Defekte Stoßdämpfer können den Bremsweg verlängern und die Fahrstabilität beeinträchtigen, weil schlecht gedämpfte Räder schnell den Fahrbahnkontakt verlieren. Umso wichtiger ist es für eine Werkstatt, jede Gelegenheit für eine Fahrwerkskontrolle zu nutzen, sei es beim Reifenwechsel oder anderen Arbeiten im Umfeld des Fahrwerks. Mechaniker sollten sich deshalb regelmäßig schulen lassen, um solche Probleme rechtzeitig zu erkennen und die Kunden verständlich informieren zu können. Schließlich geht es um deren Sicherheit und gleichzeitig um den Werkstattumsatz.
Technischer Support nachgefragt
Die Werkstattkonzepte ZF Protech und Protech plus wurden entwickelt, um freie Werkstätten mit technischem Know-how aus der Erstausrüstung zu unterstützen. ZF besitzt umfassende Systemkompetenz in den Bereichen Antrieb, Fahrwerk, Lenkung, Elektronik und Fahrerassistenzsysteme und ist am Markt mit den Marken Sachs und TRW vertreten. "Dieses Wissen aus der Fahrzeugproduktion wird gezielt in den Aftermarket übertragen, um Werkstätten bei Reparaturen moderner Fahrzeuge zu unterstützen. Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist die praxisnahe Vermittlung von technischem Wissen durch Schulungen, technische Informationen und direkten Support", erklärt Konzeptleiter Dominic Roth. Das Konzept basiert unter anderem auf regelmäßigen Rückmeldungen von Werkstätten.
ZF führt Interviews mit Partnerbetrieben durch, um deren Herausforderungen im Werkstattalltag zu verstehen. "Besonders häufig wird technischer Support nachgefragt, da moderne Fahrzeuge immer komplexer werden", so Roth weiter. Auch Themen wie korrekte Teileidentifikation, Montagefehler oder falsche Drehmomente spielen eine wichtige Rolle, da sie die Funktion und Sicherheit des Fahrwerks beeinflussen können.
Das ZF -Konzept ist zweistufig aufgebaut. Protech start ist kostenlos und ermöglicht Werkstätten Zugang zu technischen Informationen, Montagehinweisen, Schulungsvideos und dem Teilekatalog. Protech plus richtet sich an Werkstätten, die regelmäßig Schulungen besuchen möchten. Für eine jährliche Gebühr erhalten sie garantierten Zugang zu Trainings sowie zusätzliche Unterstützung. Voraussetzung für die Teilnahme ist vor allem ein hoher Qualitätsanspruch der Werkstatt, da ZF seinen Namen mit den Partnerbetrieben verbindet.
Sicherheitsrelevante Bauteile
Auch Stoßdämpferhersteller KYB sieht neben seinen Produkten einen wichtigen Schwerpunkt in der Schulung von Werkstätten, geht jedoch den Weg über den Großhandel. "Unsere Schulungen werden in der Regel von Großhändlern organisiert, während KYB als technischer Partner das Fachwissen bereitstellt. In den Schulungen wird unter anderem erklärt, wie Stoßdämpfer aufgebaut sind, welche Bauteile sie enthalten und wie Werkstätten eine Sichtprüfung durchführen können. Besonders während der Reifenwechselsaison können Mechaniker so schnell erkennen, ob ein Stoßdämpfer beispielsweise undicht ist und ein Austausch empfohlen werden sollte", so Kevin Till, Sales Manager DACH bei KYB. Er sieht es auch als Problem, dass viele ältere Fahrzeuge noch mit den ab Werk eingebauten Stoßdämpfern unterwegs sind, obwohl diese verschlissen sind. Stoßdämpfer sind für die Hauptuntersuchung oft nicht direkt entscheidend, können aber dennoch sicherheitsrelevant sein. KYB erkennt einen großen Bedarf an mehr Schulung und Sensibilisierung in Werkstätten. Zusätzlich plant KYB in Zukunft eine Online-Schulungsplattform, über die Werkstätten technische Informationen und Trainings digital abrufen können. Darüber hinaus setzt das Unternehmen QR-Codes auf Verpackungen ein. Diese führen zu Installationsvideo auf YouTube. "Solche Videos werden besonders für Fahrzeuge erstellt, bei denen der Austausch des Stoßdämpfers komplizierter ist, etwa weil zusätzliche Bauteile entfernt werden müssen oder Schrauben schwer zugänglich sind", so Till.
- Ausgabe 3/2026 Seite 014 (489.8 KB, PDF)