Bis zur nächsten roten Ampel reicht es immer. Wer sich durch den Berliner Verkehr schiebt, bekommt reichlich Gelegenheit, über die großen Fragen der Elektromobilität nachzudenken. Braucht ein Stadtauto eine Batterie für 500 Kilometer? Wie viel davon nutzt man zwischen Büro, Supermarkt und Sportverein?
Und überhaupt: Warum sollte man einen schweren und teuren Akku spazieren fahren, wenn mittlerweile fast an jeder Ecke eine Ladesäule steht? Renault hat dazu eine ziemlich klare Meinung. Im Twingo sollen 27,5 Kilowattstunden nutzbare Batteriekapazität genügen. Selbst für einen elektrischen Kleinwagen ist das wenig und praktisch auf dem Niveau der ersten Stromer wie Renault Zoe, BMW i3 oder Nissan Leaf, die vor rund 15 Jahren die Elektromobilität in die Großserie getragen haben.
Für den Twingo jedenfalls verspricht Renault im gemischten Betrieb 260 Kilometer Reichweite. Dass Wunsch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, weiß jeder E-Auto-Besitzer. Aber bei gemäßigten Temperaturen sollten in der Stadt, wo der Wagen dem Akku bei jedem Bremsmanöver wieder eine Minidosis Strom zuführt, auch mit dem Twingo 250 Kilometer machbar sein. Auf Autobahnetappen allerdings deutlich weniger.
Nur 26 Kilometer am Tag
Laut den Franzosen genügt das für den Alltag sehr vieler Fahrer, und sie fühlen sich nun bestätigt. Denn Renault hat die anonymisierten Fahr- und Ladedaten von 18.000 Twingo-Kunden ausgewertet. Das Ergebnis: Im Schnitt wird der kleine Stromer gerade einmal 26 Kilometer am Tag bewegt. Das überrascht nicht: Seit Jahren predigen Mobilitätsforscher, dass die durchschnittliche tägliche Fahrstrecke eines Pkw in Deutschland in dieser Größenordnung liegt.
Die Twingo-Besitzer jedenfalls sind fast zu gleichen Teilen in der Stadt und auf Landstraßen unterwegs, nur vier Prozent der Fahrstrecken führen auf die Autobahn. Das klingt eher nach Spandau als nach Spanien. Die Daten decken zudem das Ladeverhalten der Twingo-Besitzer auf. Durchschnittlich laden sie 1,6-mal pro Woche, vier von fünf Mal zuhause an der Wallbox. Bei 95 Prozent aller Fahrten war kein Zwischenladen nötig.
Aber falls der Strom unterwegs doch auszugehen droht, lässt sich der Akku in einer knappen halben Stunde mit bis zu 50 kW von 15 auf 80 Prozent bringen. Für Renault ist die Sache also klar: Wer im Schnitt 182 Kilometer in der Woche fährt, braucht keinen Langstrecken-Stromer mit riesiger Batterie.
Kleine Akkus drücken den Preis
Damit stehen die Franzosen nicht allein. Ob VW ID.Polo, Citroën ë-C3, Hyundai Inster oder der nächste Smart #2: Praktisch alle neuen Stadtstromer starten in den Grundversionen mit kleinen Akkus. Da die Batterie das teuerste Bauteil eines E-Autos ist, lässt sich so der Einstiegspreis drücken.
Im Fall des Twingo auf 19.990 Euro. Wer etwas mehr Komfort möchte, legt 1.600 Euro drauf und nimmt noch einige im Alltag durchaus nützliche Nettigkeiten mit, wie die Google-Navigation, den Beifahrersitz mit umlegbarer Lehne, Klimaautomatik oder schlicht die Möglichkeit, für weitere 300 Euro eine Sitzheizung zu bestellen.
Der Twingo macht Spaß
Jedenfalls ist der knuffige Twingo ein Spaßmacher, optisch wie beim Fahren. Mit 60 kW/82 PS und 175 Newtonmetern flitzt er munter im Verkehr mit, und dank des kleinen Wendekreises lässt sich der 3,79 Meter kurze Winzling auch in engste Hinterhöfe zirkeln. Die Lenkung ist leichtgängig, das Fahrwerk komfortabel und der Innenraum wirklich praktisch eingerichtet. Brauchen die Mitfahrer hinten mehr Beinfreiheit, lassen sich die beiden Rücksitze einzeln zurückschieben.
Für größere Einkäufe rücken sie nach vorn. Im Vergleich zum trendigen und nur etwas größeren R5 ist der variablere Twingo deshalb das bessere Stadtauto. Jetzt kann man ihn zusätzlich mit einem großen Glasdach bestellen. Das kostet 600 Euro und bietet die Möglichkeit, im Stau einfach mal in den Himmel zu schauen. Für die große Reise wären allerdings andere Extras oder neue Ideen hilfreich.
Kleiner Stromer, großes Auto für den Urlaub
Warum nicht das Thema Mobilität etwas weiterdenken? VW etwa bot Käufern von e-Up und e-Golf einst bis zu 30 kostenlose Mietwagentage im Jahr an: Im Alltag der kleine Stromer, für die Ferien ein Verbrenner. Heute könnte das Urlaubsauto ein größerer Elektrischer sein. Die Ferien dauern schließlich keine 52 Wochen.