VCD-Auto-Umweltliste 2019/2020: Alles unter Strom

Der BMW i3 findet sich auf der Liste des VCD.
© Foto: BMW

Nach Dieselskandal und Abgasmanipulationen kehrt der Verkehrsclub Deutschland den Verbrennern den Rücken und nimmt in die diesjährige Auto-Umweltliste nur noch Stromer auf. Aber nicht alle.

Von Klaus Lockschen/SP-X

Auch wenn der Marktanteil von Elektroautos hierzulande mit 2,6 Prozent im ersten Halbjahr noch gering ist und der Gesamtbestand aktuell bei 200.000 Autos liegt, widmet sich der VCD in seiner Auto-Umweltliste 2019 ganz den Strommodellen. Sieht man von Varianten mit unterschiedlicher Batteriekapazität ab, umfasst die am Mittwoch veröffentlichte Aufstellung gerade einmal zwölf reine E-Autos und drei Plug-in-Hybride, deren CO2-Emissionen im reinen Benzinbetrieb unter 135 Gramm pro Kilometer liegen.

Ein Ranking stellt die kurze Liste auch wegen der undurchsichtigen Datenlage bei der Akkuproduktion nicht dar. Der VCD definiert sie als "Positivliste" und beleuchtet einige wesentliche Eckpunkte, die für potenzielle Käufer wichtig sein könnten. Dazu zählen Preis, Leistung, Batteriekapazität, Reichweite und Stromverbrauch. Große und schwere Wagen mit E-Antrieb sind nicht dabei.

Gelistet sind lediglich: BMW i3, Hyundai Kona EV, Kia e-Niro und e-Soul, Nissan Leaf und e-NV200 Evalia, Renault Zoe Life, Renault Kangoo, Smart EQ Fortwo und Forfour sowie der VW e-Golf. Die Preise der Probanden streuen zwischen 22.000 und 45.000 Euro, die Batteriekapazität von 17,6 und 64 kWh und die Reichweite von 110 bis 460 Kilometern. Bei den Plug-in-Hybriden sind Hyundai Ioniq PHEV, Kia Niro Plug-in Hybrid und Toyota Prius Plug-In-Hybrid gelistet.

Als enttäuschend wertet der VCD das Elektroangebot des Branchenführers VW. Lediglich der e-Golf sei aktuell erhältlich. Zudem bemängelt er, dass bei Herstellern wie Fiat, Ford, Honda, Mazda, Seat und Skoda derzeit sogar kein einziger Stromer im Programm ist. Audi sowie PSA mit den Konzernmarken Citroën, DS, Peugeot und Opel finden sich nicht in der Umweltliste, weil sie ihre Teilnahme abgesagt hätten. Auch der Tesla Model 3 blieb aus Datenmangel unberücksichtigt. E-Modelle mit einem hohen Verbrauch hat der VCD generell nicht in die Liste aufgenommen. Ebenso fehlen Hersteller, die keine WLTP-Verbrauchs- und Emissionswerte geliefert haben – wie etwa für Plug-in-Hybride von Daimler, BMW, Mitsubishi und Volvo.

Durchbruch für E-Auto 2020?

Gebremst wird die Nachfrage nach Stromern nach VCD-Einschätzung oft durch lange Lieferfristen bis zu einem Jahr wie bei Kia und Hyundai. Wer aber einen Nissan Leaf mit 40 kWh-Batterie ordere, der sei bereits vier Wochen später elektrisch unterwegs. Beim e-Golf beträgt die Lieferzeit nach VCD-Angaben zwei Monate, beim BMW i3 deren drei. Der ökologisch orientierte Verband bewertet es als positiv, dass die Autobauer, allen voran VW, nun mit Hochdruck die Fertigungskapazität ausweiten und im kommenden Jahr eine große Modelloffensive fahren wollen. "Die könnte den Durchbruch für das E-Auto bringen", sagte der verkehrspolitische Sprecher Michael Müller-Görnert.

Auch bei der Ladeinfrastruktur tut sich einiges. Knapp 21.000 öffentliche Ladepunkte sind es bereits, was den Verkehrsclub erfreut. Er kritisiert aber, dass der Strom von kommerziellen Anbietern meist wesentlich teurer als der Haushaltsstrom ist. Durch Roaming-Gebühren werde der Strom mitunter sogar teurer als die entsprechende Menge Sprit. In einer Vergleichsrechnung von Diesel-Pkw, Benzinern und E-Autos gibt der VCD für den Selbstzünder (bei einem angenommenen Verbrauch von 5,1 Litern/100 km) 6,35 Euro an, beim Benziner (5,9 l/100 km) 8,56 Euro und beim Elektroauto (15 kWh/100 km) 4,50 Euro bei Haushaltsstrom. An der Ladesäule wären es 5,85 Euro und beim Roaming happige 9,00 Euro.

Bislang rechneten sich E-Autos vor allem dann, wenn sie einen kleinen Akku hätten, wenig Strom verbrauchten, oft gefahren würden und man eine günstige Lademöglichkeit nutzen könne, resümiert der VCD.

Die komplette Positivliste des VCD lässt sich über die Website des Verbands abrufen!

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