Fahrerassistenzsysteme gehören inzwischen zur Grundausstattung vieler Fahrzeuge. Doch während ihre Funktion bei der Zulassung umfangreich getestet wird, fehlt bislang häufig eine regelmäßige Kontrolle im laufenden Betrieb. Korea will das nun ändern und die Prüfung von Assistenzsystemen in die wiederkehrende Fahrzeuguntersuchung (Perodical Technical Inspection/PTI) integrieren.
Die technische Basis dafür liefert MAHA. Wie das Allgäuer Unternehmen mitteilte, wurde für das nationale Projekt KADAS der neue Prüfstand MAST 2.0 (MAHA Adaptive System Tester) entwickelt. Gemeinsam mit der Korea Transportation Safety Authority (KOTSA), KÜS, der Hanyang-Universität, dem Simulationsspezialisten dSPACE Korea sowie den Autobauern Hyundai und Mercedes-Benz Korea soll bis Ende 2028 eine marktreife Lösung entstehen.
ADAS rücken in den Mittelpunkt
Ob Notbremsassistent, Spurhalteassistent oder adaptive Geschwindigkeitsregelung: Moderne Fahrzeuge sind zunehmend von elektronischen Sicherheitssystemen abhängig. Deren dauerhafte Funktionsfähigkeit ließ sich bislang jedoch nur eingeschränkt überprüfen.
Mit dem neuen Prüfkonzept soll sich das ändern. Korea gehört damit zu den ersten Ländern weltweit, die Fahrerassistenzsysteme systematisch in die wiederkehrende technische Fahrzeugprüfung einbinden.
Aus dem Homologationslabor auf die Prüfstraße
Bislang waren entsprechende Tests vor allem im Umfeld der Typzulassung angesiedelt. Die eingesetzten Anlagen gelten als technisch anspruchsvoll und kostspielig, was ihren Einsatz im flächendeckenden Prüfstellenbetrieb nahezu unmöglich macht.
Genau hier setzt MAHA nach eigenen Angaben an. Der MAST 2.0 soll die Prüfung von Fahrerassistenzsystemen in den Alltag von Prüforganisationen überführen und dabei deutlich wirtschaftlicher arbeiten. Der neue Prüfstand soll robuste und standardisierte Testverfahren ermöglichen und gleichzeitig die Investitionshürden für Prüfstellen senken.
Ehrgeizige Ziele
Der Zeitplan ist ambitioniert. Bis Ende 2028 sollen Entwicklung und Erprobung abgeschlossen sein. Im Jahr 2029 sollen die ersten 60 Prüfstände in den Regelbetrieb gehen. Damit entsteht eine der weltweit ersten Infrastrukturen, die Fahrerassistenzsysteme flächendeckend im Rahmen der periodischen Fahrzeugprüfung kontrolliert.
"KADAS markiert einen bedeutenden Meilenstein in der Weiterentwicklung der Fahrzeuginspektion: Es ist das weltweit erste Vehicle-in-the-Loop (ViL)-basierte System zur Bewertung und wiederkehrenden Prüfung von Fahrzeugen mit automatisierten Fahrfunktionen", wird Jaehwan Jeong, Leiter der Abteilung Advanced Safety Research Departments bei KOTSA und Projektleiter von KADAS, zitiert. "Durch enge internationale Zusammenarbeit verpflichtet sich KOTSA, einen zuverlässigen und objektiven Inspektionsrahmen zu schaffen, der zu sicherer Mobilität und zur Entwicklung zukünftiger internationaler Standards beiträgt."
Für MAHA ist die Entwicklung ein wichtiger Schritt hin zu einer neuen Generation der Fahrzeugprüfung. "Fahrerassistenzsysteme entscheiden im Ernstfall über Sekunden – und über Leben. Dass ihre Funktion künftig nicht nur bei der Zulassung, sondern über die gesamte Lebensdauer eines Fahrzeugs geprüft wird, ist ein echter Sicherheitsgewinn", erklärt Geschäftsführer Peter Geigle. "Unser Anspruch war, diese Prüfung aus dem teuren Speziallabor herauszuholen und für den Alltag jeder Prüfstelle bezahlbar zu machen. Genau das leistet der MAST 2.0. Dass Korea diesen Weg als eines der ersten Länder geht, zeigt, wohin sich die Fahrzeugprüfung weltweit entwickelt."
Auch Deutschland bereitet sich vor – TÜV SÜD als Vorreiter
Die Entwicklung dürfte auch hierzulande aufmerksam verfolgt werden. Denn die wiederkehrende Prüfung von Fahrerassistenzsystemen steht inzwischen auch bei deutschen Prüfdienste auf der Agenda.
Ein erster MAST-2.0-Prüfstand soll im Oktober 2026 beim TÜV SÜD in Ulm installiert werden. Weitere Organisationen befassen sich laut Anbieter ebenfalls mit dem Verfahren.
Premiere auf der Automechanika
Wer die Technik in Aktion erleben möchte, bekommt dazu bereits im September Gelegenheit. Auf der Automechanika 2026 präsentiert MAHA den MAST 2.0 erstmals einem breiten Fachpublikum. Besucher können die Prüfung selbst durchlaufen und einen Eindruck davon gewinnen, wie die Hauptuntersuchung von morgen aussehen könnte.