Ob Opel Adam, Renault Twingo oder Ford Ka, ob die Drillinge Citroën C1, Peugeot 108 und Toyota Aygo, ob VW Up! mit seinen Geschwistern Skoda Citigo und Seat Mii, leicht ließe sich noch einmal die gleiche Menge an sympathischen City-Flitzern aufzählen, die es noch vor wenigen Jahren zu erschwinglichen Preisen gab. Manche kosteten weniger als 10.000 Euro.
Allen gemeinsam ist: Sie gehören einer aussterbenden Autogattung an und verschwinden langsam aus dem Stadt- und Straßenbild. Keines der genannten Modelle kann heute noch als Neuwagen gekauft werden.
Hyundai Inster Prime (49 kWh)
Und das Trauerspiel geht weiter. Kürzlich hat auch Hyundai das Handtuch geschmissen. Die Koreaner stellten Ende vergangenen Jahres die Produktion des i10 ein. Damit bleiben von einst über 20 lediglich drei Modelle im sogenannten A0-Segment übrig: der Kia Picanto, der Fiat Pandina und der Fiat 500 als Mildhybrid-Benziner.
"Zu aufwändig und zu teuer"
Der Grund für die Misere ist vor allem in Brüssel zu suchen, genauer bei der EU-Kommission. Sie sollte ja eigentlich Interesse an sparsamen Kleinwagen haben, die durch ihren geringen Verbrauch entsprechend wenig CO2 ausstoßen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Weil Umwelt- und Sicherheitsregularien priorisiert wurden, winkten immer mehr Autohersteller dankend ab.
"Zu aufwändig und zu teuer", sagt Peter Fintl, Leiter Technologie und Innovation beim Beratungsunternehmen Capgemini Engineering, "da wundert es nicht, wenn die Hersteller sich die Anpassungen ihrer Verbrennerplattformen sparen, besonders in einem Segment, in dem die Gewinnmargen für europäische Spieler ohnehin gegen null tendieren."
EU fordert Bündel an neuen Sicherheitssystemen
Strenge EU-7-Abgasregeln sind jedoch nicht der einzige Sargnagel für die Beerdigung der Minis. Die Brüsseler Vorschriften verlangen zudem ein ganzes Bündel an neuen Sicherheitssystemen wie beispielsweise einen automatischen Notruf mit Standortbestimmung, einen Spurhalteassistenten sowie eine Erfassung der Geschwindigkeitslimits mit Warnung vor Überschreitung. Hinzu kommen eine Müdigkeitserkennung und eine Überwachung des Luftdrucks in den Reifen. Ob Letzteres bei Autos, die vorwiegend in der City und im städtischen Nahbereich ihr Einsatzgebiet haben, wirklich notwendig ist, sei dahingestellt.
Die logische Konsequenz: Die Einstiegspreise haben sich deutlich nach oben bewegt. Keine andere Fahrzeugklasse hat über die letzten Jahre einen derart großen Sprung gemacht. So kostet der Kia Picanto mindestens 17.850 Euro, der Fiat Pandina startet bei 16.490 Euro und der Fiat 500 sogar erst bei 19.990 Euro. Leidtragende sind im Besonderen junge Menschen mit begrenztem Budget, Berufsanfänger, Rentner, aber auch Lieferdienste und ambulante Pflegedienste, die die Vorteile der kleinen City-Cars seit vielen Jahren zu schätzen wissen.
Besserung auf der Benzin-Seite ist nicht in Sicht. Stattdessen setzen die Hersteller beim Thema Einstiegsmobilität nun konsequent auf Elektroantrieb und versuchen, wenn irgend möglich, Partnerschaften einzugehen, um Skaleneffekte zu erhöhen und Kosten zu senken.
Welche Modelle sind derzeit am Markt? Welche kommen kurzfristig? Emotionalster Vertreter ist zweifellos der im Retro-Design gehaltene Fiat 500e. Der kleine Italiener kostet ab 24.990 Euro und zählt zu den teuersten Kandidaten im Segment. Wie weit die Preisspanne nach unten reicht, zeigt der Dacia Spring, mit 16.900 Euro das günstigste, vollelektrische Auto auf dem deutschen Markt. Der Elektrobestseller erhielt jüngst ein Update inklusive neuer Batterietechnologie. Das Preisniveau des Spring kann nicht einmal der Leapmotor T03 unterbieten. Ihn bieten die Chinesen für 18.990 Euro an.
Renault Twingo (2026)
Hyundai Inster und Renault Twingo kommen
Hyundai versucht es in der Klasse mit dem Inster, einem markant gestylten Mini im SUV-Stil. Er überrascht mit außergewöhnlicher Vielseitigkeit und löst den i10 ab. Im vorigen Jahr haben sich bereits über 10.000 Käufer den Inster zugelegt. Sein Preis: 23.900 Euro.
Gute Chancen, ein attraktives Elektroangebot im Köcher zu haben, sieht man auch bei Renault. Die Franzosen bringen in diesem Frühjahr ein Modell in den Handel, das Retro-Fans ebenfalls das Herz öffnen dürfte: der Twingo E-Tech Electric. Mit einem Einstandspreis von 19.990 Euro will Renault hier klar ein positives Zeichen für bezahlbare E-Mobilität setzen.
Gleiches plant der Volkswagen-Konzern. VW verspricht, 2027 den Nachfolger des e-up! auf die Straße zu bringen. Optisch gaben die Wolfsburger mit der Studie ID.Every1 bereits einen Ausblick im vorigen Frühjahr. Der Name für die Serienversion wird offiziell zwar noch nicht verraten, dürfte aber mit ziemlicher Sicherheit ID.up! lauten, analog zu ID.Polo und ID.Cross. Um die preisliche Zielvorgabe von 20.000 Euro zu erreichen, plant VW, seinen neuen Mini-Stromer in Portugal fertigen zu lassen.
Dacia Hipster in den Startlöchern
Zum Prototyp eines neuen City-Minis könnte der Dacia Hipster werden. Ob und wann das coole, nur drei Meter kurze Gefährt im Look eines japanischen K-Car in Serie geht, ist derzeit noch offen. Sollte sich Dacia wirklich dazu durchringen, den „Elektro-Würfel“ auf Rädern als neues Einstiegsmodell zu bringen, dürften aber mindestens noch drei Jahre vergehen. Experten erwarten einen Preis um die 13.000 Euro.
Näher an der Realität ist da schon der neue Smart #2 aus dem Joint Venture von Mercedes und dem chinesischen Geely-Konzern. Der Zweisitzer knüpft an den Ur-Smart an und soll angeblich noch Ende 2026 vorgestellt werden und im Sommer 2027 in den Handel gehen.