LKQ: Viel Hülle, wenig Gewinn

04.06.2026 08:01 Uhr | Lesezeit: 2 min
LKQ
Bei LKQ werden lose Ersatzteile in Transportboxen an die Werkstätten ausgeliefert.
© Foto: LKQ

Bei der Verpackung von Ersatzteilen sind recyclingfähige Materialien, Standardisierung und Mehrwegsysteme zunehmend wichtig. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern bringt auch erhebliche Kosteneinsparungen.

"Aus unserer Sicht ist Verpackung im Independent Aftermarket (IAM) kein Nebenthema, sondern ein zentraler wirtschaftlicher Faktor entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Teilehersteller bis zur Werkstatt", sagt Dino Konrad, Geschäftsführer der Konrad GmbH in Geretsried. Der Teilehandel hat erkannt, dass Verpackungen unmittelbare Auswirkungen auf Qualität und die Häufigkeit von Reklamationen haben - wenn es etwa zu Transportschäden, Feuchtigkeitsschäden oder Verschmutzungen kommt. Gleichzeitig hat die Verpackung einen maßgeblichen Anteil an den Kosten entlang der Lieferkette, abhängig von Volumen, Handling, Entsorgung und Retouren.

Auch in der Werkstatt muss eine Verpackung "funktionieren": "Relevant sind insbesondere Auspackaufwand, Müllaufkommen und die Trennbarkeit der Materialien, da sie direkt mit Kosten verbunden sind", so Konrad. Zu beachten sind darüber hinaus immer mehr regulatorische Anforderungen, die Hersteller und Handel, aber auch Werkstätten in die Pflicht nehmen. Nachhaltigkeitsaspekte wie Recyclingfähigkeit, Materialmix und Datenverfügbarkeit gewinnen bei der Verpackung zunehmend an Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund verfolgen immer mehr Teilehändler wie beispielsweise LKQ DACH, sogenannte End-to-End-Ansätze, die den gesamten Lebenszyklus der Verpackung vom Produktionsort über Hersteller und Großhandel bis zur Werkstatt, dem Einbau und der Entsorgung einbeziehen.

Parallel dazu haben viele Teile- und Werkstattchemie-Hersteller in den vergangenen Jahren Fortschritte erzielt, insbesondere bei Recyclingfähigkeit und Materialauswahl. Im Tagesgeschäft zeigen sich typische Maßnahmen wie der verstärkte Einsatz papierbasierter Lösungen anstelle von Verbund- und Mischmaterialien, die Einführung von Mehrweg-Gebindesystemen sowie der Einsatz besser recycelbarer oder recycelter Kunststoffe bei gleichzeitig reduzierter Materialstärke.

Recycelter Kunststoff

So werden beispielsweise bei Tunap in Wolfratshausen bereits seit einiger Zeit Dosenkappen aus recyceltem Kunststoff, Recyclingverpackungen und Mehrwegdosen verwendet. Ergänzend erfolgt eine Optimierung der Transportverpackung, etwa durch papierbasierte Wickel- und Umreifungslösungen im Palettenbereich. "Der wirtschaftliche Nutzen dieser Maßnahmen entfaltet sich insbesondere dann, wenn Verpackungen sortenrein und datenmäßig eindeutig gekennzeichnet sind", betont Konrad. Dadurch lassen sich Entsorgungs- und Prozesskosten entlang der Lieferkette senken, während gleichzeitig die Akzeptanz in den Werkstätten steigt. Als zentraler Hebel erweist sich dabei weniger der Einsatz komplexer Hightech-Materialien als vielmehr die konsequente Standardisierung, Reduktion und saubere Trennfähigkeit.

Ergänzend zeigen Nachhaltigkeitsprojekte, unter anderem vom Bremskomponentenhersteller TMD, dass der Austausch von Logistik- und Dispositionsdaten wichtig ist. Voraussetzung sind verlässliche Verpackungsdaten in den Artikelstammdaten. Werkstätten benötigen klare Angaben zu Material, Recyclingfähigkeit und Trennhinweisen, um Verpackungsmüll fachgerecht entsorgen zu können. Auch Schulungen haben sich in der Praxis als deutlich effektiver erwiesen als isolierte Einzelmaßnahmen.

