Fahrerassistenzsysteme gehören heute zur Grundausstattung moderner Fahrzeuge: Notbremsfunktion, Spurhalteassistent oder adaptive Geschwindigkeitsregelung sind heute nicht mehr wegzudenken. Die Systeme verlassen sich auf Daten aus Kameras und Sensoren im Fahrzeug, die korrekt eingestellt und kalibriert sein müssen.
Bislang ließ sich die dauerhafte Funktionsfähigkeit der Systeme im laufenden Betrieb kaum überprüfen. Eine Funktionsprüfung der Sicherheitssysteme ist bislang daher auch nicht Bestandteil der Hauptuntersuchung (HU). Für künftige Fahrzeuggenerationen mit teilautonomen Fahrfunktionen dürfte die Funktionsprüfung jedoch auch Gegenstand der HU werden - darüber sind sich Experten einig. Derzeit suchen die Prüforganisationen nach technischen Möglichkeiten für die Überprüfung automatisierter, vernetzter Assistenz- und Fahrfunktionen.
Denkbar sind neben dynamischen Fahrzeugprüfungen mit beweglichen Targets auch szenarienbasierte Prüfmethoden, die mittels geeigneter Darstellung der Verkehrsumgebung die Reaktion des Fahrzeugs während eines bestimmten Szenarios testen.
Die Funktionsprüfung von Fahrerassistenzsystemen war bisher eine Domäne der Homologation – also der Typzulassung im Entwicklungsumfeld. Die dort eingesetzten Prüfstände sind hochspezialisiert und entsprechend kostspielig. Sie wären für den flächendeckenden Einsatz in Prüfstellen nicht wirtschaftlich.
Mit dem Prüfstand MAST 2.0 will MAHA nun die Fahrerassistenzprüfung aus dem Labor in den regulären PTI-Betrieb überführen.
So funktioniert der Test von ADAS-Systemen - im Video
Funktionsweise von MAST 2.0
Der Prüfstand MAST 2.0 ermöglicht die automatisierte und realitätsnahe Funktionsprüfung von Fahrerassistenzsystemen (ADAS) auf einem Rollenprüfstand. Das System nutzt OTA-Stimulatoren (unter anderem in Kooperation mit dSPACE), um Radar- und Kamerasysteme des Fahrzeugs gezielt und berührungslos anzusprechen.
Der Prüfstand simuliert komplexe Verkehrsszenarien laut Anbieter dynamisch, präzise und reproduzierbar. Getestet werden unter anderem Notbremsassistenten, adaptive Geschwindigkeitsregelanlagen (ACC) sowie aktive und passive Spurhaltesysteme. Ein kompletter Prüfablauf dauert nach Herstellerangaben weniger als fünf Minuten. Die Prüfung erfolgt ohne direkten, tiefgreifenden Eingriff oder Zugriff auf die internen Fahrzeugsteuergeräte.
Alltagstaugliches System
Das System sei alltagstauglich und zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten darstellbar, betonte Peter Geigle, Geschäftsführer der MAHA Group in Frankfurt. Der erste MAST 2.0 in Deutschland werde zeitnah bei TÜV SÜD in Ulm installiert. Weitere Prüforganisationen sollen folgen.
Kürzlich vermeldete MAHA überdies einen internationalen Erfolg: In Sejong (Korea) ist der offizielle Startschuss für ein nationales Projekt gefallen, mit dem Korea die Fahrerassistenzsysteme moderner Fahrzeuge erstmals im Rahmen der wiederkehrenden Hauptuntersuchung (PTI – Periodic Technical Inspection) prüft. MAHA liefert den dafür entwickelten Prüfstand. Bis Ende 2028 wird die Anlage entwickelt und erprobt, ab 2029 gehen die ersten Prüfstände in den regulären Betrieb.