Gewinneinbruch bei Bosch: Was sind die größten Baustellen?

30.01.2026 11:58 Uhr | Lesezeit: 4 min
Der Schriftzug und das Logo der Robert Bosch GmbH ist an einer Niederlassung vom Unternehmen in München (Bayern) zu sehen. Bosch ist ein deutscher Technologiekonzern mit Sitz in Stuttgart, der unter anderem als Automobilzulieferer, als Hersteller von Indu
Bosch: "schwieriges, teils auch schmerzhaftes Jahr"
© Foto: picture alliance/dpa | Matthias Balk

Bosch verdient so wenig wie seit Jahren nicht. Insbesondere die horrenden Kosten für die Stellenabbau-Pläne belasten den Gewinn. Der Druck bei den Schwaben ist hoch. Was dahintersteckt.

Milliardenkosten für den Abbau Tausender Stellen haben den Gewinn von Bosch deutlich schrumpfen lassen. Nach vorläufigen Zahlen ging das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um gut 45 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zurück, wie der Technologiekonzern aus Gerlingen bei Stuttgart mitteilte. Bereits im Vorjahr war der Wert um ein Drittel abgesackt. 

Die Zahlen zeigen, unter welch hohem Druck der Konzern steht. Der Gewinn fällt so niedrig aus wie lange nicht. Selbst im Corona-Jahr 2020 hatte Bosch noch gut zwei Milliarden Euro operativen Gewinn eingefahren. Immerhin: Rote Zahlen schrieb demnach keiner der vier Geschäftsbereiche. Der Umsatz stieg im Vergleich zu 2024 leicht auf 91,0 Milliarden Euro. 

"Die wirtschaftliche Realität spiegelt sich auch in unseren Ergebnissen wider. 2025 war ein schwieriges, teils auch schmerzhaftes Jahr für Bosch", sagte Konzernchef Stefan Hartung. Die selbstgesteckten Umsatz- und Gewinnziele habe man nicht erreichen können. Aber woran lag das? Ein Überblick.

Weltlage und "mangelnde Wettbewerbsfähigkeit"

Die Herausforderungen, die Bosch auf der ganz großen Bühne beschäftigt, sind nicht neu: Die Weltkonjunktur schwächelt, die geopolitische Lage ist nach wie vor unsicher. Hinzugekommen sind 2025 unter anderem die US-Zölle.

Auch die Konkurrenz, gerade durch chinesische Anbieter, habe sich erheblich verschärft, sagte Hartung. Und das nicht nur in der Autoindustrie, die immer noch die Lieferengpässe bei Nexperia-Chips verdaut – und ohnehin weniger produziert als noch vor ein paar Jahren.

Nach eigenen Angaben ist Bosch in vielen Bereichen mittlerweile nicht mehr wettbewerbsfähig. Soll heißen: Der Konzern kann im Vergleich zur Konkurrenz nicht mithalten. Der Anspruch ist aber ein anderer. In den wesentlichen Märkten will Bosch zu den drei führenden Anbietern gehören. Das erfordere derzeit vor allem niedrigere Kosten und nachfrageorientierte Kapazitäten. Hartung forderte von der Politik aber auch Local-Content-Regeln. Dadurch könnte ein derzeit verzerrter Wettbewerb wieder gerechter werden.

Stellenabbau kostet Milliarden

Um das Ruder herumzureißen, müssen die Schwaben deutlich sparen. Allein im Zulieferbereich geht es um Milliarden. "Wir arbeiten hart an unseren Sach- und Materialkosten, wir setzen KI noch intensiver ein, um unsere Produktivität zu erhöhen, und wir wägen jede Investition noch sorgfältiger ab", sagte Hartung.

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Um Wettbewerbsfähigkeit und Investitionskraft dauerhaft zu sichern, müsse man die Organisation aber auch deutlich verschlanken – und dazu Personal abbauen. Dieser Schritt sei der Geschäftsführung persönlich schwergefallen. "Wir hoffen, dass wir das in der Größenordnung in den nächsten Jahren nicht mehr machen müssen", sagte Hartung.

Im September hatte der Konzern angekündigt, rund 13.000 weitere Stellen zu streichen – zusätzlich zu laufenden Programmen. An mehreren Standorten wird darüber aktuell noch verhandelt. Klar ist aber schon: Um langfristig beim Personal sparen zu können, muss Bosch richtig tief in die Tasche greifen.

