ATH-Heinl begeht im Jahr 2026 sein fünfunddreißigjähriges Bestehen. Das Familienunternehmen hat sich in dieser Zeit vom kleinen Werkstattausrüster zu einem international tätigen Hersteller von Werkstatttechnik entwickelt. Im Interview sprechen mit Hans und Anja Heinl zwei Generationen über das Jubiläum, die persönliche Rollen im Unternehmen sowie über Technologie, Produktion und die Zukunft des Werkstattmarktes.
asp: ATH-Heinl feiert 2026 fünfunddreißig Jahre Unternehmensgeschichte. Wie begehen Sie dieses Jubiläum?
A. Heinl: Wir haben sehr intensiv darüber nachgedacht, ob wir ein großes Jubiläum mit Kunden und Partnern veranstalten. Am Ende haben wir uns bewusst für ein internes Fest mit unseren Mitarbeitern und deren Familien entschieden. Wenn man ehrlich ist, dann ist der Erfolg der letzten fünfunddreißig Jahre eine Gemeinschaftsleistung. Das wollten wir in den Mittelpunkt stellen.
asp: Also kein großes Jubiläumsevent mit der Branche?
H. Heinl: Nein. Auf der Automechanika wird man sich ohnehin sehen und austauschen, da werden wir am Mittwoch eine 35-Jahre-ATH-Standparty haben. Aber das eigentliche Feiern findet bei uns hier am Standort statt. Das ist uns wichtig, weil es persönlich ist und auch dem entspricht, wie wir uns als Unternehmen verstehen.
asp: Herr Heinl, Sie haben das Unternehmen aufgebaut und sind nach wie vor aktiv in der Unternehmensführung. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
H. Heinl: Solange es Kopf und Körper zulassen, gehe ich jeden Tag gern in den Betrieb. Ich bin nicht mehr in erster Linie für das operative Geschäft verantwortlich, aber ich halte den Kontakt zu den Entwicklern, zur Technik und auch zu unseren Produktionspartnern in China.
asp: Sie haben also bewusst Verantwortung abgegeben?
H. Heinl: Ja. Die operative Geschäftsleitung liegt klar bei der jüngeren Generation. Ich mische mich nicht mehr in den Vertrieb oder in betriebswirtschaftliche Details ein. Ich höre mir das gerne an, aber ich habe den Luxus, nicht mehr verantwortlich zu sein. Das ist ein großer Vorteil, weil ich Verantwortung abgegeben habe, ohne den Bezug zum Unternehmen zu verlieren, und die Zeit für die Entwicklung habe.
asp: Frau Heinl, wie ist die Geschäftsleitung heute strukturiert?
A. Heinl: Wir sind als Familie gemeinsam in der Geschäftsleitung. Meine Schwester Corinna und ich führen das Unternehmen seit 2014. Die Aufgaben sind klar verteilt, aber wichtige Entscheidungen werden immer gemeinsam abgestimmt.
asp: Wie funktioniert diese Arbeitsteilung?
A. Heinl: Corinna Heinl verantwortet die Produktionssteuerung, Disposition, Lagerorganisation und die ATH-Heinl Service GmbH, die wir vor zwei Jahren gegründet haben. Corinna kümmert sich auch um die operative Steuerung im Werk. Bei mir liegen Finanzen, Marketing, technischer Service und die Auslandsniederlassungen.
- Ausgabe 5/2026 Seite 034 (613.0 KB, PDF)
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"Für Kunden ist es ein Signal, dass die Eigentümer persönlich hinter dem Produkt stehen." Hans Heinl, ATH-Heinl
asp: Herr Heinl, worauf konzentrieren Sie sich heute inhaltlich?
H. Heinl: Auf Technik und Entwicklung. Das war schon immer mein größtes Interesse. Heute arbeite ich vor allem im Produktmanagement, in der konstruktiven Entwicklung und in der technischen Abstimmung mit unseren Partnern und Herstellern in China.
asp: Wie groß ist die Entwicklungsabteilung?
H. Heinl: Wir haben fünf Mitarbeiter in Entwicklung und Konstruktion, dazu zwei Ingenieure in China sowie zwei externe Spezialisten. In der ATH-Entwicklung arbeiten heute Elektronikingenieure, Softwareentwickler, Konstrukteure und auch Kollegen mit Schwerpunkt Künstliche Intelligenz zusammen.
asp: ATH investiert stark in Digitalisierung. Auf der Automechanika im Herbst werden Sie eine neue Steuerung für Hebebühnen vorstellen. Was steckt hinter der neuen Steuerungsgeneration?
