VW baut Recycling in Zwickau auf: Zweites Leben für Autos

21.01.2026 13:55 Uhr | Lesezeit: 3 min
Startschuss für Kreislaufwirtschaft: Fahrzeugwerk Zwickau startet GeschäftsfelderE startet in Zwickau
Ausbau des Motors eines alten Volkswagen T6, bevor dieser demontiert wird.
Startschuss für Kreislaufwirtschaft: Im VW-Werk Zwickau wird der Motor eines alten T6 ausgebaut, bevor dieser demontiert wird.
© Foto: Volkswagen

Volkswagen will künftig nicht nur neue Autos bauen, sondern alte Fahrzeuge auch zerlegen, um Bauteile und Rohstoffe zurückzugewinnen. Zentrum dafür wird Zwickau. Was das für Standort bedeutet.

Der Autobauer Volkswagen will ab 2030 jährlich bis zu 15.000 Fahrzeuge am Standort Zwickau zerlegen und aufbereiten. Nachdem das Werk beim Umstieg auf E-Autos Pionier im Konzern gewesen sei, übernehme es nun erneut eine Vorreiterrolle, sagte VW-Sachsen-Chef Danny Auerswald. "Jetzt erschließen wir den wichtigen Geschäftsbereich der Kreislaufwirtschaft." Dazu wird Volkswagen den Angaben zufolge bis zu 90 Millionen Euro investieren und 1.000 Arbeitsplätze sichern. Das Land Sachsen fördert das Vorhaben mit rund 10,8 Millionen Euro. 

Was genau ist geplant? 

Künftig sollen gebrauchte Fahrzeuge der Konzernmarken vom Kunden und Händler wieder zurück in die Autofabrik geholt werden – E-Autos ebenso wie Verbrenner. Sie werden dann einem Check unterzogen. Je nach Zustand werden sie dann für Kunden neu aufbereitet oder zerlegt, um einzelne Bauteile wie Türen, Scheinwerfer oder Motoren zum Beispiel für Gebrauchtwagen wiederzuverwenden. Auch sollen Rohstoffe etwa aus den Batterien von E-Autos zurückgewonnen werden.

"Damit wird Volkswagen unabhängiger vom weltweiten Rohstoffhandel, verringert den CO2-Fußabdruck der Fahrzeuge und schafft neue Geschäftsmodelle", erläuterte der Verantwortliche für den Bereich Kreislaufwirtschaft, Andreas Walingen. Eine genaue Zahl zur Recyclingquote nannte er auf Nachfrage nicht. Das sei je nach Fahrzeugtyp verschieden. Erfahrungen aus anderen Bereichen in der Industrie zeigten, dass Quoten von mehr als 80 Prozent, bei Batterien von mehr als 90 Prozent möglich seien.


VW T-Roc 1.5 eTSI (116 PS)

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Die Zahl der demontierten Fahrzeuge soll in den kommenden Jahren schrittweise erhöht werden. Dazu seien Umbauten nötig und werde in neue Anlagen und KI-Anwendungen investiert, hieß es. Dieses Jahr sollen die ersten 500 Fahrzeuge zerlegt werden.

Werk muss Modelle an andere Standorte abgeben

Volkswagen kämpft mit Überkapazitäten an seinen deutschen Standorten. Deswegen wird die Autoproduktion in Zwickau reduziert und in den kommenden Jahren mehrere Modelle an andere Autofabriken abgegeben. Dafür erhält der Standort mit aktuell rund 8.500 Beschäftigten laut einer Vereinbarung von Ende 2024 das neue Geschäftsfeld der Kreislaufwirtschaft. 

Zwickau werde im Volkswagen-Konzern nun das zentrale Kompetenzzentrum für diesen Bereich, hieß es. Neue Geschäftsfelder in diesem Sektor sollen auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft, Standards festgelegt und das Wissen für andere Standorte weltweit zur Verfügung gestellt werden. Zudem sollen die Erfahrungen aus der Demontage in die künftige Produktentwicklung einfließen.

Minister fordert Konzernsitz für Circular Economy in Sachsen

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) sagte, dass dieser Einstieg in die Kreislaufwirtschaft am Standort nur ein erster Schritt sein könne. "Wir wollen auch den Konzernsitz für Circular Economy hier haben", so Panter: "Wir wollen, dass hier entwickelt wird, das hier geforscht wird, dass hier gearbeitet wird und dass hier auch Entscheidungen getroffen werden." 

Dieses Ziel wird auch von den Arbeitnehmervertretern in Zwickau verfolgt, wie der Betriebsratsvorsitzende Mario Albert sagte. Denn auch sie sehen in diesem Sektor Beschäftigungspotenzial. Das Zwickau zum Kompetenzzentrum für Kreislaufwirtschaft werde, sei ein "Riesenschritt in die Zukunft". Wichtig sei aber, dass daneben weiterhin Autos am Standort gebaut würden. 

Neben VW nehmen auch andere Autohersteller das Recycling von Altfahrzeugen verstärkt in den Blick. Dazu haben Renault, Stellantis und Toyota bereits entsprechende Standorte in Europa.


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