Mit euphorischen Worten eröffnete Jens Biermann, Vertriebsleiter DACH bei Hella, die Auftaktveranstaltung zum Wiedereinstieg in das Thermomanagement: "Wir sind wieder da. Für uns ist die Rückkehr ins Thermomanagement ein großer Schritt, aber ein freudiger Schritt zurück in die Zukunft." Nachdem man bis 2019 als Hella Behr Service die Klimaanlagenwartung und -reparatur im Aftermarket erfolgreich begleitete, musste man aus vertragsrechtllichen Gründen die Produkte damals abgeben.
Die letzten fünf Jahre nutzte Hella, um ein komplettes Setup rund um das Thermomanagement aufzubauen - obwohl die Rahmenbedingungen im Automotive-Markt alles andere als einfach sind, wie Marcel Wiedmann, Executive Vice President bei Hella, schilderte: "Die Automobilindustrie steckt in einer gigantischen Transformation. Auf der einen Seite Elektrifizierung, autonomes Fahren und steigende Komplexität in den Fahrzeugen, auf der anderen Seite sind aber auch alle Technologien der Vergangenheit noch aktiv. Und das müssen wir als Industrie entsprechend bespielen." In Deutschland mit starken OEM aus Europa groß geworden, will man sich jetzt globaler aufstellen und auch neue Hersteller aus China und USA gewinnen. "Das hilft uns auch im Aftermarket, da immer mehr dieser Fahrzeuge nach Europa kommen", sagt Wiedmann.
Temperaturströme steuern
Neben dem Bereich Thermomanagement will Hella auch in den anderen Produktgruppen wie Elektronik oder Licht die Marktabdeckung ausbauen. Noel Caillat, Vice President Global Product Management, ging auf das Portfolio im Bereich Thermomanagement ein: "Zum Wiedereinstieg starten wir mit rund 1.000 Artikelnummern, im ersten Quartal 2026 folgen weitere 1.500. Bis 2027 werden mehr als 6.000 Stock Keeping Units verfügbar sein." Diese stehen dann für Pkw und Lkw zur Verfügung. Darüber hinaus arbeitet man an der kontinuierlichen Erweiterung des Sortiments und sieht neue Möglichkeiten im Bereich der Komfortklima-Funktionen durch die Entwicklung des BEV-Marktes.
Sebastian Keils, Executive Vice President Sales Business, ging anschließend auf die zukünftigen Herausforderungen im Thermomanagement ein. "Im Gegensatz zu früher sind heute viel mehr Temperaturströme zu steuern. Wenn man diese sinnvoll nutzt, ergeben sich daraus vielfältige Vorteile", sagte Keils. So wird beispielsweise das Schnellladen unterstützt, indem die Batterie im optimalen Temperaturfenster gehalten wird. Gleichzeitig gilt es, die Reichweite durch Komfortfunktionen so wenig wie möglich zu beeinflussen. "Um im Fahrzeug möglichst schnell eine Komforttemperatur zu erreichen, nutzen wir so wenig wie möglich Energie aus der Batterie, sondern die Abwärme aus allen möglichen Quellen wie Batterie oder Elektronik", so Keils.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Komplexität der Teile. "Durch integrierte Lösungen können wir rund 30 Prozent Gewicht und etwa 60 Bauteile einsparen. Wir sparen also Platz, Gewicht und Komponenten und damit auch Kosten, ein großer Vorteil für unsere Kunden", erläutert Keils.
- Ausgabe 1-2/2026 Seite 014 (533.3 KB, PDF)