Brände von E-Autos sind in den Köpfen vieler Menschen fest verankert, da in der Vergangenheit über Unfälle mit dem Stromern besonders publikumswirksam berichtet wurde. Dass die Gefahr einer brennenden Traktionsbatterie weit geringer ist als angenommen, war das Fazit des Praxis-Workshops "Umgang mit verunfallten HV-Fahrzeugen/-Batterien" mit Rainer Kühl und Philipp Fuchs, beides Experten für Elektroautos am Kraftfahrzeugtechnischen Institut (KTI) in Lohfelden.
Philipp Fuchs ist seit 2020 im Bereich Schadenforschung am KTI tätig und beschäftigt sich mit Hochvolt-Fahrzeugen, Batterien und Reparaturkonzepten. Rainer Kühl leitet seit 2019 das Strategische Projektmanagement am KTI. Der Workshop war Teil der 19. Fachkonferenz Lithiumbatterien, die vom 26. bis 29. Januar in Göttingen stattfand.
Erst einschätzen, dann abschleppen
Bei einem verunfallten E-Auto stellt sich für die Beteiligten zunächst die Frage, ob die Batterie ernsthaft beschädigt ist und die Gefahr eines "Thermal Runaway", also eines Kurzschlusses mit anschließendem Brand, gegeben ist. Eine erste Einschätzung müssen die Einsatzkräfte vor Ort geben, darunter die Feuerwehr, Polizei und auch der Abschleppdienst.
Anhand bestimmter Kriterien lässt sich dann eine Gefährdungsbeurteilung vornehmen, ob das Fahrzeug sicher genug ist, um abgeschleppt werden zu dürfen. Die gesetzliche Grundlage hierfür ist die ADR (Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße), im Besonderen die Sondervorschrift 667 zur Beschädigung von defekten HV-Fahrzeugen.
Schäden oft überbewertet
Hier zeigt sich laut den beiden KTI-Experten, dass Schäden oft schlimmer eingeschätzt werden, als sie in der Realität sind, was Auswirkungen auf das weitere Vorgehen und somit auch auf die Kosten hat. Als Beispiel nannten die Experten Abschleppdienste, die Batterien vor Ort demontieren (was wenn überhaupt erst im zweiten Schritt nach einer Diagnose erfolgen sollte) oder das Fluten des Autos beziehungsweise der Batterie, was dann einem Totalschaden gleicht.
Auch die Folgen einer unnötigen Quarantäne des Fahrzeugs kamen zur Sprache, was hohe Verwahrungskosten bis zu 500 Euro und mehr pro Tag bedeuten kann und von dubiosen Anbietern ausgenutzt wird. Dies hat auch Auswirkungen auf die Schadenregulierung, die dann von den Versicherern eventuell verweigert wird, wenn es nicht verhältnismäßig ist. Wird ein Fahrzeug zudem irrtümlich als Totalschaden eingestuft, gilt es rechtlich als Abfall, selbst wenn die Batterie noch intakt ist
- Ausgabe 2/2026 Seite 016 (730.1 KB, PDF)