Der asp-Werkstattclub powered by TÜV SÜD in der Motorworld Region Stuttgart hat am vergangenen Donnerstag die Zukunft zum Thema gemacht. Die Veranstaltung stand unter dem Motto: "Jetzt die richtigen Knöpfe drücken – so richten Sie Ihr Werkstattgeschäft für die Zukunft aus."
Moderne Fahrzeuge werden immer komplexer: Elektromobilität, digitale Assistenzsysteme, vernetzte Steuergeräte und neue Diagnoseanforderungen verändern den Werkstattalltag grundlegend. Werkstätten müssen sich auf Hochvolttechnik, Software-Updates, neue Sensorik und digitale Fehlerdiagnosen einstellen, ohne das heutige Kerngeschäft zu vernachlässigen.
Einen komprimierten Crashkurs in Sachen Zukunftsfähigkeit gab Carsten Komann, Technischer Produkttrainer bei Bosch. Komann ist vielen in der Branche aus dem Videokanal der Bosch-Werkstattwelt bekannt, wo er regelmäßig technische Themen erklärt.
Außerdem zeigte Ralph Sander, Vertriebsleiter Marktgebiet Stuttgart, TÜV SÜD, wie freie Betriebe das Schadenmanagement professionell und rechtssicher aufstellen. Dazu gehören auch sinnvolle Lösungen für das oft vernachlässigte Thema Arbeitssicherheit.
Mehrmarkentester reicht nicht
Bosch-Experte Komann bot in seiner Präsentation einige handfeste Ratschläge, wie Werkstätten sich auf die neuen Herausforderungen durch E-Mobilität und softwaredefinierten Fahrzeugen vorbereiten, ohne das angestammte Geschäft mit Verbrennern zu vernachlässigen. Komanns wichtigste Botschaft: "Investieren Sie in Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter! Das Know-how ist für mich der entscheidende Punkt, um auch noch in Zukunft up to date zu sein."
asp-Werkstattclub in Stuttgart 2026
Komann bezeichnete es als Damoklesschwert, dass in vielen gut ausgelasteten Werkstätten häufig zu wenig gut ausgebildetes Personal arbeite. Oft bleibe nicht die Zeit, für die dringenden Weiterbildungen. Er warnte weiter davor, sich ausschließlich auf das angestammte Geschäft zu konzentrieren: "Das wäre rückwärts gedacht." Seine Empfehlung zielte auf Kooperation, beispielsweise auch innerhalb eines starken Werkstattkonzeptes wie Bosch Car Service.
Zukunftsfähigkeit einer Werkstatt messe sich aber nicht nur am Know-how der Mitarbeiter, sondern erfordre auch ein Mindestmaß an Investitionen in das passende Equipment: "Ein Mehrmarkentester reicht heute für eine freie Werkstatt nicht mehrt aus", so Komann mit Blick auf die weitgehenden Sicherheitsanforderungen der Fahrzeughersteller für bestimmte Reparaturarbeiten.
Immer mehr Bauteile müssen heute über das OE-Portal erst freigeschaltet oder angelernt werden. Als Lösungsansatz empfahl er den Remote-Service, den heute viele Anbieter den Werkstätten zur Verfügung stellen, um genau diese Arbeiten zu ermöglichen. "Dazu ist die Akkreditierung im Rahmen von SERMA ist daher dringend notwendig."
Schadenmanagement – Versicherer gehen in Regress
Auch im Schadengeschäft ist derzeit viel in Bewegung. Bei der Regulierung von Haftpflichtschäden achten die Versicherer zunehmend auf die Kosten. Derzeit verschicken sie in großem Maße Regressforderungen an Werkstätten, die einen Haftpflichtschaden repariert haben. Darin fordern die Konzerne einen Teil der beglichenen Schadensumme zurück, wenn sie der Auffassung sind, dass bestimmte Posten in der Werkstattrechnung nicht gerechtfertigt seien.
Marcus Kaiser, Rechtsanwalt und CEO der Kanzlei K & K Rechtsanwälte, erläuterte: "Das heißt konkret: Bei uns ist die Regresswelle angelaufen. Wir beobachten, dass die großen Autohausgruppen als erste damit zu tun gehabt haben, eine Masse an Regressverfahren abzuwehren." Dieser Trend werde sich auf breiter Linie durchsetzen, glaubt Kaiser.
