Bei Autobatterien gibt es bereits etablierte Rücknahmesysteme, die den Werkstätten eine Zusatzeinnahme bescheren. Denn die Energiespeicher lassen sich zu nahezu 100 Prozent recyceln und das enthaltene Blei kann wieder zur Batterieproduktion eingesetzt werden.
Zusätzliche Einnahmequelle
Ganz anders sieht es bei Zündkerzen aus, die bislang im Mischschrott landeten, obwohl sie wertvolle Edelmetalle enthalten. Das Unternehmen "Catalyst Recycling Partner", kurz CRP, möchte das ändern und hat sich auf das Recycling von Zündkerzen spezialisiert. Daneben bietet man auch das Recycling von Katalysatoren an und nimmt auch Starterbatterien an, sofern vom Kunden gewünscht.
Das Rücknahmesystem ist dabei sehr einfach gehalten: Werkstätten können bei der CRP GmbH kostenlos einen Sammelkarton mit zwei PVC-Beuteln anfordern, worin sie die Zündkerzen und auch Lambda- sowie NOx-Sensoren sammeln können. Wenn der Sammelkarton mit mindestens 15 Kilogramm gefüllt ist (idealerweise zischen 20 und 30 Kilogramm), können sie das Paket mithilfe eines Retourenlabels an die CRP GmbH zurücksenden. "Wir sortieren anschließend die nicht edelmetallhaltigen Zündkerzen aus und rechnen ab", erklärt CRP-Geschäftsführer Oliver Heeger. In der Regel liegt die Vergütung für ein Paket zwischen 50 und 70 Euro, je nach Gewicht und Menge der edelmetallhaltigen Zündkerzen. So erzielen Werkstätten eine zusätzliche Einnahmequelle. "Nicht zu vergessen ist dabei auch die Nachhaltigkeit - die aus Zündkerzen zurückgewonnenen Edelmetalle brauchen beispielsweise nicht aus Südafrika importiert werden", so Heeger.
asp: Herr Heeger, wann wurde die CRP GmbH gegründet? Und wie kam es überhaupt zu der Geschäftsidee, Zündkerzen zu recyceln?
O. Heeger: Ich komme ursprünglich aus dem Bereich Groß- und Industriemotoren. Dort stellte sich schon früh die Frage: Was passiert mit ausgedienten Katalysatoren? Gemeinsam mit einem Dienstleister entwickelten wir ein Verfahren, die Edelmetalle aus den Industriekatalysatoren zurückzugewinnen. 2016 gründeten mein Geschäftspartner Matthias Janz und ich dafür das Unternehmen Catalyst Recycling Partner, kurz CRP. Später kam die Idee, Iridium-, Platin- und Rhodium-haltige Zündkerzen aus dem Industrie- und später dem Pkw-Bereich ebenfalls zu recyceln. Der Einstieg war schwierig, weil kaum jemand glaubte, dass sich das lohnt. Heute bearbeiten wir im Pkw-Bereich über eine Million Zündkerzen pro Jahr.
asp: Wie genau läuft das Recyclingverfahren bei Ihnen ab?
O. Heeger: Wir sammeln, bündeln und sortieren die Zündkerzen vor. Die edelmetallhaltigen Zündkerzen werden zunächst vom Rest getrennt, die Elektroden abgelöst und gesammelt. Die Aufbereitung selbst übernimmt ein spezialisierter Dienstleister. Die Elektroden werden zunächst in Königswasser, einer Mischung aus Salz- und Salpetersäure, gelöst und die Metalle anschließend eingeschmolzen. Der daraus entstehende Barren wird analysiert, um den genauen Edelmetallgehalt zu bestimmen. Ein Teil der zurückgewonnenen Edelmetalle wird wieder für die Produktion von neuen Zündkerzen eingesetzt.
asp: Welche Edelmetalle lassen sich aus Zündkerzen konkret zurückgewinnen?
O. Heeger: Vor allem Platin, Iridium, Rhodium und Ruthenium. Standard-Kupfer-Nickel-Kerzen enthalten nichts Wertvolles, ebenso wie
Glühkerzen aus Dieselfahrzeugen. Sie werden aussortiert. Bei hochwertigen Zündkerzen erkennt man die feine Edelmetallspitze an der Elektrode sehr gut.
Das Beste sitzt in der Elektrode
Nur die edelmetallhaltigen Zündkerzen lassen sich anschließend recyceln. Denn nicht jede Zündkerze enthält Edelmetalle zum Recycling, Standard-Kupfer-Nickel-Kerzen enthalten hingegen keine wertvollen Rohstoffe, ebenso sind Glühkerzen nicht geeignet. Die entsprechenden Zündkerzen lassen sich jedoch erkennen, da die Elektrode hier besonders fein ausgeführt ist. Die Elektroden werden dann abgelöst und wiederum gesammelt.
Die Aufbereitung selbst übernimmt laut der CRP GmbH ein spezialisierter Dienstleister. Um an die begehrten Edelmetalle zu gelangen, werden die Elektroden zunächst in Königswasser, einer Mischung aus Salz- und Salpetersäure, gelöst. Anschließend werden die Metalle wieder eingeschmolzen. Das Ausgangsprodukt ist ein Barren, der vom Dienstleister analysiert wird, um den genauen Edelmetallgehalt zu bestimmen und der CRP GmbH zu vergüten. Zu den recycelbaren Edelmetallen gehören vor allem Platin, Iridium, Rhodium und Ruthenium. Ein Teil der zurückgewonnenen Edelmetalle wird nun wieder für die Produktion von neuen Zündkerzen oder anderen Produkten eingesetzt.
Stetiges Wachstum
Neben den Zündkerzen kann die CRP GmbH auch Katalysatoren recyceln, da auch diese wertvolle Edelmetalle enthalten. Im Gegensatz zu Zündkerzen werden Katalysatoren aber anders abgerechnet. "Hier kommt es sehr stark auf den Typ an. Wir prüfen die Ersatzteilnummer, denn die Werte variieren je nach Modell und Edelmetallgehalt. Katalysatoren werden ebenfalls gesammelt, vermalen und analysiert", sagt Heeger. SCR-Systeme hingegen enthalten meist keine Edelmetalle und werden daher nicht vergütet.
Laut eigenen Angaben betreut die CRP GmbH bereits rund 4.500 Werkstätten in Deutschland und wächst aktuell stark über Mundpropaganda. "Wichtig ist, dass wir die Mengen an Recyclingmaterial auch bearbeiten können. Daher stellen wir kontinuierlich neue Mitarbeiter ein und skalieren die Prozesse Schritt für Schritt", erklärt der Geschäftsführer. Eine aggressive Vertriebsoffensive wäre daher eher schädlich und würde die Kapazitäten sprengen. "Bei uns steht die Kundenzufriedenheit an erster Stelle", so Heeger abschließend.