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Mercedes S 680 Guard: Erster Wechsel im Kanzleramt perfekt

Mercedes legt eine gepanzerte Variante der neuen S-Klasse auf.
© Foto: Daimler

Während die Parteien noch ringen, macht der Fuhrpark Nägel mit Köpfen: Pünktlich zum Regierungswechsel bietet Mercedes die neue S-Klasse jetzt auch wieder als Guard an. Aber man muss kein Politiker sein, wenn man diesen Panzer im Pelzmantel fahren will.


Datum:
12.10.2021
Autor:
Benjamin Bessinger/SP-X
Lesezeit: 
4 min
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Blaulicht im Kühlergrill, Standarte auf dem Kotflügel und unter dem polierten Blech einer Rüstung aus Panzerstahl – pünktlich zum Regierungswechsel in Berlin tauscht Mercedes auch das erste Auto im Land aus und bringt die neue S-Klasse jetzt wieder in einer Sonderschutzversion an den Start. So herrscht zumindest in der Tiefgarage an der Willy-Brandt-Straße 1 Klarheit, während um die Besetzung des wichtigsten Büros im Kanzleramt noch heftig gerungen wird.

Allerdings muss man weder Kanzlerkandidat sein, noch König oder Konzernchef, wenn man den neuen S 680 Guard fahren möchte: Wer den Schwaben 547.400 Euro überweist, kann diesen Panzer im Pelzmantel auch als Privatmann bestellen und seine Lebensversicherung so auch auf den Straßenverkehr ausweiten. Wobei Geld alleine für das gute Gefühl nicht ausreicht, räumt Baureihenleiter Andreas Zygan ein. Zum Erwerb braucht man zudem einen halbwegs guten Leumund, weil der Guard nur für die Guten gemacht ist, und für den Betrieb einen speziellen Führerschein. Denn 4,2 Tonnen gehen beim besten Willen nicht mehr als Pkw durch.

Das Gewicht kommt nicht von ungefähr: Denn für etwa den dreifachen Preis einer konventionellen S-Klasse rüstet Mercedes die Luxuslimousine mit einer Sicherheitsausstattung aus, die nur noch vom Dienstwagen des US-Präsidenten übertroffen wird. Mit der Schutzklasse VPAM VR10 erfülle die S-Klasse die höchste ballistische Prüfstufe für Zivilfahrzeuge und hält damit neben Sprengstoffattacken auch Scharfschützengewehren stand, erläutert Zygan.


Mercedes S 680 Guard

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Dafür bekommt die S-Klasse einen Kern aus Spezialstahl, Aramidfasern und armdicken Panzerglas, mit dem zum Beispiel das Gewicht einer Tür auf allein 180 Kilo steigt. Außerdem installieren die Entwickler im Zuge  der 50 statt sonst zwei Tage währenden Montage ein automatisches Feuerlösch- und Frischluftsystem sowie spezielle Reifen, die den tonnenschweren Wagen auch nach einem Beschuss noch tragen.

Für die Flucht nach vorn oder den geordneten Rückzug setzt Mercedes auf den V12-Motor, der sonst dem Maybach vorbehalten bleibt. Er schöpft aus sechs Litern Hubraum 612 PS und beschleunigt das Dickschiff mit bis zu 830 Nm auf maximal 190 km/h. Mehr ist wegen der Reifen nicht möglich, erläutert Zygan mit Blick auf die sonst üblichen 250 km/h. Doch auf Verfolgungsjagden lassen sich solche Limousinen ohnehin eher selten ein, so Zygan: "Das erledigt eher die Kavallerie."

Zwar hat Mercedes sein Angebot an Guard-Modellen zusammengestrichen und etwa die G-Klasse mittlerweile aus dem Programm genommen. Doch denken die Schwaben dafür am anderen Ende über eine politisch korrektere Erweiterung nach. Weil auch Politiker und Prominente zunehmend auf ihren CO2-Fußadruck achten, stellt Zygan längst Überlegungen zu einem elektrischen Guard auf Basis des EQS an. Technisch ist das schwierig, weil er mehr empfindliche Teile schützen und den Wagen vor allem gegen elektronische Angriffe wappnen muss. Doch zumindest die Reichweiten-Diskussion sei da obsolet, freut sich der Ingenieur: "Viel mehr als 100 Kilometer am Stück werden solche Autos ohnehin nicht gefahren. Denn für alle weiteren Strecken nimmt dieser Personenkreis den Hubschrauber."

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