Ölkonzerne: Schleichende Abkehr von E10

29.03.2011 10:37 Uhr
Geld bei Schäden: Shell will mit einer kostenlosen E10-Versicherung die Autofahrer beruhigen.
© Foto: Shell

Die ersten Mineralölkonzerne stellen ihre Produktion wieder um: Total etwa bietet mehr altes Super statt den Ladenhüter E10 an. Shell versucht sich an einer E10-Versicherung - ein "Marketing-Gag", wie der ADAC findet.

Nach dem Benzingipfel sollte alles besser werden. Doch auch wenn drei Wochen später viele Hausaufgaben gemacht sind, wie Verträglichkeits-Listen an den Tankstellen und E10-Garantien der Hersteller: Zu wenige Kunden tanken den Biosprit. "Wir können kein E10 auf Halde produzieren", sagte ein Sprecher des Mineralölkonzerns Total am Dienstag. Die Folge: Das Unternehmen wird wieder mehr vom alten Super-Benzin herstellen lassen. Es gebe keine Trendwende, heißt es. Ob E10 jemals an den noch fehlenden 8.000 der insgesamt 15.000 Tankstellen in Deutschland eingeführt wird, ist immer fraglicher. E10 könnte zum Nischen- statt Hauptprodukt beim Super-Benzin werden. Es ist so etwas wie eine schleichende Abkehr. Weniger E10, dafür mehr vom alten Super, mehrere Raffinerien habe ihre Produktion entsprechend angepasst. Und wo es E10 noch nicht gibt, wird das erst einmal so bleiben. Shell hat bisher die Hälfte seiner 2.200 Tankstellen auf E10 umgestellt, vor allem im Osten und Süden Deutschlands. "Mit einem spürbaren Anziehen der Akzeptanz setzen wir den Rollout fort", sagte eine Sprecherin. Doch eben jenes Anziehen ist bisher nirgends zu erkennen, selbst die Polizei in mehreren Bundesländern verbietet E10 im Dienstwagentank. Im für den Biosprit zuständigen Bundesumweltministerium gibt man sich gelassen. Es gebe Schätzungen, dass die Biokraftstoffquote auch mit einem Anteil von 50 statt 90 Prozent E10 am Super-Benzin erreicht werden kann. Zudem sei auch in den vergangenen Jahren die Quote von aktuell 6,25 Prozent ohne E10 erfüllt worden. Damals gab es aber noch bessere Steueranreize für reinen Biodiesel (B100). "Die von der Mineralölwirtschaft befürchteten Strafzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe muss es nicht geben", sagt auch Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Biokraftstoffindustrie (VDB), und verweist auf Alternativen wie mehr B100. Derzeit liegt die E10-Quote beim Super teils nur bei 30 Prozent, bei dem bisher weniger produzierten Super mit 5 Prozent Ethanol gibt es daher Engpässe, weshalb nun wieder mehr hiervon produziert werden soll. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) warnt die Mineralölbranche eindringlich, Strafzahlungen für zu wenig verkauften Biosprit auf den Spritpreis aufzuschlagen. Doch in Regierungskreisen geht man davon aus, dass die Strafkosten jetzt schon in die Rechnung der Tankkunden eingepreist werden. Die Konzerne haben viele Millionen für die E10-Umstellung gezahlt und beteuern, E10 in den Markt bringen zu wollen. Aber groß geworben wurde für den Biosprit nicht.

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KOMMENTARE

Martin Thoma

31.03.2011 - 06:49 Uhr

Eine Abkehr von E10 wäre doch nur wünschenswert. Siehe Artikel.


