asp: MG Motor ist in Deutschland als Newcomer recht erfolgreich unterwegs und arbeitet mit zahlreichen Händlern zusammen. Wie ist MG im Aftersales aufgestellt?
R. Rudat: MG Motor ist zwar eine junge Marke auf dem deutschen Markt, bringt aber eine hohe Agilität mit. Gleichzeitig profitieren wir von den Erfahrungen unseres Mutterkonzerns SAIC Motor, einem der weltweit größten Automobilhersteller, im Hintergrund. Das bedeutet: Prozesse, Ersatzteilversorgung und Serviceerfahrung sind bereits vorhanden und werden jetzt mit viel Kompetenz nach Europa gebracht und an die hiesigen Marktanforderungen angepasst. Global gesehen produziert SAIC Motor 4,5 Millionen Fahrzeuge jährlich - Erfahrungen mit dem Markteintritt in neue Länder sind also bereits vorhanden.
asp: Wie ist der Aftersales-Bereich bei MG Deutschland organisiert?
R. Rudat: Wir gliedern unseren Aftersales-Bereich in vier Kernkompetenzen, um unseren Partnerbetrieben maximalen Support zu gewährleisten: Der technische Support unterstützt bei Reparaturanfragen, Diagnosen, Messmethoden und Reparaturanleitungen. Dies läuft über ein professionelles Ticketsystem, vergleichbar mit anderen Herstellern. Dazu gehören auch Rückrufaktionen und Servicekampagnen. Darunter verstehen wir proaktive Maßnahmen, um Reparaturen oder Updates im Rahmen von Serviceterminen umzusetzen. Die Garantieabwicklung kümmert sich um die Bearbeitung von Produktmängeln und Reklamationen gemeinsam mit unseren Partnerbetrieben. Der Bereich Ersatzteilversorgung beaufsichtigt schließlich Planung, Lagerung, Auslieferung und auch Rücknahme von Ersatzteilen. Auf Basis dieser Struktur sorgen wir in mehrstufiger Zusammenarbeit mit den europäischen und zentralen Teams des Herstellers dafür, dass unsere Partnerbetriebe im Service maximal unterstützt werden.
asp: Die Ersatzteilversorgung gilt bei neuen Marken aus China oft als kritischer Punkt: Wo steht MG heute bei Lieferzeiten und Verfügbarkeit?
R. Rudat: Im vergangenen Jahr konnten wir die durchschnittliche Ersatzteillieferzeit von über 20 auf unter 5 Tage reduzieren - das ist ein signifikanter Fortschritt. Gleichzeitig stieg die Verfügbarkeit der Teile auf 93 Prozent, was über dem Branchendurchschnitt liegt. Diese Verbesserungen erreichen wir durch ein Zentrallager in den Niederlanden, das innerhalb eines Tages nach der Bestellung den Versand vorbereitet. Um die Servicequalität weiter zu steigern, arbeiten wir in Deutschland daran, mittelfristig für kritische Teile und Schnelldreher eine "Next-Day-Delivery" zu gewährleisten.
asp: Planen Sie zusätzlich regionale Lager für kritische Teile?
R. Rudat: Es geht nicht nur um Schnelldreher, ich spreche von kritischen Teilen, beispielsweise bei typischen Unfallschäden. Der Bedarf mag an dieser Stelle vielleicht zahlenmäßig nicht so hoch sein, aber die Auswirkungen sind für unsere Kunden und Partnerbetriebe umso relevanter. Wir arbeiten vor Ort mit unseren Partnern zusammen, um eine gewisse Bevorratung als kleinen Puffer im deutschen Markt sicherzustellen. Perspektivisch ist außerdem die eigene Verwaltung von Lagermöglichkeiten in den wichtigen europäischen Märkten ein Thema. In Italien, Spanien und Frankreich haben wir bereits eigene Lagermöglichkeiten realisiert. Weitere Märkte wie Deutschland folgen nun.
- Ausgabe 2/2026 Seite 032 (308.2 KB, PDF)
""Nur ein sehr geringer Teil der HV-Batterien muss überhaupt je repariert werden.""
Raik Rudat, MG Motor Deutschland
asp: Stichwort Netzausbau - wie sieht das Onboarding neuer Partner im Servicebereich aus?
R. Rudat: Für neue Partnerbetriebe hat MG Motor Deutschland einen mehrstufigen Onboarding-Prozess vorgesehen. Dieser umfasst ein vierwöchiges Grundlagenprogramm, inklusive Systemzugängen, Erstausstattung und digitalem Training. Es folgt ein Onboarding-Coaching vor Ort, um Mitarbeiter mit Abläufen, Testgeräten und Produkten vertraut zu machen. Hinzu kommen verpflichtende und optionale Aftersales-Trainings mit 20 Modulen, von Basiswissen bis Hochvolt-Diagnostik. In diesem Umfang bieten wir gratis die 3S-Zertifizierung nach IHK mit an. Der Prozess stellt sicher, dass neue Partnerbetriebe in kürzester Zeit handlungsfähig sind und Kunden professionell betreut werden können.
asp: Wie werden Mitarbeiter in den Partnerbetrieben geschult und auf Hochvolt-Technologie vorbereitet?
