Der Autozulieferer Mahle hat im vergangenen Jahr einen Umsatz- und Gewinnrückgang verzeichnet. Dennoch sieht sich der Konzern auf einem guten Weg. Die Strategie mit dem Fokus auf Elektrifizierung, Thermomanagement und Verbrennungsmotoren funktioniere, betonte Mahle-Chef Arnd Franz: "Mahle ist auf dem Weg zu profitablem Wachstum“, sagte Franz im Rahmen der Pressekonferenz an diesem Mittwoch in Stuttgart. Das langfristige Ziel liege bei einer operativen Ebit-Rendite von sieben Prozent, was nahezu einer Verdoppelung entspricht (2025: 3,9 Prozent).
"Angesichts der Marktlage und widrigen Rahmenbedingungen werden wir dafür noch Zeit brauchen“, erklärte Franz. Das Marktumfeld bleibe schwierig, nicht zuletzt aufgrund der Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten. Krisenmanagement sei auch im Hinblick auf handelspolitische Rahmenbedingungen gefragt, insbesondere aufgrund nicht vorhersehbarer Entscheidungen der US-Regierung.
Der Konzern befindet sich global mitten in einem Umbauprozess, der auch den Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland umfasst. In Deutschland wurden bislang 600 Stellen abgebaut; derzeit befindet man sich zudem in Gesprächen über Anpassungen am Stammsitz in Stuttgart, wo noch bis Jahresende eine Beschäftigungsgarantie besteht.
2025 ging der Umsatz von 11,68 Milliarden Euro im Vorjahr auf rund 11,26 Milliarden Euro zurück. Das Konzernergebnis sank von 22 Millionen Euro auf 20 Millionen Euro, was einem Rückgang von rund neun Prozent entspricht. Damit schreibt Mahle das dritte Jahr in Folge schwarze Zahlen – nach mehreren Jahren mit Verlusten zuvor.
Anspruchsvolles Geschäftsjahr
Geopolitische Unsicherheiten, erhöhte Energiekosten, starke Währungsschwankungen, rückläufige oder stagnierende Märkte sowie ein intensiver Wettbewerb, insbesondere mit China, hätten 2025 zu einem weiteren anspruchsvollen Geschäftsjahr geführt, hieß es. Erhebliche Rückstellungen für Restrukturierungen hätten zudem das Ergebnis belastet. Operativ hingegen hat Mahle sein Ergebnis im vergangenen Jahr verbessert. Das um Einmal- und Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg von 347 Millionen Euro auf 442 Millionen Euro.
Konzentration auf Wachstumsmärkte
Franz machte deutlich, dass man nicht damit rechne, dass Wachstumsimpulse künftig aus Europa kommen. Daher werden asiatische Märkte immer wichtiger. Im Fokus stehen vor allem China und Indien. Franz: "In Europa ist der Fahrzeugmarkt allein zwischen 2021 und 2024 um ein Viertel geschrumpft. Wir sehen hier auch künftig kein wesentliches Wachstum. Dasselbe gilt für Nordamerika.“
Franz erklärte, wie wichtig der chinesische Markt für Mahle ist: „China ist und bleibt einer unserer strategischen Eckpfeiler und unser größter Einzelmarkt.“ In China herrsche allerdings ein enormer Wettbewerb zwischen den Fahrzeugherstellern, aber auch unter Zulieferern. "Wer in China erfolgreich sein will, muss in ‚China-Speed‘ unterwegs sein."
Auch Indien ist als drittgrößter Automobilmarkt ein Hoffnungsträger für Mahle. Dort wolle man den Umsatz in den kommenden vier bis sechs Jahren von heute 400 Millionen Euro auf eine Milliarde Euro steigern.
Der Weg zur E-Mobilität bleibt steinig
Die Elektromobilität entwickelt sich nicht schnell genug, viele Kunden hätten daher ihre Planungen verändert; Projekte kämen verspätet oder würden ganz abgesagt. Franz: "Ein großer Teil der künftigen Mobilität ist elektrisch – sowohl rein batterieelektrisch als auch in hybrider Form. Die fehlenden Absatzzahlen bei batterieelektrischen Fahrzeugen beeinträchtigen bislang jedoch die Akquiseentwicklung in diesem Bereich."
Die Investitionen in die E-Mobilität zahlten sich aufgrund ausbleibender Stückzahlen bislang nicht aus. "Seit 2024 mussten wir an unseren europäischen Standorten mit Schwerpunkt E-Mobilität wegen schwacher Nachfrage fast 900 Arbeitsplätze abbauen", erklärte Franz.
Verbrennertechnologie steht auf der Kippe
Franz zeigte sich enttäuscht von den politischen Diskussionen um die CO2-Regulierung in Europa. Er fordert konkret eine Öffnung der Regulierung auch für Verbrennerfahrzeuge, die mit klimaneutralen Treibstoffen betrieben werden könnten.
Franz drohte andernfalls mit Konsequenzen: "Sollte der derzeit auf dem Tisch liegende Vorschlag der EU-Kommission in dieser Form verabschiedet werden, werden wir unsere Investitionen in diese Technologie nicht mehr in Europa tätigen können."
Es gehe nun konkret um die Zukunft der Verbrennertechnologie in Europa. Man müsse davon ausgehen, dass im Jahr 2035 den geschätzten 15 Millionen Verbrennungsmotoren pro Jahr weltweit in Europa lediglich zwischen ein und drei Millionen Motoren gegenüberstehen würden. "Wir werden einen massiven Rückgang der Verbrennerproduktion in Europa haben", bilanzierte Franz.