"Wir bewegen uns derzeit zwischen Hoffen und Bangen", so beschrieb ASA-Präsident Frank Beaujean zum Auftakt der ASA-Jahrespressekonferenz in Marktheidenfeld die aktuelle Situation der Werkstattausrüster. Besonders die aktuellen geopolitischen Unsicherheiten machten den Mitgliedsunternehmen derzeit zu schaffen. Dabei war man relativ hoffnungsvoll in das neue Jahr gegangen, wie die letzte Umfrage des Verbandes Ende 2025 unter den Mitgliedern ergab.
Diese zeigte ein vergleichsweise positives Bild der Branche. Eine deutliche Mehrheit der zum Jahresende befragten Mitgliedsunternehmen zeigte sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Jahres 2025 zufrieden. Rund zwei Drittel der Umfrageteilnehmer bewerteten ihr Geschäftsjahr positiv. "Gerade zum Jahresende zogen die Investitionen noch einmal spürbar an, was vermutlich auch mit steuerlichen Aspekten der investierenden Werkstattunternehmer zu erklären ist," sagt Frank Beaujean.
Auch der Blick nach vorn war im November von Zuversicht geprägt: Eine klare Mehrheit der Unternehmen erwartete für das Jahr 2026 eine stabile oder verbesserte wirtschaftliche Entwicklung. Seitdem habe sich aber einiges verändert. "Viele Unternehmen formulieren ihre Erwartungen inzwischen vorsichtiger. Die geopolitische Lage hat sich in den letzten Monaten spürbar verändert", sagte Beaujean mit Blick auf die militärischen Eskalationen im Nahen Osten und die damit verbundenen Auswirkungen auf Energiepreise und internationale Lieferketten.
Vorsichtige Verbraucher
Steigende Energiepreise und wirtschaftliche Unsicherheiten sowie Angst vor Jobverlusten wirken sich auch auf Endverbraucher aus: Das merkten allmählich auch in Werkstätten und Autohäuser. "Es wird offenbar nur noch das Nötigste repariert. Wenn im Mittelstand gut bezahlte Jobs verloren gehen, sparen die Menschen bei der Mobilität", glaubt Beaujean. Rückläufige Werkstatt-Vorlaufzeiten für mechanische Werkstätten sowie K+L-Betriebe seien ein deutliches Indiz für weniger Service- und Reparaturaufträge. Das bleibe nicht ohne Auswirkung auf die Investitionen der Werkstätten: "Seit Januar 2026 kämpfen wir mit katastrophale Absatzzahlen", stellte Beaujean fest.
Unsichere Zollpolitik belastet exportorientierte Unternehmen
Zusätzliche Unsicherheit entsteht derzeit durch die wechselhafte Handelspolitik der Vereinigten Staaten. Wiederholte Ankündigungen neuer Strafzölle sowie kurzfristige Änderungen bei Importzöllen haben international für erhebliche Verunsicherung gesorgt. Das spüren auch ASA-Mitgliedsunternehmen, die im Exportgeschäft tätig und in internationale Lieferketten eingebunden sind. "Wenn Unternehmen nicht wissen, unter welchen Bedingungen sie ihre Produkte morgen exportieren oder Vorprodukte importieren können, wirkt sich das unmittelbar auf Investitionsentscheidungen aus."
Kaum regulatorische Investitionsimpulse im kommenden Jahr
Oftmals waren es in der Vergangenheit regulatorische Maßnahmen, die den Werkstattausrüstern zusätzliche Geschäfte bescherten. Investitionsimpulse durch neue gesetzliche Vorgaben sind in diesem und dem kommenden Jahr für die Werkstattausrüstungsbranche aber kaum zu erwarten.
"Für das kommende Jahr sehen wir solche Impulse jedoch kaum", sagt ASA-Präsident Frank Beaujean.
Auch die geplante Einführung neuer Abgasvorschriften bringt nach derzeitiger Einschätzung keine wesentlichen Veränderungen für die Werkstattausrüstung mit sich. Die Ausgestaltung des Leitfadens 7 zur Abgasuntersuchung (AU) wird voraussichtlich nur in begrenztem Umfang Auswirkungen auf die Ausstattung der Werkstätten haben. Mögliche Investitionen könnten sich allenfalls im Bereich elektronischer Prüftechnik für Elektrofahrzeuge ergeben. Diese werden künftig auch von der Abgasemissionsnorm Euro 7 erfasst. "Aus heutiger Sicht erwarten wir durch Euro 7 keine größeren zusätzlichen Anforderungen an die Werkstattausrüstung", so Beaujean.
PTI-Revision könnte neue Anforderungen bringen
Noch offen ist, welche Auswirkungen die geplante Überarbeitung der europäischen Richtlinie zur periodischen technischen Fahrzeugüberwachung haben wird. Europäische Kommission, EU-Rat und EU-Parlament arbeiten derzeit an einer Revision der Richtlinie 2014/45/EU zur Periodical Technical Inspection (PTI). Je nach Ausgestaltung könnten sich daraus künftig neue Anforderungen an Prüftechnik und Prüfverfahren ergeben. "Welche konkreten Veränderungen daraus für Werkstätten, Prüforganisationen und Hersteller von Prüftechnik resultieren, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen", konstatierte der ASA-Präsident.
Den von der Bundesregierung verabschiedeten Investitionsbooster habe man begrüßt. Damit werden unter anderem Ausrüstungsinvestitionen schon im ersten Jahr der Anschaffung mit einer beschleunigten Abschreibung von bis zu 30 Prozent des Anschaffungswertes begünstigt. "Für unserer Branche hätte das Programm eigentlich wie ein Sechser im Lotto wirken können". De facto wirke sich der Booster aber kaum aus:
Denn die Jahresendrally 2025 bei den Investitionen in Werkstattausrüstung hat sich in den ersten Wochen des Jahres 2026 nicht fortgesetzt.
Elektroautos für die Eliten
Vermutlich wirke auch der Fachkräftemangel in der Kfz-Branche wie eine Investitionsbremse. Viele Betriebe investieren nur dann in neue Technik oder zusätzliche Arbeitsplätze, wenn sie ausreichend qualifiziertes Personal finden können. Laut einer aktuellen Veröffentlichung bezeichnen über 50 Prozent der Befragten Kfz-Unternehmen den Fachkräftemangel in den kommenden drei Jahren als eine existenzielle Herausforderung für ihren Betrieb.
Als Hoffnungsschimmer erweise sich der schnelle technologische Wandel im Bereich Kfz-Technik. Dieser führe dazu, dass Werkstätten ihre technische Ausstattung kontinuierlich modernisieren und neuen Service- und Reparaturanforderungen anpassen müssen: Elektrifizierte Antriebe, neue Diagnosesysteme, veränderte Anforderungen an die Fahrzeug-Klimatisierung sowie steigende Anforderungen im Bereich Hochvolttechnik verändern die Arbeit in den Werkstätten nachhaltig. Damit wächst auch der Bedarf an moderner Prüftechnik und spezialisierter Werkstattausrüstung. Frank Beaujean: "Die entscheidende Frage ist weniger, ob investiert wird – sondern wann."