In Deutschland gab es 1966 die erste Große Koalition, Mao Zedong rief in China die Kulturrevolution aus. In den USA lief Star Trek erstmals im Fernsehen – und auf der Tokio Motor Show debütierte ein Alltagsauto mit gerade mal 60 PS, das Geschichte schreiben sollte. Und das sich nach sechs Jahrzehnten immer noch ganz vorne in den globalen Zulassungsstatistiken tummelt.
Das Erfolgsgeheimnis des zwischendurch alles andere als umwerfend designte Corolla ist laut seiner Väter seine Vielseitigkeit und sein erschwinglicher Preis. Es gab und gibt viel Auto fürs Geld. Beispiel Generation 1: Schon 1966 baute Toyota in seinen neuen Kompakten ein damals noch ungewöhnliches, bodenmontiertes Viergang-Schaltgetriebe ein, dazu Scheibenbremsen, Einzelsitze, Mehrpunkt-Sicherheitsgurte und Scheibenwischer mit zwei Geschwindigkeiten. Der aus heutiger Sicht doch reichlich sperrige Premieren-Slogan lautete: "Das begehrteste Auto auf dem Markt – es demonstriert der Welt die Essenz von Toyotas Technologie." Da lief der 1985 in Deutschland gelaunchte Spot "Nichts ist unmöglich – Toyooota" doch schon wesentlich geschmeidiger.
Für viele Autofahrerinnen und Autofahrer ist der Corolla die Personifizierung der japanischen Marke. Kein Wunder: Der Kompakte erfüllte die unterschiedlichsten Wünsche und Anforderungen, es gab ihn als brave Familienlimousine und Schrägheckmodell, als Sportcoupé und Kombi. Und bei den anfänglich 60 PS blieb es natürlich auch nicht: Der aktuell nicht in Deutschland gelistete, aber zur Wiedervorlage angekündigte GR Corolla bringt es auf muntere 304 PS. Er soll bei Toyota Motor Manufacturing UK (TMUK) gebaut werden.
Rallye-Weltmeistertitel 1973
Beim Corolla ging es immer auch um den Motorsport. 1973 war beispielsweise der erste Sieg in der Rallye-Weltmeisterschaft zu verzeichnen. Zwei Jahre darauf der erste europäische WRC-Sieg von Toyota Team Europe bei der 1.000-Seen-Rallye. Der zur Ikone verklärte AE86 aus der fünften Generation brillierte im Rallyesport, bei Rundstreckenrennen und im Driftsport. Dazu kamen Erfolge im Tourenwagensport, seit 2021 ist der wasserstoffbetriebene GR Corolla H2 Concept in der japanischen Super-Taikyu-Serie im Einsatz.
Der 60. Geburtstag wird in Deutschland mit Sondereditionen des in Europa produzierten Hatchback und des Touring Sports gefeiert. Sie rollen wahlweise mit den Metallic-Lackierungen New Boreal Blue, Platinum White Pearl oder Ash Grey an, Dach und A, B- und C-Säule tragen Night Sky Black. Dazu gibt es unter anderem 17-Zoll-Leichtmetallräder im Zehnspeichendesign und eine Jubiläumsplakette. Für den Antrieb sind ein 1,8-Liter-Hybrid mit 140 PS oder ein 2,0-Liter-Hybrid mit 180 PS zuständig. Die Auslieferungen starten im November, Toyota verspricht einen Preisvorteil gegenüber dem Standard-Modell von bis zu 1.400 Euro.
Apropos meistverkauftes Auto der Welt: Deutsche Autofahrer denken dabei gerne mal an den VW Golf. Doch der liegt weit abgeschlagen hinter dem Corolla, der seit 1966 in zwölf Generationen über 57 Millionen Mal zusammengeschraubt wurde. Beim Golf sind es bisher "nur" gut 35 Millionen Exemplare – und die reichen gerade mal für Platz drei. Davor kann sich noch die Ford F-Series mit rund 40 Millionen Stück platzieren. Und noch eine Zahl: Bis heute wurden in Europa fast 9,5 Millionen Corolla verkauft. Der Name bedeutet übrigens "Blütenkranz".