"Aus unserer Sicht ist Verpackung im Independent Aftermarket (IAM) kein Nebenthema, sondern ein zentraler wirtschaftlicher Faktor entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Teilehersteller bis zur Werkstatt", sagt Dino Konrad, Geschäftsführer der Konrad GmbH in Geretsried. Der Teilehandel hat erkannt, dass Verpackungen unmittelbare Auswirkungen auf Qualität und die Häufigkeit von Reklamationen haben - wenn es etwa zu Transportschäden, Feuchtigkeitsschäden oder Verschmutzungen kommt. Gleichzeitig hat die Verpackung einen maßgeblichen Anteil an den Kosten entlang der Lieferkette, abhängig von Volumen, Handling, Entsorgung und Retouren.
Auch in der Werkstatt muss eine Verpackung "funktionieren": "Relevant sind insbesondere Auspackaufwand, Müllaufkommen und die Trennbarkeit der Materialien, da sie direkt mit Kosten verbunden sind", so Konrad. Zu beachten sind darüber hinaus immer mehr regulatorische Anforderungen, die Hersteller und Handel, aber auch Werkstätten in die Pflicht nehmen. Nachhaltigkeitsaspekte wie Recyclingfähigkeit, Materialmix und Datenverfügbarkeit gewinnen bei der Verpackung zunehmend an Bedeutung.
Vor diesem Hintergrund verfolgen immer mehr Teilehändler wie beispielsweise LKQ DACH, sogenannte End-to-End-Ansätze, die den gesamten Lebenszyklus der Verpackung vom Produktionsort über Hersteller und Großhandel bis zur Werkstatt, dem Einbau und der Entsorgung einbeziehen.
Parallel dazu haben viele Teile- und Werkstattchemie-Hersteller in den vergangenen Jahren Fortschritte erzielt, insbesondere bei Recyclingfähigkeit und Materialauswahl. Im Tagesgeschäft zeigen sich typische Maßnahmen wie der verstärkte Einsatz papierbasierter Lösungen anstelle von Verbund- und Mischmaterialien, die Einführung von Mehrweg-Gebindesystemen sowie der Einsatz besser recycelbarer oder recycelter Kunststoffe bei gleichzeitig reduzierter Materialstärke.
Recycelter Kunststoff
So werden beispielsweise bei Tunap in Wolfratshausen bereits seit einiger Zeit Dosenkappen aus recyceltem Kunststoff, Recyclingverpackungen und Mehrwegdosen verwendet. Ergänzend erfolgt eine Optimierung der Transportverpackung, etwa durch papierbasierte Wickel- und Umreifungslösungen im Palettenbereich. "Der wirtschaftliche Nutzen dieser Maßnahmen entfaltet sich insbesondere dann, wenn Verpackungen sortenrein und datenmäßig eindeutig gekennzeichnet sind", betont Konrad. Dadurch lassen sich Entsorgungs- und Prozesskosten entlang der Lieferkette senken, während gleichzeitig die Akzeptanz in den Werkstätten steigt. Als zentraler Hebel erweist sich dabei weniger der Einsatz komplexer Hightech-Materialien als vielmehr die konsequente Standardisierung, Reduktion und saubere Trennfähigkeit.
Ergänzend zeigen Nachhaltigkeitsprojekte, unter anderem vom Bremskomponentenhersteller TMD, dass der Austausch von Logistik- und Dispositionsdaten wichtig ist. Voraussetzung sind verlässliche Verpackungsdaten in den Artikelstammdaten. Werkstätten benötigen klare Angaben zu Material, Recyclingfähigkeit und Trennhinweisen, um Verpackungsmüll fachgerecht entsorgen zu können. Auch Schulungen haben sich in der Praxis als deutlich effektiver erwiesen als isolierte Einzelmaßnahmen.
Nachhaltige Verpackungslösungen und technische Schutzanforderungen
Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass nachhaltige Verpackungslösungen und technische Schutzanforderungen grundsätzlich vereinbar sind. Wasserschutz kann etwa durch konstruktive Lösungen wie Passform und Verschlusssysteme, geeignete Beschichtungen oder Barrieren sowie sachgerechte Palettierung sichergestellt werden, ohne auf problematische Materialien zurückgreifen zu müssen.
Während bei Elektronik und Steuergeräten insbesondere ESD-Schutz und Feuchtigkeitsresistenz spezielle Lösungen wie definierte Beutel oder Einleger erfordern, steht bei Karosserie- und Glasteilen der mechanische Schutz durch Formteile, Kantenschutz und Fixierung im Vordergrund. Bei Flüssigkeiten und Chemieprodukten sind hingegen Dichtheit sowie Gefahrgut- und ADR-Konformität entscheidend, sodass Materialreduktion hier nicht dogmatisch umgesetzt werden darf.
- Ausgabe 5/2026 Seite 040 (643.8 KB, PDF)