Der Mythos der lebenslangen Getriebeölfüllung hält sich nach wie vor hartnäckig. Laut einer aktuellen Umfrage unter freien Kfz-Werkstätten wird insbesondere in Deutschland deutlich, wie stark dieser Glaube die Nachfrage nach Getriebeölwechseln beeinflusst. Rund 45 Prozent der Betriebe geben an, regelmäßig mit Kunden zu diskutieren, die einen Ölwechsel mit Verweis auf eine angebliche Lifetime-Füllung ablehnen.
Dabei sind Automatikgetriebe längst in der Breite des Fahrzeugbestands angekommen. Dennoch werden entsprechende Wartungsarbeiten vergleichsweise selten durchgeführt.
Deutliche Lücke zwischen Fahrzeugbestand und Servicevolumen
Die Befragung offenbart ein Missverhältnis zwischen der Zahl betreuter Automatikfahrzeuge und der Anzahl durchgeführter Getriebeölwechsel. Fast die Hälfte der befragten Werkstätten betreut monatlich elf oder mehr Fahrzeuge mit Automatikgetriebe. Gleichzeitig führen rund 72 Prozent der Betriebe maximal fünf Getriebeölwechsel pro Monat durch.
Hinzu kommt: Nur etwa jede vierte Werkstatt berichtet, dass Kunden den Service aktiv nachfragen. Knapp die Hälfte der Befragten empfiehlt einen Ölwechsel erst dann, wenn bereits Schaltprobleme oder andere Auffälligkeiten auftreten.
Werkstätten erkennen zusätzliches Umsatzpotenzial
Nach Einschätzung vieler Betriebe bleibt dadurch Geschäftspotenzial ungenutzt. Fast 60 Prozent der Befragten sehen die Möglichkeit, monatlich drei bis zehn zusätzliche Getriebeölwechsel durchzuführen. Als Hindernisse nennen die Werkstätten unter anderem Informationsdefizite bei Kunden, fehlende Argumentationshilfen sowie Schulungsbedarf.
"Der Mythos führt seit Jahren dazu, dass notwendige Wartungen ausfallen, wertvolle Präventionsarbeit nicht stattfinden kann und Umsatzpotenzial für Werkstätten auf dem Hof stehen bleibt", sagt Kfz-Technikermeister Andreas Raulf.