H. Heinl: Wir haben mit der "ATH HeartBeat" eine universelle Basissteuerung entwickelt. Dadurch können wir Hebebühnen, aber in einem nächsten Schritt auch Montiermaschinen oder andere Systeme, ganz neu denken und deutlich effizienter gestalten.
asp: Wie funktioniert die Steuerung technisch?
H. Heinl: Das ist eine neue Generation von einheitlichen IoT-Steuerungssystemen für Kfz-Hebebühnen und Werkstattgeräte, die sich grundlegend von klassischen industriellen Steuerungen unterscheidet. Das System verzichtet vollständig auf eine zentrale Steuerbox. Stattdessen besteht ATH HeartBeat aus identischen, autarken Recheneinheiten, die in sich über ein Bussystem vernetzt und direkt mit MicroAnts an den jeweiligen Aktoren der Funktionsbaugruppen der Maschine positioniert sind - beispielsweise an Magnetventilen, Schützen, Antrieben oder Verriegelungseinheiten. Durch diese Architektur entfallen aufwendige Kabelbäume, was die Installation der Geräte enorm vereinfacht.
asp: Was bedeutet das für die Werkstätten in ihrem Alltag?
H. Heinl: Vor allem eine massive Verbesserung im Service. Fehler können frühzeitig und schneller identifiziert werden, Wartungen lassen sich vorausschauend planen und Servicetechniker kommen besser vorbereitet zum Kunden. Unser Ziel ist, Ausfallzeiten so kurz wie möglich zu halten.
asp: ATH produziert seit Jahren in China. War der Standort für Sie die richtige Entscheidung?
H. Heinl: Absolut. Wir hätten keine andere Chance gehabt, wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Automatisierung der Produktion bei unseren langjährigen chinesischen Werken und die technologische Entwicklung sind dort enorm. Entscheidend ist, dass ATH klar definiert, welche Qualität man haben will.
A. Heinl: Dazu kommt, dass wir eigene Mitarbeiter bei ATH-China vor Ort haben. Wir steuern Qualitätssicherung, Konstruktion und Teile des Vertriebs selbst. Das gibt uns Transparenz und Sicherheit.
asp: Wie hat sich der Markt für Werkstatttechnik zuletzt entwickelt?
A. Heinl: Der Markt wächst nicht mehr. Es werden weniger Hebebühnen verkauft, der Bestand in den Betrieben wird länger genutzt und so lange wie möglich repariert. Wachstum entsteht heute fast ausschließlich über Marktanteilsgewinne.
asp: Wo positioniert sich ATH im Markt?
A. Heinl: Wir sind im mittleren Preissegment angesiedelt, mit starker Betonung auf Qualität und Service. Viele Kunden fragen sich heute, ob sie zehntausend Euro für eine Bühne investieren oder ein deutlich günstigeres Produkt mit verlässlichem Service wählen. Genau in dieser Kombination sehen wir unsere Stärke. Hier zahlt es sich auch aus, dass wir mit der ATH-Heinl Service GmbH über eine eigene Mannschaft verfügen, die sich um den Aufbau und Service kümmert. Das hat die Qualität noch einmal deutlich verbessert und unterscheidet uns vom Wettbewerb.
asp: Sehen Sie das Konstrukt "Familienunternehmen" als Vorteil?
H. Heinl: Ja, ganz klar ja. Für Kunden ist es ein wichtiges Signal, dass die Eigentümer persönlich hinter den Produkten stehen. Bei uns gibt es keine anonyme Konzernstruktur. Das schafft Vertrauen und Stabilität.
asp: Und wie blicken Sie beide in die Zukunft?
H. Heinl: Ich sehe die Zukunft unseres Unternehmens sehr positiv. Wir haben investiert, wir haben technisch eine starke Basis geschaffen und sind wirtschaftlich solide aufgestellt.
A. Heinl: Entscheidend ist, dass wir fokussiert bleiben und unsere Agilität behalten. Als Familienunternehmen können wir schnell entscheiden und langfristig denken. Das ist unser großer Vorteil.