Stoßdämpfer-Verschleiß: Fahrwerkskompetenz stärken

23.03.2026 08:21 Uhr | Lesezeit: 4 min
KW Automotive
Die Hersteller von Fahrwerken gehen in ihren Schulungsangeboten gezielt auf Stoßdämpfer-Verschleiß ein.
© Foto: KW Automotive

Stoßdämpfer-Verschleiß findet im Regelfall schleichend statt und hat Auswirkungen auf die Fahrsicherheit. Die Hersteller von Fahrwerken gehen in ihren Schulungsangeboten gezielt auf diese Thematik ein.

Defekte Stoßdämpfer können den Bremsweg verlängern und die Fahrstabilität beeinträchtigen, weil schlecht gedämpfte Räder schnell den Fahrbahnkontakt verlieren. Umso wichtiger ist es für eine Werkstatt, jede Gelegenheit für eine Fahrwerkskontrolle zu nutzen, sei es beim Reifenwechsel oder anderen Arbeiten im Umfeld des Fahrwerks. Mechaniker sollten sich deshalb regelmäßig schulen lassen, um solche Probleme rechtzeitig zu erkennen und die Kunden verständlich informieren zu können. Schließlich geht es um deren Sicherheit und gleichzeitig um den Werkstattumsatz.

Technischer Support nachgefragt

Die Werkstattkonzepte ZF Protech und Protech plus wurden entwickelt, um freie Werkstätten mit technischem Know-how aus der Erstausrüstung zu unterstützen. ZF besitzt umfassende Systemkompetenz in den Bereichen Antrieb, Fahrwerk, Lenkung, Elektronik und Fahrerassistenzsysteme und ist am Markt mit den Marken Sachs und TRW vertreten. "Dieses Wissen aus der Fahrzeugproduktion wird gezielt in den Aftermarket übertragen, um Werkstätten bei Reparaturen moderner Fahrzeuge zu unterstützen. Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist die praxisnahe Vermittlung von technischem Wissen durch Schulungen, technische Informationen und direkten Support", erklärt Konzeptleiter Dominic Roth. Das Konzept basiert unter anderem auf regelmäßigen Rückmeldungen von Werkstätten.

ZF führt Interviews mit Partnerbetrieben durch, um deren Herausforderungen im Werkstattalltag zu verstehen. "Besonders häufig wird technischer Support nachgefragt, da moderne Fahrzeuge immer komplexer werden", so Roth weiter. Auch Themen wie korrekte Teileidentifikation, Montagefehler oder falsche Drehmomente spielen eine wichtige Rolle, da sie die Funktion und Sicherheit des Fahrwerks beeinflussen können.

Das ZF -Konzept ist zweistufig aufgebaut. Protech start ist kostenlos und ermöglicht Werkstätten Zugang zu technischen Informationen, Montagehinweisen, Schulungsvideos und dem Teilekatalog. Protech plus richtet sich an Werkstätten, die regelmäßig Schulungen besuchen möchten. Für eine jährliche Gebühr erhalten sie garantierten Zugang zu Trainings sowie zusätzliche Unterstützung. Voraussetzung für die Teilnahme ist vor allem ein hoher Qualitätsanspruch der Werkstatt, da ZF seinen Namen mit den Partnerbetrieben verbindet.

Sicherheitsrelevante Bauteile

Auch Stoßdämpferhersteller KYB sieht neben seinen Produkten einen wichtigen Schwerpunkt in der Schulung von Werkstätten, geht jedoch den Weg über den Großhandel. "Unsere Schulungen werden in der Regel von Großhändlern organisiert, während KYB als technischer Partner das Fachwissen bereitstellt. In den Schulungen wird unter anderem erklärt, wie Stoßdämpfer aufgebaut sind, welche Bauteile sie enthalten und wie Werkstätten eine Sichtprüfung durchführen können. Besonders während der Reifenwechselsaison können Mechaniker so schnell erkennen, ob ein Stoßdämpfer beispielsweise undicht ist und ein Austausch empfohlen werden sollte", so Kevin Till, Sales Manager DACH bei KYB. Er sieht es auch als Problem, dass viele ältere Fahrzeuge noch mit den ab Werk eingebauten Stoßdämpfern unterwegs sind, obwohl diese verschlissen sind. Stoßdämpfer sind für die Hauptuntersuchung oft nicht direkt entscheidend, können aber dennoch sicherheitsrelevant sein. KYB erkennt einen großen Bedarf an mehr Schulung und Sensibilisierung in Werkstätten. Zusätzlich plant KYB in Zukunft eine Online-Schulungsplattform, über die Werkstätten technische Informationen und Trainings digital abrufen können. Darüber hinaus setzt das Unternehmen QR-Codes auf Verpackungen ein. Diese führen zu Installationsvideo auf YouTube. "Solche Videos werden besonders für Fahrzeuge erstellt, bei denen der Austausch des Stoßdämpfers komplizierter ist, etwa weil zusätzliche Bauteile entfernt werden müssen oder Schrauben schwer zugänglich sind", so Till.