"Die Kosten für sozialverträgliche Lösungen belasten unser Ergebnis erheblich", sagte Finanzchef Markus Forschner. 2025 wurden demnach rund 2,7 Milliarden Euro zur Seite gelegt – beispielsweise für Abfindungen. Gedrückt wurde der Gewinn unter anderem auch von den gestiegenen Zöllen.

Ende 2025 beschäftigte die Gruppe rund 412.400 Menschen auf der ganzen Welt - 5.400 weniger als ein Jahr zuvor. Dabei zeigte sich eine Verschiebung von Europa in andere Weltregionen. Überproportional von der Entwicklung betroffen war Deutschland, wo knapp 30 Prozent der Beschäftigten arbeiten. Insgesamt waren es zuletzt rund 123.100 Menschen – und damit 6.500 oder fünf Prozent weniger als zum Ende des Vorjahres.

Zukunftsprojekte: Teuer – und werfen (noch) wenig ab

Bosch investiert seit Jahren Milliarden in die Zukunft. E-Mobilität, Software für das automatisierten Fahren, Wasserstoff, Wärmepumpen, bestimmte Chips – in all diesen Bereichen wollen die Schwaben künftig gut aufgestellt sein und Geld verdienen. Bisher geht die Rechnung aber nicht auf.

Die Zukunftsfelder müsse man nach wie vor erheblich vorfinanzieren, sagte Forschner. "Das zehrt an den Erträgen, zumal die Durststrecke mit der verzögerten Marktdurchdringung neuer Technologien länger ist als ursprünglich erwartet."

Bosch hat also zahlreiche innovative Produkte im Schaufenster stehen. Aber es greifen weniger Kunden zu, als ursprünglich erwartet. Dazu gehören Produkte und Komponenten für E-Autos. Es gibt aber auch andere Beispiele: Bereits länger hat der Konzern einen Brennstoffzellen-Antrieb für Lastwagen im Angebot. Die Nachfrage ist nach der Pleite eines Hauptkunden aber überschaubar. Bis sich das System für Bosch auszahlt, dürften Jahre vergehen.

Kauflaune im Keller

Bosch ist nicht nur der weltgrößte Autozulieferer. Die Produkte des Konzerns finden sich auch in zahlreichen Haushalten. Viele Menschen halten wegen der mauen Wirtschaftslage ihr Geld aktuell aber lieber zusammen. Kühlschränke, Backöfen, Waschmaschinen, Elektrowerkzeuge und Gartengeräte verkauften sich zuletzt schlechter. Die Konsumgüterindustrie sei von einer anhaltenden Marktschwäche geprägt.

Nur in diesem Bereich ging der Umsatz 2025 zurück

Wenn doch geshoppt wird, dann oft günstiger – und bei Anbietern aus Fernost. Gerade in Deutschland könne man zum Beispiel beobachten, dass weniger und preiswertere Küchen gekauft werden, sagte Hartung. 

Mit spürbaren Folgen für die Hausgeräte-Tochter BSH: Ihre zwei deutschen Herdwerke seien zuletzt nur noch bis maximal zur Hälfte ausgelastet gewesen. Der Kern der Produktion sei aber eine Emaillierungsanlage, die sehr viel Energie benötige. "Wenn man die nur zur Hälfte betreibt, hat man gigantische Kosten."

Letztlich habe man sich aufgrund dieser "katastrophalen ökonomischen Situation" dazu entschieden, eines der Werke zu schließen. Das sei bitter gewesen, sagte Hartung. Zu BSH gehören die Marken Bosch, Siemens, Neff und Gaggenau. Mit fast identischen Problemen hat auch die Elektrowerkzeug-Sparte zu kämpfen. Die Folge sind auch dort Werksschließungen in Deutschland, Stellenabbau und eine Verlagerung der Produktion ins Ausland.

Wie geht es 2026 weiter?

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern keine Entspannung. "Der Wettbewerbs- und Preisdruck dürfte nochmals zunehmen und die gestiegenen Zölle sich erstmals im vollen Umfang auswirken", sagte Forschner. Er rechnet aber mit deutlichen Fortschritten bei der Umsetzung der Sparmaßnahmen – und mit einer entsprechend besseren Ertragslage. Die für Zukunftsinvestitionen benötigte Zielrendite von mindestens sieben Prozent werde man allerdings frühestens 2027 erreichen können. 2025 waren es 1,9 Prozent.

Eine konkrete Prognose für das laufende Jahr wird im April erwartet. Dann präsentiert Bosch die vollständigen und geprüften Jahreszahlen – darunter auch den Nettogewinn. (Autor: Julian Weber, dpa)


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