Karsten Friedrichsen

03.04.2011 - 18:50 Uhr

An Herrn Niko Ganzer, Redakteur. Un(V)erträglich Antwort auf die bisherigen Meinungen: Alles im Leben hat seine Zeit. Entweder man begreift den Zeitpunkt, oder man jammert später über die verpassten Chancen die abhanden gekommen sind. Meiner Meinung nach ist vieles aus dem Stehgreif geholt. Wenn ich alles so lese, fällt mir auf, dass hier Aufklärung betrieben werden muss. Ethanol kann auch in Europa ein Kraftstoff für die Zukunft bedeuten. Erdölvorräte sind nicht für die Ewigkeit vorhanden, sondern nach Schätzungen nur noch für ca. 50 Jahre bei weiterem Abbau verfügbar. Mit welchem Recht nimmt unsere derzeitige Generation diesen Restvorrat in Anspruch ohne nachzudenken was mit der Nachwelt passiert. Das rechtzeitig nach Alternativen gesucht werden muss ist doch selbstverständlich. Alles was neu ist, wird von vielen selbsternannten Spezialisten auf dem Vorweg niedergemacht. Die erste Eisenbahn von Führt nach Nürnberg wurde von Gegnern als viel zu schnell für die Menschheit prognostiziert. Carl Benz und sein Motorfahrzeug wurden von Bauern mit dessen Pferdekutschen mit der Mistforke bedroht, also auch Gegner. Die Rennsportkenner wissen, dass die Champcar, die Indycar so wie die Nascar- Meisterschaften in USA wegen der höheren Motorleistungen mit Methanol betrieben werden. Die Oktanzahl ist höher, Verbrennung sauberer und weniger Verbrennungsrückstände aus dem Auspuff. Auch die Ingenieure und Chemiker in Deutschland machen Hausaufgaben und forschen nach Möglichkeiten Ethanol aus vielen möglichen Abfallstoffen herzustellen, Seetang, Zuckerrüben, Holzspäne und sonstige Abfälle. Es wird ständig geforscht und das ist gut so. Auch Menschen, die derzeitig noch nicht begriffen haben, dass Stillstand – Rückstand bedeutet, werden in Zukunft von der nicht leichten Aufgabe der forschenden Personen profitieren. Ottokraftstoff E10 Der Ethanolanteil im Benzin soll aus Umweltgründen von derzeit 5 auf 10% angehoben werden. Daraus ergibt sich auch das Kürzel ,E10', bei dem ,E' für Ethanol und ,10' für den Anteil 10 % steht. Konkret handelt es sich um Bioethanol, der aus Pflanzen gewonnen wird. Allerdings ist ,E10', das die Mineralölkonzerne nach einer Vorgabe der Bundesregierung ab Jahresbeginn 2011 in Deutschland anbieten müssen, nicht für alle Fahrzeugmodelle geeignet. Der ADAC warnt, dass bei rund 10 % aller derzeit in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge mit Ottomotor Motorschäden auftreten können (aber nicht müssen), wenn sie mit dem neuen ,E10' betankt werden. Nach Angaben des ZDK greift das Bioethanol in E10-Konzentration bei den für den neuen Sprit nicht geeigneten Fahrzeugtypen Kunststoff- und Gummiteile an. (lt. Untersuchungen aber nicht erwiesen) Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) hat eine Infoschrift mit einer Auflistung aller Pkw- und Motorrad-Typen hinsichtlich ihrer E10-Verträglichkeit veröffentlicht. Auch Gebührenfreie Tel. Nummern sind angegeben um sich über ein betreffendes Fahrzeug zu informieren. Weltweit namhafte Autohersteller bieten Ethanol taugliche Fahrzeuge für Deutschland E85 , Brasilien, das Land wo die meisten Ethanol Autos gefahren werden und auch Hersteller aus Deutschland Fahrzeuge verkaufen und produzieren an. In Schweden bemüht man sich sehr stark und verfügt regelrecht über ein weit verbreitetes Tankstellennetz für Ethanol E85. (E Anteil 85% / Benzin 15%) deshalb wesentlich weniger Schadstoffe im Abgas als Benzin. Auch viele Fahrzeuge in Deutschland lassen sich auf E85 (Flex-Fuel) umbauen. Das Tankstellennetz ist leider noch sehr dünn, aber der Literpreis liegt bei ca. 40 bis 50 Cent unter Benzin. Die Verbrennung von Ethanol ist CO2 neutral, E85 gibt mehr Pouwer dank 104 Oktan. Rund 250 Tankstellen im Bundesgebiet (Tendenz steigend) können den