Verbrennertechnik: Ruf nach Planungssicherheit

13.08.2026 08:20 Uhr | Lesezeit: 3 min
Mahle
Effiziente Verbrennungsmotoren bleiben auch künftig wichtig.
© Foto: Mahle

Mahle ist bei der Entwicklung von Verbrennungsmotoren ein gefragter Technologiepartner. Mit klimaneutral hergestellten Kraftstoffen könnten Verbrenner künftig eine wichtige Rolle spielen. Davon würde auch der Aftersales profitieren.

Noch ist es politisch nicht entschieden, ob auch nach 2035 neue Verbrennerfahrzeuge in Europa verkauft und mit klimaneutralen Treibstoffen betrieben werden dürfen. Mahle-CEO Arnd Franz forderte erst jüngst bei Vorstellung der Bilanzzahlen für 2025 erneut eine schleunige Überarbeitung der CO2-Regulierung in Europa unter Berücksichtigung nachhaltiger Verbrennungsmotoren und klimaneutraler Kraftstoffe. Er fordert eine Öffnung der Regulierung auch für Verbrennerfahrzeuge, die mit klimaneutralen Treibstoffen betrieben werden könnten.

Technologieoffenheit hat Tradition beim Zulieferer Mahle, der mittlerweile rund 60 Prozent des Umsatzes mit Komponenten für die Elektromobilität generiert. Angesichts des eher schleppenden Hochlaufs der E-Mobilität und der weiterhin relevanten Rolle von Verbrennungsmotoren in zahlreichen Regionen der Welt hält man es bei Mahle aber auch für notwendig, über rein batterieelektrische Fahrzeuge hinaus hocheffiziente Verbrenner sowie weitere Formen der Elektrifizierung, etwa Hybridfahrzeuge oder Range Extender, anzubieten und politisch zu ermöglichen.

Mit überzeugenden Produkten und innovativen Neuentwicklungen macht der Stuttgarter Zulieferer auf sich aufmerksam. Besonderes Interesse weckt ein Range Extender, der die Reichweite von E-Fahrzeugen erhöht. Dabei wird der Elektromotor von einem hocheffizienten, vergleichsweise klein dimensionierten Verbrennungsmotor unterstützt, der auch mit klimaneutralen Treibstoffen betrieben werden kann.

Erneuerbare Kraftstoffe

Seit Jahren weist Mahle-CEO Arnd Franz auf das hohe Dekarbonisierungspotenzial erneuerbarer Kraftstoffe hin. "Jeder Plan zu effektivem und schnell wirkendem Klimaschutz im Straßenverkehr ist unvollständig ohne erneuerbare Kraftstoffe. Neben Wasserstoff, besonders im Transportsektor, können für den Individualverkehr auch Biokraftstoffe einen wirksamen Beitrag leisten", betonte er. Um die Klimaziele zu erreichen, müsse der Anteil erneuerbarer Kraftstoffe im Straßenverkehr, also Biokraftstoffe und synthetische Kraftstoffe, bis 2030 auf 30 Prozent steigen.

Ethanol-Motor

Genau für solche Verbrennungsmotoren, die mit erneuerbaren Kraftstoffen wie Ethanol betrieben werden können, entwickelt Mahle spezielle Komponenten. Bei den Kolben, Bolzen und Kolbenringen der "Ethanol-Powercell-Unit" haben die Entwickler die besonderen Anforderungen des Betriebs mit Ethanol berücksichtigt. Die Optimierung aller Komponenten sorgt laut Mahle für geringeren Schmierölverbrauch bei hoher Verschleiß-, Korrosions- sowie Wärmebeständigkeit. Hier wird deutlich: Auch nach über 100 Jahren Motorenentwicklung gibt es beim Verbrenner immer noch Verbesserungspotenziale, um weitere CO2-Einsparungen erzielen zu können. Heißt konkret: Lebenszyklusanalysen zeigen eine CO2-Reduktion von bis zu 70 Prozent bei E100-Betrieb - unter Annahme einer nachhaltigen Bio-Ethanol-Produktion ist ein nahezu CO2-neutraler E100-Betrieb darstellbar.

Globales Biomobilitäts-Zentrum

Seit zwei Jahren betreibt Mahle das Globale Biomobilitäts-Zentrum, das im Technologie-Zentrum des Konzerns in Jundiaí (São Paulo), Brasilien, angesiedelt ist. Die Einrichtung wurde 2024 gegründet, um die hohe Bedeutung von Biokraftstoffen und Biomaterialien für die Zukunft der Mobilität zu bekräftigen. "Mahle unterstützt nachdrücklich die Beimischung von Biokraftstoffen weltweit auf Anteile zu erhöhen, wie sie in Brasilien oder Indien bereits üblich sind. Wenn die Null-Emissionsziele erreicht werden sollen, müssen bis 2030 über 20 Prozent des globalen Kraftstoffverbrauchs aus erneuerbaren Quellen kommen", sagte CEO Arnd Franz anlässlich des einjährigen Bestehens der Einrichtung. Brasilien gilt bei der Verwendung von Biokraftstoffen als Vorreiter. Biokraftstoffe spielen eine zentrale Rolle in der Dekarbonisierungsstrategie des südamerikanischen Landes.


