VDA-Umfrage: Zulieferer planen Stellenabbau

Rund zwei Drittel der befragten Zulieferer geben an, dass die Kapazitäten derzeit nur zu 50 bis 75 Prozent ausgelastet sind.
© Foto: picture alliance/imageBROKER/Bernhard Claßen

Die wirtschaftliche Lage bei vielen Autozulieferern ist angespannt. Viele rechnen nicht mit einer schnellen Erholung, manchem droht sogar das Geld auszugehen. Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt eine Umfrage des VDA.


Datum:
26.08.2020

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Die Corona-Krise setzt den Automobilzulieferern massiv zu. Jedes zweite Unternehmen der Branche rechnet damit, dass erst im Jahr 2022 das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird, jeder zehnte sogar erst im Jahr 2023. Sechs von zehn Zulieferer-Unternehmen planen außerdem als Folge der Corona-Krise verstärkten Personalabbau. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) unter den rund 500 Zulieferer-Unternehmen, die Mitglied des Verbands sind.

Rund zwei Drittel der Umfrageteilnehmer gibt an, dass die Kapazitäten derzeit nur zu 50 bis 75 Prozent ausgelastet sind. Trotzdem befindet sich nur bei etwa einem Viertel der Zulieferer mehr als die Hälfte der Belegschaft in Kurzarbeit. Eine deutliche Mehrheit der befragten Unternehmen (60 Prozent) erklärt hingegen, infolge der Krise Personal abbauen zu wollen. Von diesen wiederum plant rund die Hälfte, fünf bis zehn Prozent der Stellen einsparen zu wollen. Etwa ein Drittel aller Befragten hat Pläne, mehr als zehn Prozent des Personals abzubauen.

Neben dem Abbau von Arbeitsplätzen setzen viele Zulieferer zudem auf Produktionsverlagerungen ins Ausland. Damit beschleunigt sich ein Trend, der bereits vor der Krise eingesetzt hatte. So planten bereits vor Corona 40 Prozent Verlagerungen infolge von Transformationsprozessen in der Branche wie der Digitalisierung und Elektrifizierung. Bedingt durch Corona geben mehr als zwei Drittel nun an, diese Planungen zu beschleunigen.

"Die Maßnahmen der Politik zur Stützung der Unternehmen zeigen zwar Wirkung. Dennoch stellen wir uns auf eine längere schwierige Phase ein", kommentiert VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Man unterstütze zwar die Pläne der Politik, Maßnahmen wie das Kurzarbeitergeld zu verlängern. Der Anpassungsdruck bleibe aber hoch. "Politik, Unternehmen und Gewerkschaften müssen jetzt gemeinsam alles tun, um eine Verlagerung der Produktion aus Deutschland und weiteren Stellenabbau infolge von Corona zu verhindern", so Müller.

Knappe Kassen bei jedem fünften Zulieferer

Beim Blick in die Kassen haben die meisten der befragten Zulieferer noch Luft. Mehr als 80 Prozent geben an, noch über ausreichend Finanzierungsquellen zu verfügen und von ihren Hausbanken ausreichend unterstützt zu werden. Viele Unternehmen greifen zudem auf Staatshilfen zurück, um ihre Liquidität zu sichern. So haben 20 Prozent der Umfrageteilnehmer Hilfen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds und zehn Prozent Überbrückungshilfen für kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) in Anspruch genommen oder planen dies derzeit. Für etliche Unternehmen wird es trotzdem eng: Etwa jeder fünfte Zulieferer (knapp 20 Prozent) stellt fest, dass unter den gegenwärtigen Bedingungen die Liquidität ohne größere Anpassungen nur noch für maximal zwei bis drei Monate gesichert ist.

VDA-Chefin Müller ruft deshalb dazu auf, weitere Belastungen für die Unternehmen zu vermeiden: "Die wirtschaftliche Wiederbelebung wird dann rascher gelingen, wenn auf zusätzliche Belastungen verzichtet wird." Das gelte für die Bereiche Steuern, Bürokratie oder weitergehende Regulierungen im Bereich Klimapolitik. Ein großer Teil der befragten Zulieferer, die bereits vor der Corona-Pandemie Beschäftigung reduziert hatten, hätten das auch aufgrund der hohen Kostenbelastung und der Transformation getan. Die Corona Krise solle für Politik und Gesellschaft ein Ansporn sein, die Unternehmen mit Reformen zu entlasten und den Standort Deutschland zu so zu stärken. "Wir brauchen in Deutschland und in Europa eine offensive, dem Klimaschutz verpflichtete Industriepolitik", so Müller. (aw)

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