Der neue Dacia Spring soll erwachsener auftreten und gleichzeitig seinem Prinzip als preiswertes Elektroauto treu bleiben. Für Chefdesigner David Durand war deshalb vor allem eines wichtig: die Proportionen verbessern. Im Gespräch mit SP-X erklärt er, warum das Design bei Dacia immer auch eine Frage des Preises ist, weshalb ein günstiges Auto trotzdem begehrenswert sein muss und was die Marke bis 2030 noch vorhat.
Herr Durand, was wollten Sie beim neuen Spring unbedingt verbessern?
Wir hatten mit der ersten Generation sehr viel Erfolg. Viele Menschen wollten mit dem Spring erstmals Elektromobilität ausprobieren, weil er preislich attraktiv war und sich beispielsweise sehr gut als Zweitwagen eignete. Gleichzeitig haben uns viele Kunden gesagt, dass das Auto zu schmal sei, zu klein wirke und zu kleine Räder habe. Die unglücklichen Proportionen waren für manche Kunden ein Problem. Genau das wollten wir bei der zweiten Generation ändern.
Was war deshalb die wichtigste Designaufgabe?
Wir wollten den Spring erwachsener machen. Er sollte nicht mehr ausschließlich wie ein kleines Stadtauto wirken. Man sollte mit ihm selbstverständlich auch in die nächste Stadt fahren oder ein Wochenende mit der Familie verbringen können. Der Spring soll praktisch, robust und zuverlässig sein und gleichzeitig weiterhin zu einem sehr attraktiven Preis angeboten werden.
Wie haben Sie diese neue Robustheit ins Design übersetzt?
Wir versuchen bei Dacia immer, die tatsächliche Robustheit und Zuverlässigkeit unserer Produkte auch im Design auszudrücken. Deshalb arbeiten wir mit klaren Volumen und sehr definierten Linien. Beim Spring ist beispielsweise die Front sehr aufrecht gestaltet. Die Motorhaube ist stärker ausgeprägt. Dadurch entsteht ein Gefühl von Schutz und Sicherheit. Wenn man eine Motorhaube vor sich sieht, fühlt man sich anders als in einem sehr kurzen, monovolumenartigen Fahrzeug.
Die technische Basis ist bei Dacia häufig vorgegeben. In diesem Fall ist es der Renault Twingo E-Tech. Wie viel Freiheit bleibt einem Designer?
Das ist eine interessante Herausforderung. Natürlich teilen wir uns bei Dacia technische Plattformen und Komponenten mit anderen Fahrzeugen des Konzerns. Aber unser Ziel ist es immer, daraus ein eigenständiges Auto zu machen. Der neue Spring sieht deshalb völlig anders aus als sein Vorgänger. Die technische Basis ist zwar ähnlich, aber die Gestaltung, die Proportionen und die gesamte Formensprache sind klar eigenständig.
Was bedeutet Dacia-Design für Sie?
Für uns muss jedes Element einen nachvollziehbaren Grund haben. Wir gestalten nichts nur deshalb, weil es schön aussieht. Gleichzeitig bedeutet das aber nicht, dass ein Dacia langweilig sein muss. Wenn wir beispielsweise bei einer Leuchte weniger Bauteile benötigen oder bestimmte Kunststoffteile einfacher gestalten können, sparen wir Geld. Dieses Geld können wir dann an anderer Stelle einsetzen – etwa bei den Proportionen, den Rädern oder an der Front. Es geht also darum, das verfügbare Budget möglichst sinnvoll einzusetzen.
Ist der Kostendruck für einen Designer bei Dacia besonders groß?
Natürlich ist das eine ständige Herausforderung. Wir wissen von Anfang an, wie viel Geld für ein bestimmtes Element zur Verfügung steht. Für mich sind die Proportionen dabei besonders wichtig. Wenn die stimmen, kann man bei vielen Details Kosten sparen, ohne dass das Auto schlechter aussieht. Deshalb kämpfe ich zunächst für die richtige Größe, die richtige Position der Räder und die richtigen Abmessungen. Danach kümmern wir uns um die Details.
Dacia Spring (2026)
Wie sieht dieser Kampf in der Praxis aus?
Wir arbeiten sehr eng mit unseren Zulieferern zusammen. Wenn wir beispielsweise für eine Leuchte nur 15 Euro zur Verfügung haben, fragen wir: Was können wir mit diesem Budget machen? Vielleicht brauchen wir dann nur ein Werkzeug statt zwei oder können zwei Teile zu einem Bauteil zusammenfassen. Meine Designer protestieren manchmal und sagen: Wie sollen wir damit ein gutes Design machen? Aber genau dann muss man kreativ werden. Die Einschränkungen sind eine Herausforderung und zwingen uns ständig, neue Lösungen zu finden.
Gilt dieses Prinzip nur für Dacia?
Nein, ich glaube, jeder Designer kennt diese Diskussion. Selbst bei sehr teuren Marken kann man nicht einfach alles machen, was man möchte. Auch dort muss man Prioritäten setzen. Bei Dacia ist dieser Prozess allerdings ein besonders wichtiger Bestandteil unserer Philosophie.
Dacia steht für günstige und funktionale Autos. Wie wichtig ist trotzdem die emotionale Seite des Designs?
Für mich ist das sogar sehr wichtig. Ich möchte, dass ein Kunde einen Dacia sieht und sagt: „Das ist ein Auto, das ich gerne fahren würde.“ Es soll attraktiv und cool aussehen. Gleichzeitig muss es aber auf das Wesentliche konzentriert bleiben. Man braucht keinen Sack voll neuer Funktionen und keine teuren Materialien, um ein gutes Auto zu bauen. Ein Dacia kann einfach, attraktiv, solide und gut gestaltet sein.
Hat sich die Wahrnehmung von Dacia dadurch verändert?
Ja, das sehen wir sehr deutlich. Wir kommen aus einer Zeit, in der die Menschen Dacia vor allem mit sehr günstigen Autos verbunden haben. Heute sehen wir immer häufiger Kunden, die vorher viel teurere Fahrzeuge gefahren sind und sich bewusst für einen Dacia entscheiden. Sie sagen: Ich weiß, was ich bisher für mein Auto bezahlt habe, und möchte mein Geld vielleicht für andere Dinge ausgeben. Das finde ich sehr interessant.