Meyle-Umfrage: Mythos bremst Getriebeölwechsel in Werkstätten aus

16.09.2026 11:08 Uhr | Lesezeit: 2 min
Meyle
Viele Werkstätten sehen beim Automatikgetriebe-Service ungenutztes Potenzial.
© Foto: Meyle

Viele Werkstätten sehen beim Automatikgetriebe-Service ungenutztes Potenzial. Eine internationale Umfrage zeigt: Der weit verbreitete Glaube an die "Lifetime-Füllung" verhindert oft notwendige Getriebeölwechsel und lässt zusätzliche Werkstattumsätze liegen.

Der Mythos der lebenslangen Getriebeölfüllung hält sich nach wie vor hartnäckig. Laut einer aktuellen Umfrage unter freien Kfz-Werkstätten wird insbesondere in Deutschland deutlich, wie stark dieser Glaube die Nachfrage nach Getriebeölwechseln beeinflusst. Rund 45 Prozent der Betriebe geben an, regelmäßig mit Kunden zu diskutieren, die einen Ölwechsel mit Verweis auf eine angebliche Lifetime-Füllung ablehnen.

Dabei sind Automatikgetriebe längst in der Breite des Fahrzeugbestands angekommen. Dennoch werden entsprechende Wartungsarbeiten vergleichsweise selten durchgeführt.

Deutliche Lücke zwischen Fahrzeugbestand und Servicevolumen

Die Befragung offenbart ein Missverhältnis zwischen der Zahl betreuter Automatikfahrzeuge und der Anzahl durchgeführter Getriebeölwechsel. Fast die Hälfte der befragten Werkstätten betreut monatlich elf oder mehr Fahrzeuge mit Automatikgetriebe. Gleichzeitig führen rund 72 Prozent der Betriebe maximal fünf Getriebeölwechsel pro Monat durch.

Hinzu kommt: Nur etwa jede vierte Werkstatt berichtet, dass Kunden den Service aktiv nachfragen. Knapp die Hälfte der Befragten empfiehlt einen Ölwechsel erst dann, wenn bereits Schaltprobleme oder andere Auffälligkeiten auftreten.

Werkstätten erkennen zusätzliches Umsatzpotenzial

Nach Einschätzung vieler Betriebe bleibt dadurch Geschäftspotenzial ungenutzt. Fast 60 Prozent der Befragten sehen die Möglichkeit, monatlich drei bis zehn zusätzliche Getriebeölwechsel durchzuführen. Als Hindernisse nennen die Werkstätten unter anderem Informationsdefizite bei Kunden, fehlende Argumentationshilfen sowie Schulungsbedarf.

"Der Mythos führt seit Jahren dazu, dass notwendige Wartungen ausfallen, wertvolle Präventionsarbeit nicht stattfinden kann und Umsatzpotenzial für Werkstätten auf dem Hof stehen bleibt", sagt Kfz-Technikermeister Andreas Raulf.


Zur Umfrage

Für die Erhebung befragte das Marktforschungsinstitut Innofact im Auftrag von Meyle im Juni 2026 insgesamt 388 Mitarbeitende freier Kfz-Werkstätten in Deutschland, Schweden, Spanien, den USA, Frankreich, Polen und Großbritannien. Die deutschen Ergebnisse basieren auf den Angaben von 99 Werkstätten.



Preis bleibt wichtigste Hürde

Lehnen Kunden einen empfohlenen Getriebeölwechsel ab, sind aus Sicht der Werkstätten meist die Kosten ausschlaggebend. Knapp 80 Prozent der Befragten nennen den Preis als einen der häufigsten Ablehnungsgründe.

Gleichzeitig zeigt die Umfrage, welche Argumente bei Fahrzeughaltern am ehesten wirken. Werkstätten berichten, dass insbesondere der Hinweis auf die Vermeidung teurer Folgeschäden sowie langfristige Kosteneinsparungen die Akzeptanz eines Getriebeölwechsels erhöhen kann.

Automatikservice gewinnt weiter an Bedeutung

Mit dem steigenden Anteil von Fahrzeugen mit Automatikgetriebe dürfte das Thema für freie Werkstätten künftig weiter an Relevanz gewinnen. Die Umfrage legt nahe, dass neben der technischen Kompetenz vor allem die Kundenkommunikation eine entscheidende Rolle spielt, um bestehende Servicelücken zu schließen und zusätzliches Werkstattgeschäft zu erschließen.


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