Der japanische Automobilzulieferer Astemo treibt die Entwicklung softwaredefinierter und elektrifizierter Fahrzeuge mit einem breiten Technologieportfolio voran. Im Mittelpunkt stehen nach Unternehmensangaben neue Brems- und Lenksysteme, eine zentrale Fahrzeugsteuerung sowie ein Elektromotor, der ohne seltene Erden auskommt. Die Lösungen wurden bereits in umfangreichen Winter- und Sommertests in Europa erprobt.
"Europa ist ein zentraler Treiber der Fahrzeugelektrifizierung und eine strategische Wachstumsregion für Astemo. Mit den Technologien in unserem aktuellen Portfolio zeigen wir, wie wir die nächste Fahrzeuggeneration konsequent weiterentwickeln: sicherer, nachhaltiger, intuitiver und effizienter", sagte Doug Bowling, Head of Europe bei Astemo, laut einer Mitteilung. "Als einer der weltweit führenden Zulieferer in den Bereichen Elektrifizierung und Fahrwerkstechnologie investieren wir weiter in die Systeme, die die Mobilität von morgen prägen werden."
Smarte Bremsentechnik
Im Bereich der Bremsentechnik verfolgt Astemo einen mehrstufigen Ansatz. Während das elektrohydraulische System "Smart Actuation" den Einstieg in Brake-by-Wire-Architekturen ermöglichen soll, arbeitet der Zulieferer mit "Smart Brake" an einer vollelektromechanischen Bremse ohne Hydraulik. Das System soll ab 2030 in Serie gehen und durch geringeres Gewicht, schnellere Reaktionszeiten sowie eine präzisere Einzelradsteuerung Vorteile für Elektrofahrzeuge und automatisierte Fahrfunktionen bieten. Ergänzt wird das Portfolio durch die "Smart Drum", eine für die Hinterachse entwickelte Trommelbremse mit By-Wire-Technologie.
Parallel dazu entwickelt Astemo eine neue Steuerungsarchitektur für softwaredefinierte Fahrzeuge (SDV). Die Plattform "Cross-domain Integrated Control" vernetzt die Bereiche Lenkung, Bremse, Fahrwerk und Antrieb unter einer gemeinsamen Regelungslogik. Ziel sind höhere Sicherheit, mehr Energieeffizienz und ein verbessertes Fahrerlebnis. Die Markteinführung ist zwischen 2027 und 2030 vorgesehen.
Drehsteller statt Lenkrad
Einen besonders weitreichenden Ausblick gibt Astemo mit seinem Steer-by-Wire-System. Das sogenannte New Input Device (NID) ersetzt Lenkrad und Lenksäule durch einen kompakten Drehsteller, der mit einer Hand bedient wird (wir berichteten). Nach Angaben des Unternehmens erreichte das System in Tests mindestens vergleichbare Ergebnisse wie klassische Lenkräder, während die kognitive Belastung der Fahrer sank. Eine Marktreife sieht das Unternehmen innerhalb der kommenden zehn Jahre.
Darüber hinaus arbeitet Astemo an einem neuen Synchronreluktanzmotor für Elektrofahrzeuge, der ohne seltene Erden auskommt. Der Antrieb kombiniert Ferritmagnete mit einem magnetfreien Nebenantrieb und soll Leistungen von bis zu 315 kW ermöglichen. Die Serienfertigung ist für 2030 geplant. Sollte das Konzept umgesetzt werden, wäre es laut Unternehmen die weltweit erste Serienanwendung eines solchen Motors im Automobil.
Strategie: Nachhaltig, sicher, digital
Alle Entwicklungen folgen der Strategie "Mobility Beyond", mit der Astemo die Schwerpunkte Nachhaltigkeit, Sicherheit und Digitalisierung stärker zusammenführen will. Dabei setzt das Unternehmen auf die Kombination aus Softwarekompetenz und Hardwareentwicklung.
Bowling betonte: "Softwareentwicklung ist der Schlüssel zu allen Produkten der nächsten Generation – aber sie kann ihr volles Potenzial nur entfalten, wenn sie mit erstklassiger Hardware kombiniert wird. Mit unserem aktuellen Portfolio bringen wir beide Welten zusammen und unterstützen unsere Kunden auf dem Weg in eine softwaredefinierte, elektrifizierte und zunehmend autonome Zukunft."
Astemo ist ein Joint Venture von Hitachi, Honda Motor und JIC Capital. Der Zulieferer beschäftigt weltweit rund 80.000 Mitarbeitende. Hauptsitz der Europa-Sparte ist München.