Schutzschild gegen Regressforderungen der Versicherer
Der Rechtsanwalt legte den Teilnehmern daher ans Herz, sich auf zwei wichtige Werkzeuge zu besinnen: "Es gibt zwei wirksame Schutzschilder gegen diese Regressforderungen. Das ist zum einen ein wasserdichtes Schadengutachten durch einen Sachverständigen. Das zweite wirksame Schutzschild ist der Werkstattauftrag selbst, sofern er korrekt formuliert ist."
Insbesondere müssten Kfz-Betriebe darauf achten, dass im Auftrag die kompletten Schadennebenkosten aufgeführt sind aber auch die Stundenverrechnungssätzen für Elektronik-, Lack- und Mechanikarbeiten.
BGH hat Stellenwert des Gutachtens gestärkt
Interessant: Der BGH hat den Stellenwert eines neutralen Gutachtens gestärkt und bestätigt, dass ein neutraler Gutachter die Schadensprognose am besten für die Werkstatt und für den Geschädigten erstellen könne.
Kaiser betonte: "Das Gutachten bildet die Grundlage der Reparatur. Wenn ein Gutachten vorgelegt wird, dann muss selbst das Autohaus oder die Werkstatt keine eigene Recherche vornehmen oder muss Prüfungen durchführen, ob das Gutachten richtig erstellt worden ist."
Noch nicht in der Praxis angekommen
Kaiser erklärte in diesem Zusammenhang erneut den Hintergrund der neuen Praxis im Schadenmanagement. "Obwohl die entscheidenden Urteile des Bundesgerichtshofes (BGH) zum Werkstattrisiko nun schon zwei Jahre zurückliegen, ist die neue Rechtsauffassung noch nicht im Werkstattalltag angekommen", glaubt er.
"Mit den Entscheidungen zum Werkstatt- und Sachverständigen-Risiko wollte der BGH vor allem den Unfallgeschädigten stärken", erklärte Kaiser. Der Grundsatz, dass der Geschädigte darauf vertrauen dürfe, dass seine Werkstattrechnung vom Unfallverursacher in voller Höhe erstattet wird, wurde von den Richtern bestätigt und erweitert. Allerdings erfolge dies bei gleichzeitiger Abtretung möglicher Regress-Ansprüche des Kunden gegen die Werkstatt an die Versicherung. Diese könne ihrerseits Forderungen an die Werkstatt stellen. Kaiser erklärte zudem, warum die bislang gewohnte Abtretungserklärung besser durch eine Zahlungsanweisung ersetzt werden sollte.
Spannender Praxistalk
Wie es konkret aussehen kann, wenn sich Kfz-Betriebe bewusst auf die Zukunft einlassen, konnte man im Praxistalk sehen. Einen Blick in ihre erfolgreiche Praxis gewährten Bettina Schmauder, Kaufmännische Leitung, Schmauder & Rau, sowie Oliver Stieber, Geschäftsführer im Autohaus Stieber, in der von asp-Chefredakteur Dietmar Winkler moderierten Gesprächsrunde.
Schmauder empfahl, dass man sich eigentlich ständig kontinuierlich selbst hinterfragen müsse: "Habe ich denn noch ein Geschäftsmodell, das aktuell und auch in der Zukunft funktioniert. Und wo muss ich rechtzeitig die Stellschrauben richtig drehen. Und dazu gehört eine top-ausgebildete Mannschaft. Das heißt konkret: Ich muss in die Ausbildung investieren." Jeder Betrieb brauche eine Idee, wie er künftig die Kunden an sich binden will – sei es durch die Konzentration auf ein spezielles Feld oder im Rahmen eines Komplettangebotes.
Schmauder & Rau hat sich nach ihren Worten bereits vor ein paar Jahren Gedanken darüber gemacht und beschlossen, weiterhin möglichst breit aufgestellt zu sein. "Als freie Werkstatt machen wir eigentlich fast alles", so Schmauder. Seit der Übernahme eines Ford-Servicebetriebs habe man nun auch Einblick in die Welt der Merke bekommen. Seit kurzem ist Schmauder& Rau zudem auch ein Bosch Car Service-Betrieb.
Stieber erklärte, warum es in seinem Betrieb heute schon Normalität ist, auch Elektrofahrzeuge zu reparieren. "Für mich war nie die Frage, will ich das machen oder nicht, sondern wir machen das ganz einfach. Es gibt keinen Grund, warum wir es nicht machen sollen", ist Stieber überzeugt.
Der asp-Werkstattclub powered by TÜV SÜD bietet eine spannende Mischung aus Expertenwissen, Praxistalk und den fachlichen Austausch mit Ihren Kollegen in besonderer Atmosphäre.