Alex Jan Erdmann, Manager External Affairs, Mahle Lifecycle and Mobility:

asp: Politisch stehen derzeit alle Zeichen auf Elektromobilität. Welche Rolle könnten Biokraftstoffe bei der Dekarbonisierung des Straßenverkehrs spielen?

A. J. Erdmann: Mahle setzt auf Elektrifizierung im Straßenverkehr, jedoch nicht als alleinigen Weg. Wir stehen für Technologievielfalt, denn nur, wenn wir alle verfügbaren Hebel für die schnell wirksame Reduzierung von CO2-Emissionen einsetzen, erreichen wir die Klimaschutzziele. Das sind neben der Elektrifizierung auch hocheffiziente Verbrennungsmotoren mit nachhaltigen Kraftstoffen, wie Wasserstoff oder Biokraftstoffe.

asp: Verbrenner werden auch in Europa noch lange auf den Straßen unterwegs sein. Welche Rolle können Biokraftstoffe hier spielen?

A. J. Erdmann: Der Verkehrssektor erzeugt fast 22 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen, der Straßenverkehr 75 Prozent dieser Emissionen. Biokraftstoffe sind bereits heute in großen Mengen verfügbar und können deshalb sofort einen wirksamen Beitrag zur Defossilierung der bestehenden Flotte leisten. Ein Blick nach Indien zeigt, wie schnell E20 in den Markt gebracht werden und einen sofortigen Nutzen bringen kann.

asp: Was müsste politisch entschieden werden, um den Einsatz von Biokraftstoffen kurzfristig zu erhöhen?

A. J. Erdmann: Die wirksamste Maßnahme wäre eine verbindliche, ambitionierte und planungssichere Anhebung der Beimischungsquoten für erneuerbare Kraftstoffe in Europa bis 2030 und darüber hinaus. Damit verbunden die regulatorische Anerkennung des Verbrennungsmotors als klimaneutrale Antriebsoption beim Betrieb mit erneuerbaren Kraftstoffen. Eine Erhöhung des Anteils erneuerbarer Kraftstoffe ist aktuell in der Europäischen (Renewable Energy Directive III) -Regulierung bis 2030 auf 14,5 Prozent vorgesehen. In Deutschland werden sogar 65 Prozent bis 2040 diskutiert. In jedem Fall brauchen wir hier möglichst schnell einen klaren Pfad in Europa für die Jahre 2040 sowie 2050. Das würde die notwendige Planungssicherheit für Investitionen schaffen und die Rolle Europas als Technologiestandort stärken.



Aftermarket-Geschäft profitiert

Während Mahle in der Erstausrüstung die Transformation der Mobilität mit Lösungen für Elektrifizierung, Thermomanagement sowie effizienten Verbrennungsmotoren für erneuerbare Kraftstoffe und Wasserstoff vorantreibt, bleibt auch der globale Fahrzeugbestand mit konventionellen Antrieben ein wichtiger Markt. Da Verbrenner-Flotten weltweit zunehmend älter werden, steigt der Bedarf an Wartung und Reparatur. Mit seiner OE-Kompetenz unterstützt Mahle Werkstätten daher auch im Aftermarket-Geschäft mit hochwertigen Ersatzteilen, Werkstattausrüstung und technischem Know-how.

Vor diesem Hintergrund erweitert Mahle sein Produktangebot für die Motorenperipherie. Den Auftakt bilden Luftansaugmodule, Zylinderkopfhauben und Ölfiltermodule. Gleichzeitig umfasst das Aftermarket-Portfolio bereits heute mehr als 100.000 OE- und Ersatzteilprodukte - von Motorkomponenten und Filtern über Dichtungen bis hin zu Thermomanagement-Produkten sowie Startern und Generatoren.

Werkstattausrüstung für Profis

Ergänzt wird das Angebot durch professionelle Werkstattausrüstung von Mahle Service Solutions. Dazu gehören Lösungen für Fahrzeugdiagnose, Abgastests sowie den Klima- und Getriebeservice. Mit der neuen FluidPRO Oil Line, bestehend aus FluidPRO Multi Oil, FluidPRO Oil Fill und FluidPRO Oil Control, unterstützt Mahle Werkstätten zudem bei dem effizienten Ölmanagement wie Mehrölverwaltung, verschüttungsfreier Ölwechsel, Vermeidung von Kreuzkontaminationen oder flexible Ölversorgung,

Auch im Nutzfahrzeugbereich profitieren Werkstätten von der engen Zusammenarbeit von Mahle mit führenden Fahrzeugherstellern. Die daraus resultierende OE-Kompetenz bilden die Grundlage für hochwertige Produkte, die Ausfallzeiten minimieren, die Einsatzbereitschaft von Fuhrparks sichern und einen effizienten Fahrzeugbetrieb über den gesamten Lebenszyklus hinweg unterstützen. Dabei zählt Mahle bei Motorenkomponenten und Thermomanagement-Systemen zu den weltweit führenden Erstausrüstern im Nutzfahrzeugbereich. Gleichzeitig treibt das Unternehmen den Ausbau seines Filtergeschäfts für Trucks konsequent voran und stärkt damit seine Position im Aftermarket. Mit insgesamt rund 4.800 Ersatzteilen für Nutzfahrzeuge bietet Mahle Werkstätten und Flottenbetreibern ein umfassendes Sortiment für Wartung und Reparatur.


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