Mehr Mobilitätsdienste: Conti setzt auf veränderte Geschäftsmodelle

Continental will künftig verstärkt mit Mobilitätsdiensten Geld verdienen.
© Foto: Continental

Der Technologiekonzern Continental sucht neue Geschäftsfelder: Mobilitätsdienste sollen künftig ein wichtiges Standbein des Dax-Konzerns werden. Finanziell und technologisch sieht sich Conti gut aufgestellt.

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental will künftig verstärkt mit Mobilitätsdiensten Geld verdienen. "Die Automobilindustrie befindet sich im Wandel; gleiches gilt für unser Geschäftsmodell", sagte Continental-Chef Elmar Degenhart am Donnerstag bei der Vorstellung der vorläufigen Jahreszahlen. Das Geschäftsmodell des Dax-Konzerns werde sich dank des Trends zu vernetzten und selbstfahrenden Fahrzeugen verändern. Die Internet-Anbindung der Fahrzeuge werde immer aufwendiger. Degenhart: "Das Auto der Zukunft wird ein Rechner auf Rädern sein."

Digitale Datenströme können für diverse Geschäftsfelder genutzt werden - etwa eine bessere Verkehrsführung, Kartendienste, Carsharing oder Roboter-Taxis. An ähnlichen Geschäftsfeldern rund um intelligente Transportsysteme durch die Vernetzung von Stadt und Fahrzeugen arbeiten Autobauer wie Volkswagen oder Peugeot. Welche Projekte sich Conti in Zukunft genau vorstellen kann, sagte Degenhart auf Nachfrage in Hannover nicht.

Das Hauptgeschäft von Conti sind Reifen, das Unternehmen entwickelt aber zum Beispiel auch Antriebsteile und Fahrassistenzsysteme. Der Dax-Konzern hat seinen Überschuss im vergangenen Geschäftsjahr um 2,8 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro gesteigert. Die Dividende soll um 13 Prozent auf 4,25 Euro je Aktie steigen. Beim Umsatz gab es ein Plus von 3,4 Prozent auf 40,5 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei unter anderem wegen Ausgaben für Gewährleistungsansprüche und Kartellverfahren leicht auf 4,3 Milliarden Euro gesunken.

Wachstum beschleunigen

2017 will Conti das Wachstum beschleunigen und das operative Ergebnis steigern. Auch wenn das Umfeld politisch und wirtschaftlich anspruchsvoller werde, rechne Conti in diesem Jahr mit einem sechsprozentigen Umsatzplus, sagte Degenhart. Zu den Wachstumstreibern gehörten die Fahrassistenzsysteme - die Aufträge für sie stiegen 2016 auf gut drei Milliarden Euro an. Conti hatte in den vergangenen fünf Jahren insgesamt rund eine Milliarde Euro allein in die Forschung bei dieser Sparte gesteckt.

Die Zahl der Mitarbeiter stieg um etwa 12.000 Menschen auf nun mehr als 220.000 Beschäftigte. Traditionelles Ingenieurswissen wird zunehmend abgelöst durch Computerexperten: Etwa 14.000 der 31.000 Ingenieure im Konzern hätten heute schon einen Software-Hintergrund, sagte Degenhart. Der Anteil werde weiter steigen.

Der Automobilzulieferer erwartet, dass bis 2025 die Zahl der Neuwagen mit Verbrennungsmotoren erstmal weiter wachsen wird: "Der Verbrennungsmotor hat seinen Zenit tatsächlich noch erst vor sich", sagte Unternehmenschef Degenhart. Bei der Elektromobilität sei die Kernfrage, wann eine Batteriezelle mit ausreichender Leistungsstärke verfügbar sei. Erst ein Technologiesprung dabei werde der E-Mobilität zum Durchbruch verhelfen. Die Brennstoffzelle habe ebenfalls eine große Zukunft, werde aber kaum vor 2030 sinnvoll einsetzbar sein. (dpa)

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