Reifenhersteller Nokian Tyres hat in Ivalo (Finnland) seinen neuesten Winterreifen Snowproof 3P vorgestellt. Die asp-Redaktion konnte sich von den Schnee-Eigenschaften des Pneus auf der Teststrecke "White Hell" überzeugen.
Die Winter in Deutschland werden immer milder und eine dichte Schneedecke ist in vielen Regionen ein eher seltener Anblick - vom vergangenen Winter einmal abgesehen, der etwas schneereicher ausfiel.
Ausflug in die weiße Hölle
Dennoch dominieren in den Wintern eher Nässe und Schneematsch. Der finnische Reifenhersteller Nokian Tyres hat darauf reagiert und den neuen Winterreifen Snowproof 3P genau dafür optimiert (siehe Interview mit Jarno Röytiö auf S. 21). Die asp-Redaktion durfte das neue Flaggschiff dort testen, wo die besten winterlichen Bedingungen herrschen: auf der Teststrecke "White Hell" im finnischen Ivalo, rund 300 Kilometer nördlich vom Polarkreis gelegen.
In einer Gegend, wo normalerweise Minus 20 Grad herrschen, liegt das größte Winterreifen-Testgelände der Welt, dass der finnische Reifenhersteller Mitte der 1980er-Jahre eröffnete. Gut motorisiert mit einem Audi RS4 und einem Porsche Cayenne, ging es mit dem Reifen auf diverse Handlingparcours und auch auf einen zugefrorenen See, um Grip und Traktion des Reifens selbst zu erfahren.
Ein Hauptaugenmerk bei der Entwicklung des Snowproof 3P lag auf der Verbesserung der Leistung bei Nässe, insbesondere der Bremsleistung, des Handlings auf nassen Oberflächen und der Aquaplaning-Beständigkeit. Obwohl die Nässe-Leistung verbessert wurde, wurde die Schnee-Leistung nicht beeinträchtigt: Der Reifen performt auch hervorragend auf Schnee.
Die Verbesserungen wurden hauptsächlich durch die Kombination eines neuen Profils und einer neuen Gummimischung erreicht. Der erhöhte Siliziumdioxid-Anteil in der Gummimischung trägt maßgeblich zum verbesserten Grip bei, insbesondere bei Nässe und im Winter. Diese Kombination ermöglicht es dem Reifen, Wasser und Schneematsch effizienter zu verdrängen, was den Grip erhöht. Die Compound-Mischung arbeitet zudem mit einer neuen Generation von Polymeren und Harzen.
Die Konstruktion des Reifens wurde ebenfalls weiterentwickelt. Sie sorgt für reaktionsschnelles Fahrverhalten auch bei Kälte, reduziert den Rollwiderstand und verbessert die Energieeffizienz. Der "Power Lock Core" stabilisiert hingegen den Reifen bei plötzlichen Lenkmanövern und unterstützt präzises Handling bei hohen Geschwindigkeiten. Dank der mit Aramidfasern verstärkten Seitenwände ist der Reifen besonders widerstandsfähig gegenüber Schlaglöchern und Bordsteinkanten.
Jarno Röytiö, Reifenentwickler bei Nokian Tyres:
asp: Herr Röytiö, worauf lag der Fokus bei der Entwicklung des neuen Winterreifens Nokian Tyres Snowproof 3P?
J. Röytiö: Wir wollten insbesondere die Nassperformance deutlich verbessern. Der Reifen bietet eine hohe Bremsleistung, sehr guten Grip und eine hervorragende Aquaplaning-Resistenz. Gleichzeitig bleibt die Schneeperformance auf Top-Niveau.
asp: Warum ist die Nasshaftung heute so wichtig?
J. Röytiö: In vielen Regionen Europas sind Regen, Matsch und wechselnde Bedingungen inzwischen häufiger als mit Schnee bedeckte Fahrbahnen. Sicherheit bei Regen und Schneematsch wird daher immer wichtiger. Dennoch haben wir die Schnee-Eigenschaften nicht vernachlässigt.
asp: Welche technischen Maßnahmen führen zu den Verbesserungen?
J. Röytiö: Hauptfaktoren sind die neue Laufflächenmischung und das optimierte Profil. Beide arbeiten zusammen, um Wasser und Schneematsch effizient zu verdrängen. Silica ist entscheidend für den Nass- und Wintergrip. Allerdings funktioniert es nur in Kombination mit weiteren Materialien wie Polymeren und Silanen. Außerdem wurde die Reifenkonstruktion weiterentwickelt.
asp: Wurde auch der Rollwiderstand für Elektrofahrzeuge verbessert? Wie lässt sich der Zielkonflikt mit gutem Grip lösen?
J. Röytiö: Ja, wir haben den Rollwiderstand gegenüber dem Vorgänger um einige Prozent reduziert. Das ist wichtig für mehr Reichweite und Energieeffizienz. Dennoch bleibt die Sicherheit bei Nässe und Schnee unsere oberste Priorität. Verbesserungen beim Rollwiderstand erfolgen daher Schritt für Schritt."
asp: Wie läuft die Reifenentwicklung technisch ab? Welche Schritte gibt es von der ersten Planung bis hin zum fertigen Produkt?
J. Röytiö: Der Entwicklungsprozess ist heute stark digitalisiert. Wir nutzen verschiedene Simulationsmethoden - etwa für Grip, Geräuschentwicklung, Rollwiderstand oder die FEM-Analyse. Damit können wir eine große Zahl möglicher Prototypen virtuell bewerten. Anschließend reduzieren wir diese Auswahl und fertigen reale Prototypen. Am Ende entscheidet immer der Praxistest, denn nicht alle Eigenschaften lassen sich digital vollständig vorhersagen.
Das neue Profildesign soll besonders gut bei Schneematsch und Nässe funktionieren.
Gute Nachricht für E-Auto-Fahrer: Auch der Rollwiderstand wurde um einige Prozentpunkte verbessert, obwohl die Sicherheit bei Nässe und Schnee weiterhin oberste Priorität hat. Das "Electric-Fit"-Emblem bestätigt die Eignung des Snowproof für die besonderen Anforderungen von E-Mobilität wie höheres Gewicht, Drehmoment und Reichweite. Die integrierte "SilentDrive"-Technologie mit Akustikschaum reduziert Fahrgeräusche und sorgt für ein leises, komfortables Fahrerlebnis.
"Elektrofahrzeuge und SUVs gewinnen in Europa weiter an Bedeutung. Damit steigt auch die Nachfrage nach Reifen mit größeren Felgendurchmessern und höherer Tragfähigkeit", erklärt Tommi Alhola, Senior Vice President Central Europe bei Nokian Tyres. "Der Snowproof 3P erfüllt diese Anforderungen mit einer breiten Auswahl an Größen und hervorragenden Sicherheits- und Fahreigenschaften - unabhängig vom Fahrzeugtyp."
Erhältlich ist der Snowproof 3P ab Herbst 2026 in 50 Dimensionen von 17 bis 21 Zoll, fast alle in XL-Ausführung für maximale Tragfähigkeit. Das Angebot wird schrittweise auf 98 Produkte in 96 Größen von 16 bis 22 Zoll erweitert. Bis zu 40 Prozent des Snowproof 3P sollen zudem aus erneuerbaren, recycelten oder ISCC-Plus-zertifizierten Rohstoffen bestehen. Damit geht der Hersteller einen weiteren Schritt, den Anteil nachhaltiger Materialien bis 2030 auf 50 Prozent erhöhen zu wollen. Produziert wird der Reifen im neuen Werk im rumänischen Oradea, der weltweit ersten CO2-neutralen Reifenfabrik.
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