R. Rudat: MG Motor setzt auf ein markenunabhängiges Trainingskonzept: Das Basisprogramm vermittelt technische Grundlagen für die Hochvolt-Diagnose von 1S bis 3S im Allgemeinen, unabhängig vom Fahrzeughersteller. Darauf aufbauend gibt es dann noch produktspezifische Trainings für MG-Modelle, von der Basisdiagnose bis zu Advanced Trainings in Hochvolt-Systemen. Dieser Ansatz stellt sicher, dass Mechaniker nicht nur "Inselwissen" erlernen, sondern universelle Skills erwerben, die flexibel auf verschiedene Fahrzeuge und unterschiedliche Antriebskonzepte anwendbar sind.
asp: Wie wird die IT-Integration bei den Partnerbetrieben speziell im Service umgesetzt?
R. Rudat: Die Systeme von MG Motor sind von Produkt- und Entwicklungsseite noch nicht vollständig an das europäische Data Management System angebunden. Dennoch werden über einfache Schnittstellen die wesentlichen Daten - Ersatzteilpreise, Reparaturwerte, Bezeichnungen - ins DMS integriert. Für unsere Partnerbetriebe ist dies ein Vorteil, da die Abläufe effizient bleiben. Für MG Motor bedeutet es, dass Rückmeldungen noch nicht automatisch ins System zurückfließen, was aber die Servicequalität beim Partner nicht einschränkt. Langfristig wird die Systemanbindung über API-Schnittstellen laufen. Deren Entwicklung ist ein laufender Prozess.
asp: Wie nehmen die Mitarbeiter der Partnerbetriebe die Integration der neuen Marke wahr?
R. Rudat: Wir erleben bei den Partnern eine große Offenheit: Viele Betriebe zeigen sehr viel Eigeninitiative und suchen den Austausch. Speziell in der Anfangsphase haben wir gesehen, dass wir unsererseits sehr aktiv auf die Partner zugehen mussten; heute ist es eher so, dass sich Partner bei uns bewerben. Wir pflegen als MG Motor Deutschland einen partnerschaftlichen Umgang auf Augenhöhe, sowohl auf menschlicher als auch auf prozessualer Ebene. Die Erfahrungen zeigen: Offenheit, regelmäßiger Austausch und transparente Prozesse fördern Vertrauen und schnelle Umsetzung.
asp: Werden Hochvoltbatterien vor Ort repariert oder setzen Sie hier auf Zentralisierung?
R. Rudat: Reparaturen auf Zell-Ebene sind aktuell bei fast allen Herstellern kaum möglich, da Qualitäts- und Ausbildungsstandards fehlen. MG Motor setzt auf Modultausch. Dabei tauschen wir einzelne Batterie-Module oder Steuergeräte, ohne die gesamte Batterie zu wechseln. Zur Einordnung muss man aber wissen: Nur ein sehr geringer Teil der Hochvoltbatterien muss überhaupt je repariert werden. Das bewegt sich herstellerübergreifend wirklich im Promillebereich. Die Lebensdauer der Batterien ist hoch: Im Durchschnitt verliert ein Akku etwa 1 bis 2 Prozent seiner Leistungsfähigkeit pro Jahr, sodass dem Fahrzeugbesitzer nach zehn Jahren noch deutlich über 80 Prozent Kapazität zur Verfügung stehen. Die maximale Reichweite, die in der Regel kaum eine Rolle spielt, wird über die Lebensdauer nur minimal eingeschränkt und reicht auch im fortgeschrittenen Lebenszyklus für den normalen Alltagseinsatz mehr als aus.
asp: Welche Auswirkungen hat die Elektromobilität auf den Service- und Wartungsumsatz bei MG?
R. Rudat: Wir stellen schon fest, dass sich die Umsatzstruktur verschiebt. Klassische Verbrenner-Serviceleistungen wie Ölwechsel oder Zündkerzen entfallen, was 30 bis 50 Prozent der bisherigen Serviceumsätze betrifft. Gleichzeitig entstehen aber neue Umsatzfelder, was unter anderem dem höheren Wartungsaufwand von Fahrwerk und Achsen durch Gewicht und Drehmoment von E-Fahrzeugen geschuldet ist. Der Reifenverschleiß bei Elektrofahrzeugen ist etwas höher und damit die Umsätze beim Reifenwechsel. Hinzu kommen neue Services wie Batterie-Tests oder Diagnosen für Hochvolt-Systeme. Unterm Strich sinken die klassischen Serviceumsätze leicht, die Gesamterlöse bleiben jedoch stabil, da sich die Nachfrage auf neue Maintenance-Leistungen verlagert.