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Geschäftsjahr 2023: Mahle kehrt in die Gewinnzone zurück

16.04.2024 16:02 Uhr | Lesezeit: 3 min
Mahle-Chef Arnd Franz bei der Bilanzpressekonferenz 2024
Mahle-CEO Arnd Franz geht mit Rückenwind das Geschäftsjahr 2024 an.
© Foto: Screenshot/Mahle/asp Online

Der Automobilzulieferer schafft im vergangenen Jahr den Turnaround – und sieht sich auch für die Zukunft gut aufgestellt. "Die Richtung stimmt", sagt CEO Arnd Franz.

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Trotz Gegenwind hat Mahle das Geschäftsjahr 2023 mit einem Rekordumsatz und schwarzen Zahlen abgeschlossen. Wie der Automobilzulieferer am Dienstag in Stuttgart mitteilte, stiegen die Erlöse – bereinigt um Wechselkurseffekte – um 8,2 Prozent auf 12,8 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) legte von 60 Millionen auf 304 Millionen Euro zu. Das Konzernergebnis war mit 26 Millionen Euro wieder positiv. 2022 hatte noch ein Fehlbetrag von 332 Millionen Euro in der Bilanz gestanden.

Die Neuausrichtung im Zuge der Strategie "Mahle 2030+" zahle sich aus, sagte Arnd Franz, Vorsitzender der Konzern-Geschäftsführung. "Wir konzentrieren uns mit geschärftem Fokus auf unsere Kernprodukte – in der Elektrifizierung im Thermomanagement und für nachhaltige Verbrennungsmotoren. Hier zählen wir zu den führenden Anbietern im Markt." 

Mahle hat laut Franz auch konsequent an der Verbesserung seiner Ertragskraft gearbeitet und das Portfolio bereinigt. So wurde beispielsweise der 50 Prozent-Anteil am Joint Venture Behr-Hella Thermocontrol (BHTC)verkauft. Aktuell trennt sich das Unternehmen vom Erstausrüstergeschäft mit Thermostaten.

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Trotz weltweit schwieriger Rahmenbedingungen und Kostensteigerungen habe das Unternehmen die Trendwende geschafft, erklärte Franz. Das Unternehmen leidet darunter, dass die erhofften Absatzzahlen für Elektrofahrzeuge nicht eingelöst wurden. "Die Marktvolumina blieben unter den Erwartungen. Zwar haben sich die Märkte für Pkw und Nutzfahrzeuge im vergangenen Jahr weltweit positiv entwickelt jedoch nicht in Europa. Hier sind insbesondere die Verkaufszahlen von batterieelektrischen Fahrzeugen noch weit davon entfernt die hohen Investitionen zu rechtfertigen, die wir wie viele anderne in diesem Technologiefeld tätigen."

Der Konzern befindet sich mitten in der Umstrukturierung – weg vom klassischen Zulieferer für Verbrennerfahrzeuge hin zur Ausrichtung auf Elektromobilität. Hier tätigt der Konzern weltweit hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung und in die Akquise von Unternehmen. Ein Großteil der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (F+E) fließt in die Kernbereiche Elektrifizierung und Thermomanagement. Die F+E-Aufwendungen haben sich 2023 auf 73 Millionen Euro leicht erhöht. Dies entspricht 5,3 Prozent des Umsatzes. 

Mehr Tempo bei der E-Mobilität gefordert 

Franz forderte insbesondere schnellere Fortschritte bei der Einführung der Elektromobilität: "Vor uns liegt noch ein gutes Stück des Wegs bis wir eine ähnliche Marktposition wie im Stammgeschäft erreichen. Dafür brauchen wir Stückzahlen. Die Elektrifizierung muss schneller kommen damit wir nachhaltig wachsen können."

Über 60 Prozent des Umsatzes erzielt Mahle mittlerweile mit Technologien und Produkten, die nicht unmittelbar am Verbrennungsmotor hängen. Die Sparte Elektronik und Mechatronik steigerte 2023 ihren Umsatz leicht auf 1,4 Milliarden Euro, das Geschäftsfeld Thermomanagement wuchs um 4,1 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro.

In Europa und Nordamerika legten im vergangenen Jahr aber besonders die Geschäftsbereiche, die überwiegend mit dem Verbrennungsmotor verbunden sind, deutlich zu. So erlöste Mahle mit Motorsystemen und -komponenten 2,6 Milliarden Euro – 9,3 Prozent mehr als im Jahr davor. Der Geschäftsbereich Filtration und Motorperipherie wies ein Plus von 9,7 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro aus. 

