Reifenentsorgung: Wertstoff statt Abfall

09.06.2026 08:19 Uhr | Lesezeit: 2 min
Altreifen Entsorgung
Zertifizierte Entsorger prüfen jeden Reifen auf die Möglichkeiten der Verwertung.
© Foto: Kargro Banden

Strengere Regeln in der Abfallverbringungsverordnung der EU sollen den Umwelt- und Gesundheitsschutz verbessern, die Kreislaufwirtschaft fördern und die illegale Entsorgung erschweren. Betroffen sind auch Altreifen. Wohin damit?

Immer häufiger werden Fälle illegal entsorgter Altreifen bekannt. Laut der Initiative ZARE (Zertifizierte Altreifenentsorger), die vom Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e. V. (BRV) ins Leben gerufen wurde, steckt dahinter oft ein systematisches Vorgehen. Verwertbare Teile werden weiterverkauft, während der Rest illegal in der Natur entsorgt wird - mit erheblichen Folgen für Umwelt und Kommunen. Damit soll mit der neuen EU-Verordnung 2024/1157, die am 21. Mai 2026 in Kraft tritt und die bislang gültige EG-Verbringungsverordnung 1013/2006 ersetzt, Schluss sein.

Mögliche Verwertungsansätze

In Deutschland fallen jedes Jahr über 500.000 Tonnen Altreifen an. Bislang wurde rund ein Drittel dieser Reifen der thermischen Verwertung in Zementwerken zugeführt. Doch mit deren Umstellung auf umweltfreundlichere Heiztechniken standen die Entsorger vor einem Problem. Gleichzeitig ist die Zahl der Runderneuerungen rückläufig. Aus der Suche nach Lösungen entstand 2020 unter der Schirmherrschaft des wdk (Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie) das Netzwerk AZuR (Allianz Zukunft Reifen), mit dem Ziel, alle möglichen Verwertungsansätze zusammenzubringen: mit neuen Modellen der Zusammenarbeit und der Entwicklung neuer Absatzszenarien und Absatzwege durch die Vernetzung der Altreifen-Recyclingbranche mit Wissenschaft und Forschung.

Wir trafen uns mit Christina Guth als Vertreterin von ZARE beim Entsorgungsunternehmen Reifen OKA im nordhessischen Dornburg. "Wir wollen dem Thema Altreifen eine Zukunft geben. Es gibt auf absehbare Zeit keine Alternative zum Reifen, wie er heute ist", erklärt sie. Das erklärte Ziel von ZARE und AZuR: Nur noch zertifizierte Unternehmen sollen Altreifen entsorgen dürfen. "Zertifizierte Entsorger stehen dafür, Reifen einzusammeln, gewissenhaft zu prüfen, zu sortieren und der bestmöglichen Weiterverwendung oder Wiederverwertung zuzuführen, während unseriöse Unternehmen nur am schnellen Geld ohne Rücksicht auf die Umwelt interessiert sind", so Guth. Im besten Fall landen deren Altreifen in der thermischen Verwertung, schlimmstenfalls im Wald.

Länger auf der Straße halten

Dabei gibt es viele nachhaltige Wege der Weiterverwendung und Wiederverwertung. Von zertifizierten Fachbetrieben gesammelte Altreifen können - sorgfältige Prüfung vorausgesetzt - durch Reparatur oder Runderneuerung auf der Straße gehalten werden. Die Bestandteile nicht mehr reparierbarer beziehungsweise runderneuerbarer Reifen können zu wertvollen Sekundär-Rohstoffen aufbereitet und im Wertstoffkreislauf gehalten werden. Rund 28 Prozent der abgefahrenen Lkw-Reifen werden in Deutschland derzeit runderneuert. "Hier wollen wir auf 40 Prozent kommen. Außerdem wollen wir verstärkt die Runderneuerung von Pkw-Reifen fördern", so Guth.

Doch es gibt weit mehr Einsatzbereiche, vor allem für aufbereitetes Reifen-Gummigranulat oder -Gummimehl. Eine weitere Möglichkeit ist der Export gebrauchter Reifen.


Tipps zur Reifenentsorgung

Hier gibt es Hilfe bei der Suche nach zertifizierten Entsorgern:

▪ www.azur-netzwerk.de

▪ www.zertifizierte-altreifenentsorger.de

▪ www.bundesverband-reifenhandel.de

Auch einige Reifenhandelsplattformen bieten eine zertifizierte Entsorgung an:

▪ www.tyre24.alzura.com

▪ www.tyresystem.de

▪ www.reifendirekt.de

▪ www.tirendo.de



Jährliche Kontrolle

Jeder Reifen, der illegal entsorgt wird, ist für die Wiederverwertung verloren. Kümmern sich jedoch zertifizierte Entsorger wie OKA darum, bleiben nur rund 15 Prozent der Altreifen übrig und landen in der thermischen Entsorgung. Bei OKA werden deshalb alle Reifen nach ihrem Zustand sortiert, geprüft und vor Ort als Gebrauchtreifen angeboten oder für den Export in Seecontainer verladen. Nur ein kleiner Rest kommt in den Schredder. Seit 2012 ist OKA zertifiziert und damit dies so bleibt, wird der Betrieb von einem Prüfinstitut, das auch die Zertifizierung durchführte, jährlich kontrolliert, sowohl die Sortierung der Reifen als auch die Buchführung. "Jeder Übernahmeschein wird mit Menge und Typen der Reifen erfasst. In einer Tabelle wird eingetragen, wie viel Reifen wir annehmen und welche wie verwertet werden", erklärt Karla Noah, Sachbearbeiterin bei OKA.

Mit der neuen EU-Verordnung steigt auch der Prüf- und Dokumentationsaufwand für Kfz- und Reifenbetriebe. Bei der Wahl der Entsorger sollten Betriebe sehr sorgfältig vorgehen und darauf achten, dass diese umfassende und lückenlose Entsorgungsnachweise vorlegen, damit die Kontrollbehörden die gesetzeskonforme Entsorgung nachvollziehen können.

Für Stefan Wenger vom Reifenhändler "Reifenlädle" in Backnang ist das alles nicht neu. Der familiengeführte Reifenfachbetrieb bietet neben dem klassischen Reifengeschäft auch Werkstattleistungen an und bewegt nach eigenen Angaben jährlich Reifenmengen im fünfstelligen Bereich. Je nach Saisonverlauf fallen dabei rund 40 bis 50 Tonnen Altreifen an. "Die Entsorgung erfolgt strukturiert über Containerlösungen mit regelmäßiger Abholung. Besonders wichtig ist für uns dabei die Flexibilität, sodass auch kurzfristige Abholungen zuverlässig organisiert werden können", erklärt Wenger. Bei der Auswahl des Entsorgungspartners war für ihn vor allem die Zuverlässigkeit, transparente Abläufe, rechtliche Sicherheit sowie eine zügige und flexible Abwicklung im Tagesgeschäft wichtig. "Wir achten bei der Auswahl unserer Entsorgungspartner darauf, dass aktuelle gesetzliche Anforderungen und Richtlinien konsequent eingehalten werden", so Wenger.


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