Trotz schwacher Konjunktur und anhaltender Unsicherheiten bleibt die Berner Group auf Wachstumskurs. Der B2B-Spezialist verteidigte im Geschäftsjahr 2025/26 mit rund 1,1 Milliarden Euro seinen Umsatz, gewann Marktanteile hinzu und steigerte die Profitabilität.
Während viele Unternehmen derzeit Kosten senken und Investitionen zurückstellen, setzt Berner nach eigenen Angaben bewusst auf Expansion. Dazu zählen Investitionen in Vertrieb, Logistik, internationale Beschaffungsstrukturen und eigene Produkte.
"Wer erst investiert, wenn die Konjunktur wieder voll anspringt, kommt oft zu spät", sagte Peter Schmidt, der als CEO das Kerngeschäft Omnichannel Trading Holding mit den Marken Berner und BTI by Berner verantwortet, am Mittwoch. "Wir nutzen die momentane Marktschwäche gezielt, um unsere Wettbewerbsposition nachhaltig zu stärken und die Basis für die nächste Wachstumsphase zu legen. Unsere finanzielle Stabilität gibt uns die Freiheit, unabhängig zu handeln und diese Entscheidungen aus eigener Kraft umzusetzen."
Kundennähe als Wachstumstreiber
Nach Firmenangaben konnte die Gruppe über alle Divisionen hinweg neue Kunden gewinnen sowie frühere Kunden zurückholen. Besonders stark entwickelten sich die Märkte in Iberia (plus acht Prozent) sowie die Region Tschechien/Slowakei (plus sieben Prozent). Auch im Geschäft mit Großkunden verzeichnete Berner in mehreren Ländern zweistellige Wachstumsraten.
"Gerade in unsicheren Zeiten sind Verbindlichkeit, Geschwindigkeit und Kundennähe entscheidend", betonte Schmidt. "Unser Geschäftsmodell basiert darauf, genau zu verstehen, was unsere Kunden brauchen und ihnen zuverlässig die passenden Lösungen zu liefern."
Lieferketten und Vertrieb im Fokus
Zur Absicherung des Geschäfts investierte der Werkstattausrüster im vergangenen Geschäftsjahr allein fünf Millionen Euro in die Modernisierung des Lieferzentrums am Stammsitz in Künzelsau. Zudem wurden neue Beschaffungsstandorte in der Türkei, Indien und Hongkong aufgebaut.
Gleichzeitig stärkte der Anbieter seinen Außendienst und setzt zunehmend auf KI-Unterstützung im Vertrieb. Auch die alternativen Vertriebskanäle legten zu: Die stationären Depots steigerten ihren Umsatz um sieben Prozent, ebenso der deutsche E-Commerce.
Eigentümer fordert Reformen
Trotz der positiven Entwicklung sieht Inhaber Christian Berner die Politik in der Pflicht: "Wir können sehr stolz auf das sein, was wir als Team gemeinsam erreicht haben. Gerade unter den aktuellen Rahmenbedingungen sind diese Erfolge nicht selbstverständlich", erklärte Berner. Als Hürden nannte er "zu viel Bürokratie, zu hohe Kostenbelastungen, zu oft fehlende Planungssicherheit und zu wenig Mut der politischen Mandatsträger, dringend benötigte Reform anzupacken (…)." Diese würden das Wachstum in Europa spürbar bremsen.
Berner ist auf Befestigungs- und Montagetechnik für das Bau- und Metallhandwerk sowie für das Kfz-Handwerk spezialisiert.