Das einstige Werbemotto ist längst im Werkstattalltag angekommen. Vor allem freie Kfz-Betriebe spüren die zunehmende Preissensibilität vieler Kunden. Das Internet gilt als Eldorado für Schnäppchenjäger. Angetrieben von Preisvergleichsportalen suchen viele Fahrzeughalter online nach möglichst günstigen Angeboten für Ersatz- und Serviceteile. In der Hoffnung, Geld zu sparen, kaufen sie dort alles ein, was ihrer Meinung nach für den nächsten Werkstattbesuch benötigt wird.
Mit dem guten Gefühl, Geld gespart zu haben, wenden sich die Kunden anschließend an die Werkstatt ihres Vertrauens und bitten darum, die mitgebrachten Teile einzubauen. "Hier beginnt für uns immer das Dilemma", sagt Leonhard Stangl, Geschäftsführer und Inhaber der Firma Leonhard Stangl Fahrzeugbau (LSF) westlich von München. "Einerseits müssen wir dem Kunden erklären, dass wir mitgebrachte Teile nicht einbauen. Andererseits möchte man ja auch nicht seine Stammkunden vor den Kopf stoßen."
Raus aus dem Dilemma
Doch wie lässt sich diese schwierige Situation zum Vorteil beider Seiten lösen? Im ersten Schritt sollten Kunden umfassend über die möglichen Folgen solcher Billigkäufe aufgeklärt und das Qualitäts- und Sicherheitsbewusstsein des Kunden geschärft werden. "Hilfreich ist dabei der Vergleich mit Mode- und Luxusartikeln. Denn genauso wie dort gibt es auch im Markt für Autoersatzteile rücksichtslose Fälscher, die vermeintliche ,Originalteile' zu Schnäppchenpreisen anbieten", weiß Stangl." Der Kfz-Mechatroniker-Meister rät außerdem dazu, offen anzusprechen, dass selbst Kfz-Profis, wie er selbst, oft kaum beurteilen können, ob Ersatzteile aus unbekannten Internetquellen tatsächlich für den Einbau in ein bestimmtes Fahrzeug geeignet sind. Auch Hersteller- und Produktnummern bieten oft keine verlässliche Sicherheit, da sie gefälscht sein können.
Viele gefälschte Produkte
Im Internet finden sich im Bereich Kfz-Ersatzteile zahlreiche Produktfälschungen und Nachbauten, die oft nur minderwertige Material- und Verarbeitungsqualität aufweisen. Daher hat der Schmierstoffhersteller Liqui Moly für seine Motoröle ein digitales Echtzeit-Prüfsystem eingeführt. Über einen QR-Code auf dem Kanisterdeckel können Kunden die Echtheit des Produkts direkt überprüfen und mögliche Fälschungen melden.
Und wenn sich Kunden trotzdem nicht einsichtig zeigen? "Hier sollte dann auf die rechtliche Lage und auf die Gewährleistungspflicht der Kfz-Werkstatt verwiesen werden", empfiehlt Rechtsanwalt Rainer Bopp aus München, Experte für Kfz-Recht (siehe Kasten). Kommt es später zu Problemen, sind Onlinehändler oder Teilehersteller schwer auffindbar. "Bereits ein Umtausch gestaltet sich dann schwierig, von der Durchsetzung möglicher Haftungsansprüche ganz zu schweigen", sagt Ragip Bajrami, Geschäftsführer der Reitberger GmbH, eine freie Autowerkstatt in Ruhstorf an der Rott.
"Wenn wir die Ersatzteile beschaffen und einbauen, liegt die Haftung bei uns oder dem Teilehersteller. Kann dem Hersteller ein Fehler nachgewiesen werden, muss er dafür aufkommen. Haben wir einen Fehler gemacht, sind wir als Werkstatt in der Pflicht." Leonhard Stangl weist noch auf einen weiteren Aspekt hin: "Als Werkstatt haben wir auch eine Sorgfaltspflicht gegenüber dem Kunden. Der kommen wir nur nach, wenn wir den Kunden über potenzielle Gefahren, die vom Einbau eines mangelhaften Ersatzteils ausgehen können, aufklären." Daher sollte zum Schutz von Kunde und Werkstatt der Einbau mitgebrachter Kfz-Teile grundsätzlich abgelehnt werden.
(kanzlei@raehaug-partner.de)
- Ausgabe 7/2026 Seite 020 (892.7 KB, PDF)