Aftermarket als Wachstumsfeld 

Als verlässliches Wachstumsfeld zeigte sich erneut das Aftermarket-Geschäft: "Insbesondere mit Motorkomponenten und Filterprodukten konnten wir hier beim Umsatz um drei Prozent bzw. um 22 Prozent wechselkursbereinigt auf 1,3 Milliarden Euro zulegen", erklärte CFO Markus Kapaun bei der Vorstellung der Bilanzzahlen. Franz ergänzte in der anschließenden Fragerunde: "Mahle hat seinen Umsatz im Aftermarket alle zehn Jahre verdoppelt. Wir glauben an den Geschäftsbereich, der sich weiter überproportional entwickeln wird." Die Autos würden einerseits immer älter und gleichzeitig werde die Technologie immer komplizierter, beides komme dem Aftermarket-Geschäft zugute. Deshalb tue Mahle alles, um den Kunden nicht nur das Teil sondern auch die notwendige Intelligenz mitzuliefern. Das sei der Grund, warum vor zehn Jahren der Bereich Werkstattausrüstung und Diagnose aufgebaut wurde. 

Franz: "Auch im wichtigen Service- und Ersatzteilgeschäft arbeiten wir an innovativen Produkten für Werkstätten, um sie fit für die Zukunft zu machen. Elektrifizierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind ganz im Sinne unserer Konzernstrategie die drei Säulen dieses Geschäftsbereichs." Als Beispiel führte er die neue fahrzeug- und herstellerunabhängige Batteriediagnoselösung "E-Health Charge" an, mit der sich der Gesundheitszustand der Traktionsbatterie messen lässt.

Die Zukunft ist elektrisch, aber...

Elektrifizierung bleibt das große Zukunftsthema von Mahle. "Unser Fokus liegt dabei auf elektrischen Antrieben und intelligentem Laden. Wir tun alles, um E-Mobilität attraktiver und erschwinglicher zu machen", sagte Franz. "Unser Fokus liegt dabei auf elektrischen Antrieben und intelligentem Laden.“ Mit einem neuen Technologiebaukasten für E-Motoren biete man sehr effiziente Antriebe für Pkw und Nutzfahrzeuge, die dabei auch ohne Seltene Erden auskommen. Beim kabellosen Laden von E-Fahrzeugen wurde das neue automatisierte Positioniersystem zum globalen Standard erklärt. Für sein neues Thermomanagement-Modul hat Mahle zudem zwei Großaufträge mit einem Gesamtvolumen von knapp 1,5 Milliarden Euro erhalten.

Dennoch sparte Franz nicht mit kritischen Tönen an der europäischen Strategie, die sich mit dem faktischen Verbrenner-Aus ab 2035 einseitig auf die batterieelektrischen Antriebe fokussiere. "Allein mit der E-Mobilität werden wir die Klimaziele nicht erreichen. Für wirksamen Klimaschutz müssen wir CO2 schneller reduzieren." 

Insbesondere in Schwellenländern und einigen Bereichen des Nutzfahrzeugsektors würden Verbrennungsmotoren auf absehbare Zeit der Antrieb der Wahl bleiben. Deshalb sei es sinnvoll auch nachhaltige Verbrennungsmotoren zu entwickeln, die mit erneuerbaren Kraftstoffen betrieben werden. Dies gelte auch mit Blick auf die Bestandsflotte der verbrennerbetriebenen Fahrzeuge, die noch Jahrzehnte auf den Straßen fahren werde.

Franz macht sich bei Antrieben daher stark für eine "Multipfadstrategie", wie sie Japan, China oder Nordamerika bereits verfolgten. Vorerst gilt für Europa die in Brüssel beschlossene Vorgabe an Automobilhersteller, ab 2035 nur noch Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, die keine klimaschädlichen Treibhausgase mehr ausstoßen. Bis dahin sollen die Flotten-Grenzwerte für den CO2-Ausstoß schrittweise gesenkt werden. Allerdings soll das Vorhaben 2026 noch einmal auf den Prüfstand. Gegebenenfalls werden Gesetze dann noch einmal angepasst. Franz: "2026 steht der Reviewprozess in der EU an. Das ist enorm wichtig, denn im Moment werden so gut wie keine neuen Verbrennungsmotoren in der EU entwickelt." Die Industrie brauche spätestens dann ein klares Signal, mahnte Arnd Franz.

Zuversicht für laufendes Jahr

Zuversichtlich äußerte sich der Mahle-Chef zum laufenden Jahr: "Auch wenn wir aktuell ein weiteres äußerst volatiles Jahr vor uns haben. Die Richtung stimmt." Eine konkrete Prognose wollte Franz nicht abgeben und begründete dies mit hohen Unsicherheiten: "Die Märkte bewegen sich eher seitwärts, wir sehen nur geringes Wachstum in China. Deshalb ist die Planbarkeit sehr schwierig geworden."

Mahle mit Sitz in Stuttgart stellt beispielsweise Motor- und Kühlsysteme für Verbrenner und E-Autos her. Die Beschäftigtenzahl stieg zuletzt leicht. Zum Jahresende 2023 arbeiteten knapp 72.400 Menschen für den Zulieferer.

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