Immer häufiger werden Fälle illegal entsorgter Altreifen bekannt. Laut der Initiative ZARE (Zertifizierte Altreifenentsorger), die vom Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e. V. (BRV) ins Leben gerufen wurde, steckt dahinter oft ein systematisches Vorgehen. Verwertbare Teile werden weiterverkauft, während der Rest illegal in der Natur entsorgt wird - mit erheblichen Folgen für Umwelt und Kommunen. Damit soll mit der neuen EU-Verordnung 2024/1157, die am 21. Mai 2026 in Kraft tritt und die bislang gültige EG-Verbringungsverordnung 1013/2006 ersetzt, Schluss sein.
Mögliche Verwertungsansätze
In Deutschland fallen jedes Jahr über 500.000 Tonnen Altreifen an. Bislang wurde rund ein Drittel dieser Reifen der thermischen Verwertung in Zementwerken zugeführt. Doch mit deren Umstellung auf umweltfreundlichere Heiztechniken standen die Entsorger vor einem Problem. Gleichzeitig ist die Zahl der Runderneuerungen rückläufig. Aus der Suche nach Lösungen entstand 2020 unter der Schirmherrschaft des wdk (Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie) das Netzwerk AZuR (Allianz Zukunft Reifen), mit dem Ziel, alle möglichen Verwertungsansätze zusammenzubringen: mit neuen Modellen der Zusammenarbeit und der Entwicklung neuer Absatzszenarien und Absatzwege durch die Vernetzung der Altreifen-Recyclingbranche mit Wissenschaft und Forschung.
Wir trafen uns mit Christina Guth als Vertreterin von ZARE beim Entsorgungsunternehmen Reifen OKA im nordhessischen Dornburg. "Wir wollen dem Thema Altreifen eine Zukunft geben. Es gibt auf absehbare Zeit keine Alternative zum Reifen, wie er heute ist", erklärt sie. Das erklärte Ziel von ZARE und AZuR: Nur noch zertifizierte Unternehmen sollen Altreifen entsorgen dürfen. "Zertifizierte Entsorger stehen dafür, Reifen einzusammeln, gewissenhaft zu prüfen, zu sortieren und der bestmöglichen Weiterverwendung oder Wiederverwertung zuzuführen, während unseriöse Unternehmen nur am schnellen Geld ohne Rücksicht auf die Umwelt interessiert sind", so Guth. Im besten Fall landen deren Altreifen in der thermischen Verwertung, schlimmstenfalls im Wald.
Länger auf der Straße halten
Dabei gibt es viele nachhaltige Wege der Weiterverwendung und Wiederverwertung. Von zertifizierten Fachbetrieben gesammelte Altreifen können - sorgfältige Prüfung vorausgesetzt - durch Reparatur oder Runderneuerung auf der Straße gehalten werden. Die Bestandteile nicht mehr reparierbarer beziehungsweise runderneuerbarer Reifen können zu wertvollen Sekundär-Rohstoffen aufbereitet und im Wertstoffkreislauf gehalten werden. Rund 28 Prozent der abgefahrenen Lkw-Reifen werden in Deutschland derzeit runderneuert. "Hier wollen wir auf 40 Prozent kommen. Außerdem wollen wir verstärkt die Runderneuerung von Pkw-Reifen fördern", so Guth.
Doch es gibt weit mehr Einsatzbereiche, vor allem für aufbereitetes Reifen-Gummigranulat oder -Gummimehl. Eine weitere Möglichkeit ist der Export gebrauchter Reifen.
- Ausgabe 5/2026 Seite 020 (992.2 KB, PDF)