Fahrbericht Opel Zafira Life: Vom Kompaktvan zum Kleinbus

Das Motorenangebot reicht von 102 bis 177 PS.
© Foto: Opel

Ende des Jahres schickt Opel seinen Kompaktvan Zafira in Rente. An seine Stelle tritt der Zafira Life, der zukünftig in der VW-Bus-Klasse mitspielt und bis zu neun Passagiere transportieren kann. Auf Wunsch sogar mit Allrad und durchs Gelände.


Datum:
21.06.2019

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Von Michael Gebhardt/SP-X

Jede dritte Ehe, so die Statistik, wird in Deutschland geschieden. Mit dem Gang zum Scheidungsrichter bleibt auch oft ein Teil des Freundes- und Familienkreises auf der Strecke, aber spätestens beim nächsten Standesamt-Termin kommt wieder einer hinzu. So ähnlich erging es auch Opel: Nach der Trennung von GM und der Übernahme durch PSA ändern sich auch bei den Rüsselsheimer die Familienverhältnisse. War der Transporter Vivaro bislang ein enger Verwandter von Nissan NV300 und Co., ist er künftig baugleich mit Peugeot Expert, Citroen Jumpy und dem Toyota Pro Ace. Vor allem aber ersetzt auch die Pkw-Variante des Kastenwagens den noch bis Ende des Jahres erhältlichen Lifestyle-Van Zafira. Als Zafira Life steht der Personentransporter dann ab September für mindestens 34.660 Euro beim Händler.

Mit der Eingliederung des Zafira in die Transporter-Familie rund um Peugeot Traveller, Citroen Spacetourer und Toyota Proace Verso geht eine grundsätzliche Neuausrichtung der Baureihe einher. War der Opel bislang ein Van mit recht handlichen Abmessungen, spielt er jetzt in der VW-Bus-Klasse. Zwar ist die kleinste Version, der Zafira Life S, mit 4,61 Meter Länge sogar ein paar Zentimeter kürzer als der bisherige Zafira. Dafür steht das Life-Modell gleich mit drei Längen in der Preisliste: Der M kommt auf 4,96, die L-Version sogar auf 5,31 Meter. Dementsprechend gehen auch mehr Gäste rein: Der alte Zafira nahm es mit maximal sieben Personen auf, in den Neuen passen bis zu neun Passagiere – inklusive Fahrer.

Ab Werk fährt allerdings auch der Zafira Life ganz klassisch mit Zwei-Drei-Bestuhlung als Fünfsitzer vor - die Plätze sechs, sieben, acht und neun gibt es nur gegen Aufpreis. Je nach Konfiguration sind in Reihe zwei und drei Einzelsitze oder eine Bank montiert und für die maximale Bestuhlung müssen sich auch auf dem Beifahrersitz zwei Gäste aneinander kuscheln. Das Gestühl selbst lässt sich einfach ein- und ausbauen und hinterlässt zumindest auf unserer ersten Runde den Eindruck guter Langstreckentauglichkeit. Abhängig von der Bestuhlung schwankt natürlich auch der Platz fürs Gepäck: Baut man alle Sitze bis zur ersten Reihe aus, nimmt es die L-Version sogar mit 4.900 Litern Gepäck auf. Praktisch: Die Scheibe in der Heckklappe kann man (gegen Aufpreis) separat öffnen und muss nicht immer gleich das große Blechtor aufschwingen; auf Wunsch gibt es auch eine Doppelflügel-Tür. Seitlich hat der Zafira Life, wie in dieser Klasse üblich, Schiebetüren. Allerdings gibt es in der Basis nur einen Einstieg auf der Beifahrerseite, für den zweiten Zugang auf der Fahrerseite werden 550 Euro fällig; mit Elektroantrieb sogar 2.300 Euro.


Opel Zafira Life

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Vorteil der PSA-Baureihe: Die Basis für alle Kastenwagen ist eine Pkw-Plattform, was den Großraumlimousinen unter anderem bei der Ausstattung zu Gute kommt. Abgesehen von reichlich Hartplastik geht es im ergonomisch gut gestalteten Cockpit wohnlich zu, und der Zafira Life punktet mit Schmankerln wie Head-up-Display, 180-Grad-Kameras, Spur- und Notbremsassistent, Tot-Winkel-Warner, Panorama-Glasdach, Massagesitzen oder einem 7-Zoll-Touchscreen-Infotainmentsystem mit Smartphone-Anbindung. Mehr noch aber spielen die Auto-Gene ihren Trumpf auf der Straße aus: Während mancher zum Personentransporter umgebauter Kastenwagen munter über den Asphalt poltert, liegt der Zafira Life satt auf der Fahrbahn und federt sensibel über die meisten Unwirtlichkeiten hinweg. Auch die Lenkung arbeitet tadellos und in Kurven neigt sich der mehr als 1,90 Meter hohe Opel nicht über Gebühr zur Seite. Praktisch: Selbst der größte Zafira ist mit 1,94 Meter Höhe noch gerade so parkhaustauglich.

Vier Diesel zur Auswahl

Für den Antrieb stehen aktuell vier Diesel bereit. Für welchen man sich entscheiden sollte, hängt vor allem vom Einsatzzweck ab: Wer selten voll beladen unterwegs ist und auch nicht vor hat, auf der Langstrecke zügig Kilometer zu machen, kommt mit den beiden 1,5-Liter-Vierzylindern mit 75 kW / 102 PS oder 88 kW / 120 PS sicher gut zu Recht. Vor allem wenn man zu den großen Karosserieversionen greift und den vielen Platz häufig ausnutzen will, sollte man sich aber das Zwei-Liter-Modell gönnen, das mit 110 kW / 150 PS und 370 Newtonmeter Drehmoment deutlich kraftvoller ans Werk geht. Zwar knurrt und säuselt der Selbstzünder unter Last kräftig, wer damit aber spritsparend niedertourig dahingleitet, hört von dem Triebwerk aber kaum was. Alle drei vorgenannten Modelle fahren mit einer etwas hakeligen Sechsgang-Handschaltung vor und sollen sich mit sieben bis acht Liter Sprit begnügen.

Darüber rangiert eine 130 kW / 177 PS starke Ausbaustufe des 2.0-Motors, die immer eine Achtgang-Automatik mitbringt und den beladen gut und gern zwei Tonnen schweren Bus am souveränsten bewegt. Mit mindestens 41.405 Euro belastet das Top-Modell das Großfamilien-Budget aber auch recht ordentlich. Wer nochmal rund 6.000 bis 7.000 Euro übrig hat, kann sich seinen Opel Zafira Life übrigens auch mit Allradantrieb ausrüsten lassen. Das machen die Rüsselsheimer nicht selbst, sondern beauftragen den französischen Offroad-Spezialisten Dangel damit – der Kunde aber kann seinen 4x4-Zafira ganz normal beim Opel-Händler bestellen und abholen.

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