Nachhaltige Verpackungslösungen und technische Schutzanforderungen

Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass nachhaltige Verpackungslösungen und technische Schutzanforderungen grundsätzlich vereinbar sind. Wasserschutz kann etwa durch konstruktive Lösungen wie Passform und Verschlusssysteme, geeignete Beschichtungen oder Barrieren sowie sachgerechte Palettierung sichergestellt werden, ohne auf problematische Materialien zurückgreifen zu müssen.

Während bei Elektronik und Steuergeräten insbesondere ESD-Schutz und Feuchtigkeitsresistenz spezielle Lösungen wie definierte Beutel oder Einleger erfordern, steht bei Karosserie- und Glasteilen der mechanische Schutz durch Formteile, Kantenschutz und Fixierung im Vordergrund. Bei Flüssigkeiten und Chemieprodukten sind hingegen Dichtheit sowie Gefahrgut- und ADR-Konformität entscheidend, sodass Materialreduktion hier nicht dogmatisch umgesetzt werden darf.


Checkliste: Die richtige Verpackung

Karton:
Passt die Größe des Kartons zum Versandgut? Fünf Zentimeter Platz genügen für Polstermaterial, damit der Versandgegenstand keinen Bewegungsspielraum hat.
Füllmaterial:
Leichte und empfindliche Gegenstände können mit recycelbarer Luftpolsterfolie bzw. Luftbeutel geschützt werden. Wellpappe ist ideal für unzerbrechliche Ware. Schwere Gegenstände lassen sich mit maschinell geknautschtem Kraftpapier schützen.
Sammelboxen:
Können mehrere Gegenstände in einer Verpackung transportiert werden, sollte das genutzt werden. Sammelboxen können hier durchaus eine Alternative sein.
Mehrweg:
Besteht die Möglichkeit, Verpackungen mehrfach zu nutzen, sollten sie zerstörungsfrei geöffnet werden.
Trennen:
Verpackungsmaterialien sind nach Materialien gesondert zu entsorgen und möglichst immer dem Recycling zuzuführen.


Mehrweg statt Einweg

Friedhelm Glormann, COO beim Großhandelsunternehmen LKQ DACH bestätigt: "Für den internen Versand vom Logistikzentrum in die Verkaufshäuser nutzen wir ausschließlich Mehrwegverpackungen. Dazu zählen Kunststoffboxen, Kunststoffgroßgebinde, Metallgitterboxen sowie Europaletten. Sämtliche Verpackungen werden zurückgeführt und wiederverwendet."

Mehrwegverpackungen gewinnen weiter an Bedeutung, sind jedoch nicht in allen Warengruppen gleichermaßen etabliert. Sinnvoll sind sie dort, wo standardisierte Gebinde, hohe Wiederholraten und funktionierende Rücklaufprozesse vorliegen - etwa im Bereich Schmierstoffe und Chemieprodukte, insbesondere in Form von Nachfüllsystemen.

Pfand- und Rücknahmesysteme sind in einigen Bereichen bereits etabliert (Gase oder Batterien). Ein weiterer wichtiger Aspekt sei die Aufklärungsarbeit bei den Werkstätten, glaubt Konrad. Gute Erfahrung habe man mit Hersteller- und Handelsschulungen gemacht, wenn Recycling- und Umweltmodule integriert sind. Eine hohe Datenqualität seitens der Hersteller ist eine grundlegende Voraussetzung, da ohne verlässliche Angaben zu Material, Trennbarkeit und Recyclingfähigkeit keine effektive Steuerung möglich ist.

Wenn es gelingt, unnötige Retouren zu vermeiden, hilft dies der Umwelt. Bei branchenüblichen Retourenquoten von etwa fünf bis 15 Prozent verursachen Rücksendungen unnötigen Verpackungsmüll, Transport- und Handlingsaufwand sowie Kapitalbindung. Abhilfe schaffen eindeutige Datensätze, optimierte Disposition sowie bessere Identifikation von Fahrzeug und benötigtem Teil auf Bestellerseite.


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