Die spanische VW-Tochter Cupra bringt ihr bislang kleinstes Elektromodell an den Start. Der Raval wurde parallel zum VW ID.Polo entwickelt, ist im Auftritt jedoch klar eigenständig und unterscheidet sich deutlich. Zwischen urbanem Alltagsauto, sportlichem Anspruch und wachsendem Volumensegment soll der Stromer neue Kunden zur Marke holen. Im Gespräch mit SP-X erläutert Technikvorstand Werner Tietz, wie Cupra den Kleinwagen strategisch einordnet und wo die Reise hingeht.
Sie sprechen beim Raval von einem neuen Segment. Was meinen Sie damit?
Wir sehen ein Segment, das gerade erst entsteht. Die Fahrzeugklasse zwischen vier und 4,20 Metern Länge wird aus unserer Sicht in Europa stark wachsen, auch getrieben durch die Regulierung. Das ist genau die Klasse, in der der Raval spielt. Von außen ist er kompakt, aber durch das Elektrokonzept bietet er innen Raum auf einem Niveau, das man früher eher aus höheren Klassen kannte. Das macht ihn für viele Kunden attraktiv, gerade wenn er auch als Familienfahrzeug eingesetzt werden soll. Wir erwarten, dass dieses Format künftig eines der dominierenden Segmente wird.
Gleichzeitig betonen Sie immer wieder den sportlichen Anspruch. Wie passt das zu einem alltagstauglichen Elektro-Kleinwagen?
Design und Dynamik sind unsere Kernmerkmale. Das Fahrzeug muss herausragend aussehen und es darf auch provozieren. Es muss aber nicht jedem gefallen. Und es muss sich sportlich und dynamisch fahren. Das ist unser Anspruch, unabhängig von der Größe. Beim Raval war es uns wichtig, dass er sehr agil wirkt, wenig untersteuert und dem Fahrer immer eine klare Rückmeldung gibt. Er soll einfach Spaß machen. Dass er zusätzlich viel Platz bietet, ist Teil des starken Gesamtpakets. Aber die sportliche DNA steht immer am Anfang.
Cupra bringt das Auto in mehreren Leistungs- und Batterievarianten. Was erwarten Sie beim Kundenverhalten?
Ich gehe davon aus, dass ein großer Teil der Käufer die kleinere Batterie wählt. Viele Kunden nutzen das Fahrzeug im Alltag, in der Stadt oder zum Pendeln. Wer allerdings längere Strecken fährt oder das Auto stärker als Familienfahrzeug einsetzt, wird eher zu den größeren Varianten greifen.
Und dann gibt es natürlich die Kunden, die bewusst die leistungsstärkeren Versionen wählen, um das sportliche Potenzial auszuschöpfen. Wir starten zunächst mit klar definierten, vorkonfigurierten Angeboten. Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Kunden dankbar sind, wenn der Hersteller sinnvolle Kombinationen vorgibt, statt sie durch eine hohe Komplexität im Konfigurator zu führen.
Cupra Raval
Frage: Der Raval wurde parallel zu weiteren Modellen von VW und Skoda entwickelt. Wie groß war der Spagat zwischen Zeitdruck, Komplexität und dem Anspruch, ein eigenständiges Cupra-Modell zu schaffen?
Die größte Herausforderung war tatsächlich das Timing. Wir haben mehrere Fahrzeuge gleichzeitig hochgezogen. Das war sehr komplex, schon wegen des sportlich kurzem Entwicklungszeitraum. Alle Anforderungen an die einzelnen Modelle in kurzer Zeit umzusetzen und dabei den eigenständigen Charakter der Marke nicht zu verwässern, war anspruchsvoll. Wir sind stolz darauf, dass Cupra dieses Fahrzeug so realisieren konnte. Gerade weil der Raval mit den anderen Modellen nicht nur eine technische Basis teilt, sondern klar als Cupra erkennbar ist.
Frage: Der Raval wirkt sehr selbstbewusst. Ist da noch Luft nach oben, vielleicht für eine noch schärfere Version?
A: Absolut. Cupra ist bekannt dafür, im Laufe des Lebenszyklus eines Modells noch etwas nachlegen. Beim Raval konzentrieren wir uns aber zunächst auf den Marktstart und hören genau hin, wie das Feedback ausfällt. Jedenfalls fehlt uns sicher nicht die Kreativität. Wenn ein Fahrzeug von Haus aus dynamisch ausgelegt ist, bietet das immer Spielraum für weitere Ausbaustufen.