Diagnose-Spezialist Hella Gutmann hat unlängst in der Hella Academy in Erwitte die erste volldigitale Kalibrierlösung CSC-Tool Pro vorgestellt. Damit will man in der Kalibrierung von Fahrassistenzsystemen neue Maßstäbe setzten. HGS-Geschäftsführer Adnan Cemal verwies auf die raschen Entwicklungen im Bereich Fahrerassistenzsysteme: "Mit steigender Automatisierung, insbesondere in Richtung Level 3, wächst die Verantwortung für die korrekte Funktion der Systeme", fuhr Cemal fort. Bereits geringe Abweichungen bei der Kalibrierung können erhebliche Auswirkungen auf die Systemleistung haben. Eine präzise, dokumentierte und herstellerkonforme Kalibrierung wird immer wichtiger.
Aus diesen Anforderungen leiten sich die Entwicklungsziele des CSC-Tool Pro ab: höchste Präzision, klare Anwenderführung und vollständige Transparenz durch Dokumentation. Das System ist cloudbasiert und verbindet das Kalibriergerät mit den Diagnosegeräten mega macs X, mega macs S 20 und mega macs Plus. Alternativ kann es auch als mit Fremddiagnosegeräten eingesetzt werden. Die Cloud-Architektur ermöglicht schnelle Datenupdates ohne manuelle Eingriffe durch den Anwender und bringt so stets die neuesten Fahrzeugmodelle in die Datenbank.
Remote Lösung
Ergänzend ist eine Remote-Lösung vorgesehen, bei der Hella Gutmann im Bedarfsfall online auf das Fahrzeug zugreifen kann. Mario Maas, Kfz-Meister und unter anderem Trainer bei Hella Gutmann, erklärt: "Wenn wir Fahrzeuge haben, die so neu sind, dass sie noch nicht in der Datenbank unserer Diagnose sind, können wir über das Remote-System auf das Fahrzeug zugreifen, das CSC-Tool nach Herstellervorgabe ausrichten und die Kalibrierung ausführen. Die Remote-Service-Lösung soll bis Jahresende freigeschaltet werden."
Nach der Fahrzeugidentifikation, etwa über die Fahrgestellnummer, werden fahrzeugspezifische Merkmale, wie das verbaute Fahrwerk ausgewählt. "Wir wissen, dass das Fahrwerk im Zusammenhang mit der Kalibrierung extrem wichtig ist", so Maas. So müssen Luftfederungen arretiert und mitlenkende Hinterachsen in der Nullposition gesperrt werden. Es folgt eine vollständige Fehlerspeicherabfrage, die protokolliert wird. Danach wählt Mario Maas das zu kalibrierende System aus, beispielsweise die Frontkamera. Jeder Schritt, auch der Grund für eine Kalibrierung, etwa Scheiben- oder Kameratausch, wird dokumentiert. Besonderen Wert legt das System auf die Einhaltung aller Herstellervorgaben. Der Anwender muss eine digitale Voraussetzungsliste aktiv bestätigen. Bestimmte Arbeitsschritte, etwa das Sperren der Luftfederung oder der Hinterachslenkung, werden direkt über das Diagnosegerät ausgeführt und protokolliert. Dies stellt sicher, dass sicherheitsrelevante Vorbereitungen nicht übersprungen werden.
- Ausgabe 3/2026 Seite 032 (713.8 KB, PDF)