Die Elektromobilität verändert das Werkstattgeschäft schneller als viele Betriebe bislang erwartet haben. Point S sieht den freien Servicemarkt deshalb unter Zugzwang: Qualifizierung, Investitionen in neue Technik und der Umgang mit Fahrerassistenzsystemen (ADAS) werden nach Einschätzung des internationalen Reifenhandel- und Autoservice-Netzwerks zu entscheidenden Erfolgsfaktoren.
Anlässlich des Shanghai E-Prix Anfang Juli positionierte sich Point S als offizieller Partner des Citroën Racing Formula-E-Teams und nutzte die Bühne, um auf die Folgen der globalen Elektrifizierung für den Aftermarket hinzuweisen. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wurden 2025 weltweit erstmals mehr als 20 Millionen Elektrofahrzeuge verkauft. Bereits jedes fünfte neu zugelassene Fahrzeug fährt elektrisch.
Für freie Werkstätten bedeutet diese Entwicklung einen tiefgreifenden Wandel. Elektrofahrzeuge, digitale Systeme und zunehmende Vernetzung erfordern neue Kompetenzen, zusätzliche Ausrüstung und kontinuierliche Weiterbildung. Besonders in Europa gewinnt das Thema an Dynamik: Hier stieg der Absatz von Elektroautos 2025 um mehr als 30 Prozent auf 4,2 Millionen Einheiten. Ihr Marktanteil lag damit bereits bei 28 Prozent.
"Die Parallelen zwischen einem Formula-E-Team und einer modernen freien Werkstatt sind größer, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Ein Spitzenteam konzentriert sich nicht nur auf das Fahrzeug, das es heute einsetzt. Es antizipiert die Technologien, mit denen es morgen arbeiten wird, investiert kontinuierlich in die dafür erforderlichen Kompetenzen und die passende Ausrüstung und schafft eine Kultur der Präzision und Anpassungsfähigkeit, die sein gesamtes Handeln prägt", veranschaulichte Fabien Bouquet, CEO von Point S International. "Genau das erwarten wir von unserem Netzwerk – und genau das setzen die erfolgreichsten Point-S-Partner bereits heute um."
ADAS wird zum Ertragsfeld
Neben der Elektrifizierung rücken Fahrerassistenzsysteme zunehmend in den Fokus. Moderne Fahrzeuge verfügen über Kameras, Radar- und Sensorsysteme, die nach vielen Reparatur- und Wartungsarbeiten neu kalibriert werden müssen. Selbst ein Scheibentausch oder eine Achsvermessung kann heute eine ADAS-Kalibrierung erforderlich machen.
Nach Einschätzung von Point S entwickelt sich dieser Bereich zu einem wichtigen Geschäftsfeld. Werkstätten ohne entsprechendes Know-how drohten Aufträge zu verlieren, während qualifizierte Betriebe neue Umsatzpotenziale erschließen könnten.
Netzwerk setzt auf Weiterbildung
Um seine Partner auf die Veränderungen vorzubereiten, investiert Point S nach eigenen Angaben gezielt in Aus- und Weiterbildung. Dazu zählt unter anderem der "Next Generation Campus", bei dem junge Führungskräfte aus den Familienunternehmen des Netzwerks zu Zukunftsthemen der Branche geschult werden.
Parallel verfolgt die Organisation das Ziel, Europas größtes qualifiziertes und zertifiziertes Servicenetz für Elektrofahrzeuge aufzubauen. Bereits heute verfügt Point S über ein europaweites Schulungsprogramm für E-Fahrzeuge und stützt sich auf rund 1.000 entsprechend ausgestattete Service- und Verkaufsstandorte. Mittelfristig soll diese Zahl verdreifacht werden.
"Stillstand ist keine Option"
Bouquet zog einen weiteren Vergleich mit der Motorsportserie Formula E: "Ein Team, das sich nicht kontinuierlich an den Rennverlauf anpasst, wird das Rennen nicht beenden – geschweige denn gewinnen. Dieselbe Disziplin ist auch für freie Werkstätten entscheidend, die sich in einem Markt behaupten müssen, in dem die Definition einer Routinewartung durch Elektrifizierung, die zunehmende Komplexität von Fahrerassistenzsystemen (ADAS) und die immer schnellere technologische Entwicklung von Fahrzeugen grundlegend verändert wird. Stillstand ist in beiden Welten keine Option."
Point S wurde 1971 gegründet und gilt als weltgrößtes unabhängige Kfz-Servicenetzwerk. Mit weltweit 3.150 Mitgliedern und über 7.244 Verkaufsstellen ist das Unternehmen in 54 Ländern vertreten und beschäftigt mehr als 33.500 Mitarbeitende.