwerklichen Interessen der Kfz-Betriebe unabhängig davon, ob sie markengebunden oder frei aufgestellt sind.

asp: Sind da nicht Konflikte programmiert, denn die Interessen des markengebundenen Service und des IAM sind nicht immer gleich?

D. P. Grün: Unterschiedliche Geschäftsmodelle bringen naturgemäß unterschiedliche Sichtweisen mit sich. Das ist in einem vielfältigen Markt normal. Von programmierten Konflikten würde ich dennoch nicht sprechen. In vielen zen­tralen Fragen bestehen gemeinsame handwerkliche Interessen: Die Betriebe brauchen qualifiziertes Personal, wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen, praxistaugliche Regulierung und die Möglichkeit, die Fahrzeuge ihrer Kunden fachgerecht zu warten und zu reparieren.

asp: Wie ist die Arbeitsteilung zwischen Ihnen und Jeffrey Kilian, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden?

D. P. Grün: Unser Vorstand ist ein Dreierteam. Neben Jeffrey Kilian und mir gehört auch Thomas Schacht dazu. Jeffrey Kilian verantworte die Finanzen. Ich übe die Funktion des Bundesinnungsmeisters aus. Wir arbeiten alle drei eng und vertrauensvoll zusammen und verstehen uns als gemeinsames Führungsteam. Die Aufgaben in unserem Netzwerk haben wir uns aufgeteilt. Manche Termine nehmen wir gemeinsam wahr, bei anderen sprechen wir uns regelmäßig ab, wer wo und wann präsent ist.

asp: Welche konkreten Branchen-Themen beschäftigen Sie derzeit am meisten?

D. P. Grün: Uns beschäftigen derzeit vor allem die Rahmenbedingungen für einen fairen und zukunftsfähigen Servicemarkt. Dazu gehört an erster Stelle der diskriminierungsfreie Zugang zu Fahrzeugdaten, Reparatur- und Wartungsinformationen sowie Diagnosefunktionen. Weitere zentrale Themen sind der Fachkräftemangel und die berufliche Bildung, die zunehmende Digitalisierung der Fahrzeuge, Elektromobilität und Hochvolttechnik, Fahrerassistenzsysteme, die Bewertung und Reparatur von Fahrzeugbatterien sowie die wachsenden regulatorischen und bürokratischen Anforderungen. Wie breit unser Themenspektrum inzwischen ist, zeigt auch unsere aktuelle Stellungnahme zum Entwurf zur Änderung des Bundesverfassungsschutzgesetzes und des BND-Gesetzes. Der Gesetzentwurf sieht vor, künftig unter anderem auch Kfz-Werkstätten zur Auskunft über bestimmte fahrzeugbezogene Daten verpflichten zu können. Wir haben dieses Thema frühzeitig aufgegriffen und deutlich gemacht, dass solche Regelungen rechtssicher, praktikabel und verhältnismäßig ausgestaltet werden müssen. Insbesondere dieses Beispiel zeigt, dass wir relevante Entwicklungen möglichst früh erkennen und fachlich begleiten wollen - gerade dann, wenn ihre Auswirkungen auf die Werkstätten auf den ersten Blick vielleicht noch nicht offensichtlich sind.


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