Nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten schreibt der Autozulieferer ZF wieder schwarze Zahlen. Im ersten Halbjahr verdiente der Konzern vom Bodensee unter dem Strich 122 Millionen Euro, wie Finanzchef Michael Frick mitteilte. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 195 Millionen Euro angefallen. Frick zeigte sich optimistisch, dass der Konzern das Gesamtjahr mit schwarzen Zahlen abschließen wird.
ZF-Vorstandsvorsitzender Mathias Miedreich führte den Gewinnsprung auf Kostendisziplin, eine bessere operative Leistung und die stärkere Konzentration auf profitable Produkte zurück. "Der Weg bleibt anspruchsvoll, doch jeder Schritt baut Altlasten ab und erweitert unseren Handlungsspielraum", hieß es in einer Mitteilung.
2025 hatte das Unternehmen aus Friedrichshafen tiefrote Zahlen geschrieben. Der Verlust hatte vor allem wegen eines Sondereffekts beim Konzernumbau 2,1 Milliarden Euro betragen. Auch 2024 schloss der Konzern mit einem Minus ab. Damals lag der Verlust bei knapp über einer Milliarde Euro.
Schulden bleiben hoch
Der Umsatz sank den Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwei Prozent auf 19,3 Milliarden Euro. Bereinigt um Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe von Unternehmensteilen legte ZF jedoch leicht um 0,5 Prozent zu. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) stieg in der ersten Jahreshälfte um 111 Millionen Euro auf 964 Millionen Euro.
Die Schulden blieben mit rund 9,8 Milliarden Euro hoch. Im ersten Halbjahr 2025 lagen sie allerdings noch bei 10,5 Milliarden Euro. Deren Abbau ist eines der Hauptziele von Miedreich, der seit Oktober Chef des zweitgrößten deutschen Zulieferers ist. Die Kredite wurden vor allem für die Übernahmen des Bremsenspezialisten Wabco und des Zulieferers TRW aufgenommen.
Anders als früher muss ZF inzwischen jährlich Hunderte Millionen Euro an Zinsen zahlen. Geld, das an anderer Stelle fehlt und nicht in Zukunftsprodukte investiert werden kann.
Dem Konzern machen zudem, wie auch anderen Zulieferern, die derzeit niedrige Fahrzeugproduktion und damit ausbleibende Aufträge der Autohersteller zu schaffen. Auch die hohen Kosten für den Wandel zur Elektromobilität belasten das Unternehmen. ZF bietet neben Getrieben unter anderem auch Lenksysteme, Antriebe, Bremsen, Sicherheitstechnik und Fahrwerkskomponenten an.
Sicherheitstechnik bleibt bei ZF
Um die Schulden schneller abbauen zu können, wollte ZF auch die frühere Division "Passive Sicherheitstechnik" verkaufen. Dafür wurde die Sparte, die hauptsächlich Airbags und Sicherheitsgurte herstellt, nach der Ankündigung im Herbst 2022 mit großem Aufwand aus dem Konzern herausgelöst. Heute firmiert sie als Tochtergesellschaft unter dem Namen ZF Lifetec.
Von diesem Vorhaben rückt das Management nun vorerst ab. "Wir haben entschieden, dass ZF Lifetec bis auf Weiteres vollständig im Besitz von ZF verbleiben wird", sagte Finanzchef Frick. Es handle sich um ein erfolgreiches Geschäft. Die Tochter erwirtschafte Gewinne, die künftig weiter deutlich gesteigert werden könnten. Dies könne strategische Optionen für die bestmögliche Weiterentwicklung der Tochter eröffnen.
Zahl der Mitarbeiter sinkt
Das Unternehmen treibt daher mehrere Sparprogramme voran. Bis Ende 2028 will ZF bis zu 14.000 Stellen in Deutschland streichen. Das entspricht grob jedem vierten Arbeitsplatz im Land. Zum 30. Juni beschäftigte der Konzern weltweit 149.675 Menschen. Das waren 3.478 Beschäftigte oder rund zwei Prozent weniger als Ende 2025. In Deutschland verringerte sich die Mitarbeiterzahl um mehr als vier Prozent auf etwas mehr als 47.000, hieß es.
Zum Vergleich: Ende 2023 hatte der Zulieferer noch gut 168.700 Beschäftigte weltweit, davon mehr als 54.400 in Deutschland. Das ZF-Management hatte den größten Stellenabbau in Deutschland vor genau zwei Jahren angekündigt. ZF gehört zu 93,8 Prozent der Zeppelin-Stiftung, die vom Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen geführt wird. Für das laufende Jahr bestätigt der Konzern seine Prognose und rechnet weiterhin mit einem Umsatz von mehr als 38 Milliarden Euro. Auch bei anderen Finanzzielen gibt sich ZF optimistisch.