Die Autoindustrie im Kampf gegen Corona: Atemgeräte statt Autos

Hersteller wie Ford und GM bauen bald schon Beatmungsgeräte um das Gesundheitssystem zu unterstützen.
© Foto: Ford

An Autos mangelt es uns dieser Tage nicht, dafür aber an medizinischen Gerätschaften. Autohersteller und ihre Zulieferer wollen deshalb das unter der Last ächzende Gesundheitssystem aktiv unterstützen.

Produktionsstopp, Kurzarbeit und Werksschließungen - aufgrund der Corona-Krise steht momentan die Autoindustrie in Deutschland und weltweit vor großen Herausforderungen. Doch statt im Krisenmodus zu erstarren, kommen von den Industrieriesen etliche Impulse, der Corona-Krise entgegenzutreten.

So müssen auf Geheiß von Präsident Donald Trump die beiden US-Autoriesen GM und Ford innerhalb von 100 Tagen die Produktion von 100.000 für Corona-Patienten oft lebenswichtigen Beatmungsgeräten gewährleisten. Ford hat entsprechend angekündigt, in Zusammenarbeit mit General Electric in den kommenden 100 Tagen 50.000 Atemgeräte zur Beatmung von Corona-Patienten zu produzieren. Im Komponentenwerk Rawsonmille/Michigan sollen demnach ab dem 20. April der Airon Model A-E von General Electric vom Band laufen. Bereits bis Anfang Juli will man die Produktionszahl von 50.000 Ventilatoren erreichen. Fortan will man in der Lage sein, 30.000 Beatmungsapparate pro Monat herzustellen.

Wenige Tage zuvor hat auch Mitbewerber General Motors angekündigt, in die Massenfertigung von Beatmungsgeräten einzusteigen. GM will diese in Zusammenarbeit mit Ventec Life Systems im Werk Kokomo im US-Bundesstaat Indiana anlaufen lassen. Auch hier wurde das Ziel von 50.000 Beatmungsgeräten in 100 Tagen ausgegeben.

Autohersteller in Deutschland haben ebenfalls bereits Maßnahmen ergriffen, um den Engpässen in der medizinischen Versorgung zu entgegnen. Unter anderem stellt VW Beschäftigte mit medizinischer Qualifikation für 15 Tage bei voller Lohnfortzahlung frei, wenn diese sich freiwillig im Gesundheitswesen einbringen wollen. Außerdem haben die Wolfsburger nach eigenen Aussagen medizinisches Equipment im Wert von 40 Millionen Euro, unter anderem Atemschutzmasken, aus China nach Deutschland geholt, um es Ärzten und Krankenhäusern zur Verfügung zu stellen.

Der Daimler-Konzern hat angekündigt, mithilfe von 3D-Druckern einzelne Bauteile fertigen zu wollen, die für die Produktion von medizinischem Equipment benötigt werden. Audi will zudem 600.000 Euro sowie 15.000 Atemschutzmasken an Kliniken beziehungsweise dem Katastrophenschutz an den Produktionsstandorten Ingolstadt und Neckarsulm zur Verfügung stellen.

Auch Zulieferer zeigen Engagement

Auch einige Zulieferer der Autoindustrie zeigen Engagement beim Kampf gegen Corona. So hat Bosch einen Corona-Schnelltester entwickelt. Dabei handelt es sich um ein molekularidagnostischen Schnelltest auf Basis des Analysegeräts Vivalytic der Bosch-Abteilung Healthcare Solutions. Ein Abstrich der Testperson wird in das Analysegerät eingeführt, das innerhalb von zweieinhalb Stunden ein Ergebnis liefern soll. Das ab April erhältliche Gerät sollen Personen ohne medizinische Qualifikation bedienen können. Innerhalb von 24 Stunden lassen sich zehn Tests durchführen.

Zulieferer Mahle liefert zudem ein in Klimaanlagen eingesetztes Filtermedium an den Schweizer Unterwäschehersteller Triumph, der daraus bereits Atemmasken fertigt. Diese sollen an behördliche Stellen geliefert werden. Geplant ist eine Fertigungskapazität von 1,5 Millionen Masken pro Monat.

Aufgrund einer Anfrage der französischen Regierung haben sich in Frankreich die Unternehmen Air Liquide, PSA, Schneider Electric und Valeo darauf verständigt, zwischen Anfang April und Mitte Mai 10.000 Atemgeräte herzustellen. Mit einer Taskforce und 100 Partnerunternehmen wolle man die Produktion von Beatmungsgeräten von Air Liquide Medical Systems kurzfristig massiv ankurbeln. Unter anderem soll im PSA-Werk Poissy dafür eine Spezialwerkstatt mit 50 Mitarbeitern eingerichtet werden. (SP-X)

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