ZF Dominic Roth
Dominic Roth, ZF
© Foto: ZF

Drei Fragen an Dominic Roth Konzeptleiter bei ZF

asp: Herr Roth, nach welchen Aspekten entwickeln Sie die Inhalte für die Schulungen im Rahmen des Protech-Werk­stattkonzepts?
D. Roth: Wir wollen unser OE-Wissen gezielt und praxisnah den freien Werkstätten zur Verfügung stellen. Dazu führen wir auch regelmäßige Interviews mit den Werkstätten durch, welche Probleme sie im Werkstattalltag haben und wo sie Unterstützung brauchen. Wir sehen ganz oft in Deutschland aber auch international, wo wir unser Konzept ausrollen, dass insbesondere technische Unterstützung gefragt ist.
asp: Wie sieht denn diese Unterstützung im Detail aus?
D. Roth: Das Thema Fahrwerk ist bei ZF ein ganz zentrales Element. Alles, was das Fahrzeug auf der Straße bewegt, bremst, lenkt, in Stabilität und Spur hält, ist absolute Kernkompetenz von ZF. Und deshalb sehen wir das Thema Stoßdämpfer vor allem als Systemlösung und den Stoßdämpfer nicht als einzelnes Produkt, das wir schulen, sondern als Teil einer Schulung, wo es um das gesamte Fahrwerk geht.
asp: Unter dem Titel "Fahrwerk verstehen" hat ZF kürzlich ein neues Trainingsmodul gelauncht. Was sind die Inhalte?
D. Roth: In dem Training bündeln wir unsere gesamte Fahrwerkskompetenz. Es geht nicht nur um Stoßdämpfer in ihren Varianten, sondern auch um Fahrwerksfedern, Domlager und sogar Reifen. Die bieten wir zwar nicht an, sie gehören aber zum Thema Fahrwerk und Fahrbahnkontakt dazu. Wir schauen in unseren Trainings auch über den Tellerrand hinaus und entwickeln Trainings nicht für ein Produkt, sondern um den Werkstätten ein Systemverständnis zu vermitteln.


Spezialwissen vermitteln

Die Bilstein Academy des Fahrwerkherstellers Bilstein bietet drei unterschiedliche Trainingsformate an. Im Angebot sind zwei Online-Schulungen sowie Inhouse-Schulungen bei Werkstätten oder Händlern. Die Online-Trainings bietet Bilstein zum einen als Kurs im virtuellen Schulungsraum als interaktiven Fernunterricht an. Die Kursdauer beträgt eine Stunde und ermöglicht auch direkte Fragen und Diskussionen. Ein weiteres Online-Angebot sind die E-Trainings, die 24/7 abgerufen werden können und mit einer Dauer von 20 bis 30 Minuten auch mal in eine Pause passen. Es wird automatisch eine Lernzielkontrolle durchgeführt und "bei Bestehen" ein Zertifikat ausgestellt. Die E-Trainings sind in Deutsch und Englisch verfügbar, weitere Sprachen sollen folgen. Wer Wert auf eine Live-Schulung legt, kann an einer der kostenlosen Inhouse-Schulungen teilnehmen. Diese kann in der Werkstatt oder einem Teilehändler organisiert werden und bietet einen theoretischen und praktischen Teil. Dazu gehören auch hilfreiche Tipps für die Kundenberatung.

Für Kunden, die nicht nur Ersatz brauchen, sondern ihr Fahrzeug sportlicher bewegen wollen, bietet neben Bilstein auch KW Automotive Performance-Stoßdämpfer und -Fahrwerke an, die ein weitergehendes Spezialwissen erfordern. KW Automotive hat dazu ein Fachhandelskonzept entwickelt, das eine fachgerechte Beratung, Montage und Einstellung der Produkte sicherstellen soll. Die Fachhandelspartner sollen technische Kompetenz im Bereich Fahrwerkstechnik sowie eine qualifizierte Kundenberatung und natürlich den professionellen Einbau mit Fahrwerksvermessung aufweisen können. Dafür erhalten sie unter anderem exklusive Händlerkonditionen und den Zugang zu Schulungen und technischem Know-how. Sie können Endkunden auch eine kostenfreie Anschlussgarantie anbieten


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