TÜV Süd baut sein Engagement in der Wasserstoffwirtschaft weiter aus und hat in Garching bei München ein neues Wasserstoff‑Prüflabor eröffnet. Das Labor bietet Prüf‑ und Zertifizierungsmöglichkeiten für Materialien, Komponenten und komplette Wasserstoffsysteme – von der frühen Entwicklungsphase bis zur internationalen Marktzulassung.
Zur Eröffnung waren Vertreter aus Industrie und Politik vor Ort, darunter Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Nach Angaben von TÜV Süd soll das neue Labor dazu beitragen, Sicherheits‑ und Qualitätsstandards für Wasserstofftechnologien weiterzuentwickeln und deren Markthochlauf zu unterstützen.
Prüfspektrum von Werkstoffen bis zu kompletten Systemen
Das Labor deckt den gesamten Produktlebenszyklus ab. Ein Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung metallischer und nichtmetallischer Werkstoffe auf ihre Wasserstoffverträglichkeit. Wasserstoff kann Materialien verspröden oder Durchdringungseffekte (Permeation) verursachen, was die Lebensdauer und Sicherheit von Bauteilen beeinflusst.
Zum Prüfspektrum zählen unter anderem statische und zyklische Wasserstoffexposition, Ermüdungs‑ und Permeationsprüfungen sowie Untersuchungen zu Korrosion und Rissbildung. Auf Basis eigener Prüfspezifikationen bewertet TÜV Süd Materialien hinsichtlich ihrer Eignung für Wasserstoffanwendungen.
Prüfstände für extreme Belastungen
Ausgestattet ist das Labor unter anderem mit einem Wasserstoff‑Druckzyklierer, der Druckzyklen bis mindestens 150 MPa sowie Temperaturen von minus 40 bis plus 180 Grad Celsius abbilden kann. Der Prüfstand ist für den Dauerbetrieb ausgelegt und ermöglicht so beschleunigte Lebensdauerprüfungen. Darüber hinaus verfügt TÜV Süd über Prüfstände für Durchfluss‑, Leckage‑ und Vibrationsprüfungen. Damit lassen sich reale Betriebsbedingungen simulieren, etwa für Anwendungen im Automobil‑ oder Mobilitätssektor.
Geprüft werden können komplette Komponenten und Systeme wie Ventile, Druckregler, Leitungen, Dichtungen, Tanks oder Betankungssysteme. Die Prüfungen basieren auf internationalen Normen und Regelwerken wie ISO‑, ANSI‑ oder UN‑Vorgaben sowie europäischen Richtlinien. In Bereichen ohne etablierte Standards entwickelt TÜV Süd eigene Spezifikationen. Neben der Prüfung bietet TÜV Süd auch Zertifizierung, Produktionsüberwachung und Auditierung von Herstellerlaboren an. Die Labore arbeiten nach ISO 17025.