Mittwoch, 21.08.2019
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Quadratisch, praktisch, blau

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© AUTO SERVICE PRAXIS

Mit der Blue Box hat TÜV SÜD eine flexible Lösung im Angebot, die die Hauptuntersuchungen und andere Servicedienstleistungen auf kleinstem Raum ermöglicht. Bundesweit sind schon 25 Boxen im Einsatz. Wir haben uns Anwendungen in Berlin angeschaut.

Muss eine Blue Box von TÜV SÜD eigentlich auch regelmäßig zum "TÜV"? Immerhin hat die mobil einsetzbare Prüfstelle auf dem Gelände der ATU in Berlin-Tegel jetzt bereits drei Jahre auf dem Buckel. "Zumindest das Innenleben, also die gesamte technische Ausrüstung, muss regelmäßig überprüft werden wie bei einer ganz normalen Prüfstelle auch", weiß Detlev Lanz, Regionalleiter Berlin-Brandenburg TÜV SÜD Auto Partner GmbH, der für die Vermarktung des Konzepts in der Region verantwortlich ist. Wir stehen vor einem Prototyp der Box, die auf wenigen Quadratmetern alles bietet, was eine Prüfstelle ausmacht. Die Box besteht aus vier Modulen, die mit 38 Tonnen Stahl verwindungssteif und schwingungsarm miteinander verbunden sind. Das Technikmodul, Herzstück der Prüfstelle, enthält einen kompletten Bremsenprüfstand, eine Hebebühne, Rüttelplatte, Scheinwerfereinstellplatz und das Gerät zur Abgasmessung.

Vier Boxen in Berlin und Umgebung

Nach drei Jahren steht die Box, die auf Säulenfundamenten im Boden ruht und jederzeit versetzt werden kann, immer noch tipptopp da und tut jeden Tag ihren Dienst - auch wenn die Box mittlerweile technisch weiterentwickelt wurde und in dieser Form nicht mehr gebaut wird. Unter anderem wurde bei den neueren Boxen die Heizungstechnik laut geänderten gesetzlichen Vorgaben verbessert. Zudem sind bei aktuellen Modellen die Rolltore breiter ausgelegt, um auch Transporter abfertigen zu können.

Betreiber und Eigentümer der Box auf dem Parkplatz der ATU ist die TÜV SÜD Auto Partner GmbH. "Die Box wird betrieben von festangestellten Prüfingenieuren der TÜV SÜD Auto Partner GmbH und Schadengutachtern der TÜV SÜD Auto Plus GmbH sowie von Angestellten der Franchise-Nehmer unserer Partnerbüros", erklärt Detlev Lanz. Um die Auslastung möglichst effektiv zu gestalten, gibt es eine Zeiteinteilung für die Nutzung der Box. Für Kunden ist diese interne Aufteilung gar nicht zu sehen, sie haben es immer nur mit der vertrauten Marke TÜV SÜD zu tun.

Vormittags zwischen 7 und 11 Uhr wird die Box für Fahrzeugbewertungen von Leasing-Rückläufern genutzt. Am späten Vormittag ist die Prüfstellen öffentlich zugänglich. Auch Franchise-Partner der TÜV Auto Partner GmbH bieten hier ihr gesamtes Dienstleistungsportfolio, beispielsweise HU oder Wertgutachen, an.

ATU stellt lediglich den Platz zur Verfügung und ist selbst auch Kunde von TÜV SÜD, wenn Kundenfahrzeuge von ATU-Kunden zur HU sollen. Detlev Lanz: "Die Blue Box ist personell, rechtlich und räumlich getrennt von ATU."

"Das Konzept hat sich bewährt. Mittlerweile sind vier Boxen in Berlin und Umgebung im Einsatz, zwei sind in Planung", berichtet Lanz nicht ohne Stolz. Bundesweit sind mittlerweile 25 Boxen in Betrieb.

Demnächst könnte ein großer Coup folgen: Derzeit laufen intensive Gespräche mit einem großen Discounter, der bundesweit ein neues Mobilitätskonzept ausrollen möchte und unter anderem Induktionsparkplätze für das schnelle Laden von Elektroautos anbieten will. Die Blue Box würde an einigen Standorten sehr gut in das Konzept passen, derzeit läuft die Potenzialanalyse für das Projekt. Die neueste und zugleich aufwendigste Ausführung der Blue Box ist auf dem Parkplatz der BMW-Niederlassung in Berlin-Marzahn zu bestaunen.

Das Autohaus gehört zum BMW-Niederlassungsverbund Nordost und liegt im östlichsten Teil von Berlin. Durch die Inbetriebnahme der Blue Box sollte noch mehr attraktives Publikum angezogen werden.

Die Box auf dem BMW-Gelände fungiert unter anderem als öffentliche Prüfstelle, in der Autofahrer ihre HU buchen können sowie andere Dienstleistungen aus dem TÜV SÜD Portfolio.

Schadenmanager inklusive

"Anstehende Reparaturen sollen möglichst schnell gemacht werden, damit die HU-Plakette noch am gleichen Tag vergeben werden kann", erläutert Lanz die Vorteile für den Händler, der seine Werkstatt besser auslasten kann.

Und noch einen weiteren charmanten Vorteil hat die Kooperation mit TÜV SÜD für die Niederlassung; in der Box, die ein Büro mit zwei Arbeitsplätzen bietet, sitzt auch Schadenmanager von TÜV SÜD, der für das Schadenmanagement im Niederlassungsverbund betreut. Kunden mit Unfallschaden werden automatisch an den TÜV-Mitarbeiter vermittelt, der sich um alles Weitere kümmert. Das Autohaus muss daher keinen eigenen Mitarbeiter für das komplexe Thema Schadenmanagement abstellen. "TÜV SÜD ist die einzige Prüforganisation, die keine Verträge mit Versicherungen hat, das heißt, wir sind wirklich neutral", betont Detlef Lanz.

Eine weitere Box steht in der BMW-Niederlassung am Berliner Kaiserdamm. Im dortigen Anwendungsfall steht klar der Aspekt Platzgewinn im Vordergrund. Bislang fand die Hauptuntersuchung im Untergeschoss der BMW-Niederlassung statt. Mit der Prüfbox ist das Thema periodische Prüfung auf den Parkplatz der BMW-Niederlassung verschoben - das Autohaus gewinnt wertvollen Platz.

Kurzfassung

Die modulare Blue Box ist eine planerische Meisterleistung und enthält einen kompletten Bremsenprüfstand, eine Hebebühne, Rüttelplatte, Scheinwerfereinstellplatz und das Gerät zur Abgasmessung.

Blue Box

Die modular konstruierte Blue Box kann mit nur wenig Planungsbedarf aufgestellt werden, beispielsweise auf dem Gelände eines Autohauses oder auf einem Parkplatz. Sie ist vielseitig verwendbar, beispielsweise für Hauptuntersuchungen, Schadengutachten, Leasing-Rückläufer und Gebrauchtwagenbewertungen. Die Box ist mit modernstem Prüfequipment ausgestattet und kann innerhalb kürzester Zeit installiert werden. Da es sich nicht um eine Immobilie handelt, verkürzen sich die Planungs- und Genehmigungszeiten sowie die Kosten im Vergleich zu einem Neubau erheblich.Entwickelt hat die TÜV SÜD Blue Box das Business Development der TÜV SÜD Division Mobility. Die modulare Station steht klassischen Prüfstellen bei Ausstattung und Funktionalität in nichts nach. Neben dem Technikmodul gibt es ein Seitenwandbauteil, ein Büromodul und das Dachmodul.

Autor: Dietmar Winkler

 
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