regenerativen Kraftstoff E85 mittlerweile anbieten. Seit dem 1. Januar 2011 darf in Deutschland nur noch nachhaltig hergestelltes Bioethanol verkauft werden, was der lästigen "Tank oder Teller-Diskussion’’ nun hoffentlich ein Ende bereiten wird. In anderen Ländern wie Brasilien, den USA, Schweden und Dänemark sind E5, E10 und E30 seit vielen Jahren Standardkraftstoffe, die als Ersatz für normales Benzin angeboten werden. Mit Erfolg wird in Deutschland seit 2005 die Beimischung von Ethanol in verschieden Fahrzeugtypen getestet. Ohne Probleme konnten die Ethanolbeimischungen bei einigen Fahrzeugen sogar erhöht werden. Bevor Sie mehr als 10 % Ethanol zutanken, erkundigen Sie sich bitte bei Ihrem Autohaus nach möglichen Auswirkungen auf die Herstellergarantie. Bitte beachten Sie, dass ein zu hoher Ethanolanteil zu einer Überhitzung des Motors führen kann. Nur Flex Fuel Vehicles (FFVs) und speziell umgerüstete Fahrzeuge dürfen E85 pur tanken. Das spart Kraftstoffkosten und schont die Umwelt. Aufgrund der komplexen Installation und Prüfung der Kraftstoffführenden Teile sind Zusatzsteuergeräte nur über Autohäuser oder Kfz-Werkstätten erhältlich. Die Vertriebspartner haben eine Einbauschulung absolviert und sind damit kompetente Ansprechpartner. Diese Einbaupartner finden Sie in Ihrer Nähe in e85.biz - Branchensuche! Jeder hat die Möglichkeit und kann über das Internet unter www.e85.biz nachlesen, sich selber schlau machen und besser erst nach dem Lesen ein Urteil abgeben. Ein §21-Gutachten für Zusatzsteuergeräte ist möglich. Weitere Informationen dazu finden Sie unter TÜV. Brasilien: E25 bis E100 – und keinen stört’s Zuckerrohr- Treibstoff gibt’s an jeder Tankstelle Das Riesen-Land in Südamerika forciert den Biosprit schon seit Anfang der 1970er Jahre. Dank des Klimas wächst in Brasilien alles schneller. Der Rohstoff ist vorhanden, doch waren es die Regierungen und die Autoindustrie - allen voran VW und Bosch – die in Brasilien den Takt vorgaben, dass Ethanol nicht nur als Schnaps im Glas, sondern auch im Tank landet. Zehn Millionen Flex – Fuel – Autos Die Zahlen sind beeindruckend. Auf Brasiliens Strassen ist eine der weltgrößten Biosprit – Autoflotten unterwegs. 2010 waren es 86,4 Prozent aller zugelassenen PKW und Transporter mit Flex – Fuel – Motoren. Im März 2010 meldete der nationale Automobilherstellerverband Anfavea die Produktion des zehnmillionsten Flex – Fuel – Autos seit Einführung der Technologie durch VW im Jahr 2003 Mercedes verspricht Lösung bei E10-Schäden Grundsätzlich hält Mercedes-Benz derartige Schäden aber für unwahrscheinlich. Nahezu alle Modelle mit Drei-Wege-Katalysator könnten den neuen Biosprit tanken, sagte die Sprecherin. Die Stuttgarter verweisen auch auf ihre guten Erfahrungen seit 1997 mit einem hohen Ethanol-Anteil im Benzin in den USA. Die deutschen Autofahrer stehen dem neuen Biosprit sehr misstrauisch gegenüber, weil sie nicht aufgeklärt wurden und deshalb Schäden am Motor befürchten. Etwa 85 Prozent der Verbraucher lehnen den umweltfreundlichen Kraftstoff laut einer Umfrage des ADAC in seinem Testblock kategorisch ab. Viele Verbraucher zweifeln vor allem an den ökologischen Vorteilen von E10. Bei etwa 36 Prozent der Befragten steht die häufig unbegründete Sorge im Vordergrund, das eigene Auto könne durch den Ethanol – Kraftstoff Schaden nehmen. Eine umgehende Aufklärungskampagne tut not, um die verunsicherten Autofahrer für den Kraftstoff E10 einzunehmen. Fachleute des ADAC werben im Heft 03/2011 ADAC Motorwelt dafür, den Biosprit E10 bei geeigneten Fahrzeugen zu tanken. Sie wirken also der Verwirrung der Verbraucher mit Fakten entgegen. Ethanol im Tank ist absolut nicht’s ,,Neues’’ schon die Ford T Modelle wurden in den zwanziger Jahren mit Alkohol betrieben.


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