Im Rahmen des UN‑Summits zum Wandel der Mobilität haben TÜV SÜD und das Ingenieursnetzwerk IEEE ihre Arbeit an einheitlichen Bewertungsstandards für nachhaltige Mobilitätskonzepte konkretisiert. Das sogenannte IEEE SustainMobility Framework wurde nach der Vorstellung erster Ergebnisse als offizielles IEEE‑Standardisierungsprojekt qualifiziert.
Ziel ist es, weltweit vergleichbare Kriterien zu schaffen, mit denen nachhaltige Mobilitätslösungen – insbesondere im urbanen Raum – bewertet und miteinander verglichen werden können. Damit sollen Akteure aus Politik, Industrie und Verwaltung mehr Rechtssicherheit bei Planung und Umsetzung erhalten.
Mobilität als zentraler Hebel der Klimaziele
Hintergrund der Initiative ist die Rolle des Verkehrssektors bei den UN‑Klimazielen. Mehr als 20 Prozent der weltweiten CO2‑Emissionen entfallen auf den Transport, wobei der Straßenverkehr den größten Anteil ausmacht. Nach Ansicht der Projektbeteiligten reichen Einzelmaßnahmen nicht aus, solange es keine global abgestimmten Grundlagen gibt.
"Nur mit international gültigen Standards werden wir eine nachhaltige Mobilität von morgen realisieren können", sagt Pascal Mast, Director Sustainable Technologies bei TÜV SÜD und Chair der IEEE SA Industry Connections Activity. Neben der Dekarbonisierung sollen auch Aspekte wie Sicherheit, Bezahlbarkeit, Zugänglichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz berücksichtigt werden.
Einheitliche Bewertung statt fragmentierter Einzelansätze
Bislang verfolgen viele Regionen eigene Ansätze zur Reduktion von Emissionen im Verkehr. Nach Einschätzung von TÜV SÜD und IEEE führt diese Fragmentierung zu Ineffizienzen. Das SustainMobility Framework soll deshalb eine gemeinsame Struktur liefern, um unterschiedliche Mobilitätskonzepte objektiv zu bewerten – unabhängig davon, ob sie auf Elektromobilität, öffentlichem Verkehr, neuen Fahrzeugkonzepten oder veränderten Mobilitätsgewohnheiten basieren.
Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei die Einbindung bestehender internationaler Normen wie ISO 37122 oder IEEE 7010, um Vergleichbarkeit und Anschlussfähigkeit an bestehende Berichts‑ und Benchmarkingsysteme sicherzustellen.
Validierung und Testumgebungen im Fokus
Für die praktische Umsetzung spielen laut TÜV SÜD validierte Testumgebungen und messbare Ergebnisse eine zentrale Rolle. Standards müssten zertifizierbar sein und belastbare Aussagen ermöglichen, um Vertrauen zu schaffen und Investitionen zu erleichtern.
"Nur valide und allgemein anerkannte Standards wirken der Fragmentierung entgegen. Sie bremsen nicht, sondern beschleunigen die Entwicklung nachhaltiger Mobilität", erklärt Mast. Ziel sei es, etwa den Aufwand zur Berechnung und Dokumentation von Emissionsminderungsmaßnahmen deutlich zu reduzieren.
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Breites internationales Netzwerk beteiligt
An dem Framework arbeiten neben TÜV Süd und IEEE weitere internationale Partner mit, darunter das Centre of Excellence for Testing & Research of Autonomous Vehicles (CETRAN) in Singapur und das China Automotive Technology and Research Center (CATARC). Die Initiative stützt sich damit auf ein globales Netzwerk aus Industrie, Forschung und Behörden.
Nach der formalen Genehmigung des Projekts soll nun ein sogenanntes Impact Assessment Framework etabliert werden. Dieses soll politische Zielsetzungen mit unternehmerischer Praxis, technologischer Innovation und veränderten Mobilitätsmustern verknüpfen und bewerten, welche Konzepte tatsächlich wirken.