Die Zahl älter werdender Elektrofahrzeuge nimmt in Europa spürbar zu. Damit wächst auch die Herausforderung, mit defekten Hochvoltbatterien wirtschaftlich und nachhaltig umzugehen. Der britische Spezialist Autocraft Solutions Group sieht die Antwort nicht im vollständigen Austausch oder frühzeitigen Recycling der Energiespeicher, sondern in deren gezielter Reparatur.
Mit seinem Werkstattkonzept "Revive" baut das Unternehmen derzeit ein europaweites Netzwerk für die Diagnose, Instandsetzung und Wiederaufbereitung von E-Auto-Batterien auf. Nach Standorten in Großbritannien und den Niederlanden sollen künftig weitere Kapazitäten in Deutschland, Spanien und Italien entstehen.
Nach Angaben von Autocraft werden defekte Hochvoltbatterien bislang häufig komplett ersetzt und anschließend recycelt. Dabei sei in vielen Fällen nicht die gesamte Batterie betroffen, erklärte der Anbieter in einer Mitteilung. Stattdessen würden sich Defekte meist auf einzelne Zellen oder Module beschränken. Durch deren gezielten Austausch könne die Leistungsfähigkeit einer Batterie auf mehr als 90 Prozent des ursprünglichen Niveaus zurückgebracht werden, hießt.
Eigene Diagnoseplattform blickt bis auf Zellebene
Kern der Lösung ist die hauseigene Testplattform "OptEVizer". Sie soll den Zustand einer Batterie deutlich detaillierter analysieren als ein herkömmliches Batteriemanagementsystem. Dabei wird die Batterie gezielten Belastungstests unterzogen.
Anschließend werden die gewonnenen Daten mithilfe eines digitalen Zwillings ausgewertet, der auf Tausenden Testzyklen und Millionen Datensätzen basiert. Auf diese Weise lassen sich Schwachstellen einzelner Batteriezellen identifizieren und der tatsächliche Gesundheitszustand der Batterie bestimmen. Zum "Revive"-Angebot gehören neben der Diagnose auch die Wiederaufbereitung in spezialisierten Werkstätten sowie die Abholung und Rücklieferung kompletter Fahrzeuge.
Hohe Nachfrage erwartet
Autocraft geht davon aus, dass die kommenden Jahre für den Umgang mit alternden E-Fahrzeugbatterien entscheidend werden. Viele Elektroautos der ersten Volumenjahrgänge aus den 2010er-Jahren erreichen zunehmend das Ende ihrer ersten Nutzungsphase.
Deshalb rechnet das Unternehmen insbesondere in Deutschland mit einer deutlich steigenden Nachfrage seitens der Hersteller nach Reparaturkapazitäten. Bereits heute bearbeiten die Standorte in Grantham und Arnheim monatlich zwischen 300 und 400 Batteriepacks für OEM-Kunden.
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Große CO2-Ersparnis
Nach Daten des britischen Recovas-Konsortiums kann die Reparatur eines Batteriepacks mit 82,5 kWh Kapazität gegenüber einem vollständigen Austausch rund zwölf Tonnen CO2 einsparen. Für Autocraft ist dies ein wesentlicher Hebel, um die Nachhaltigkeitsbilanz der Elektromobilität zu verbessern.
"Wir müssen uns der Realität stellen, dass ein Ansatz, der auf Austausch und Recycling setzt, nicht nachhaltig ist. Mit der wachsenden Zahl an Elektrofahrzeugen wird auch die Zahl der Batterieausfälle zunehmen, insbesondere da die Batterien im Laufe der Zeit altern und an Leistung verlieren. Dabei lassen sich die meisten Batterien wieder in einen optimalen Zustand versetzen", sagt Mike Hague-Morgan, Executive Director und Co-Owner der Autocraft Solutions Group. Die Reparatur sei damit der einzig logische Weg.
Für diesen Ansatz hat Autocraft im September eine wichtige Auszeichnung erhalten. Bei den Automechanika Frankfurt Innovation Awards 2026 wurde das Unternehmen unter 185 internationalen Einreichungen mit dem "Green Award" geehrt. Dieser Sonderpreis würdigt Innovationen, die einen besonderen Beitrag zu Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung leisten. Die Jury sah in der Wiederaufbereitung von Hochvoltbatterien eine überzeugende Alternative zum vorzeitigen Recycling funktionsfähiger Komponenten.
Appell an Hersteller und Gesetzgeber
Nach Ansicht von Autocraft wird künftig nicht nur die Reparaturfähigkeit bestehender Batterien entscheidend sein. Auch das Design neuer Fahrzeuggenerationen müsse stärker auf eine spätere Instandsetzung ausgerichtet werden. Hague-Morgan: "Die nächste Herausforderung ist das Design. Hersteller und Gesetzgeber müssen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass zukünftige Batteriekonstruktionen eine effektive Reparatur ermöglichen, anstatt diese durch immer komplexere Bauweisen zu erschweren. Wenn wir jetzt nicht handeln, laufen wir Gefahr, genau zu dem Zeitpunkt, an dem das Volumen zu steigen beginnt, ein Wegwerfmodell zu etablieren."