Bei einer Liberalisierung des Marktes für Kotflügel, Windschutzscheiben, Motorhauben und alle übrigen sichtbaren Auto-Ersatzteile in Deutschland ist von einer unmittelbaren Senkung der Teilepreise von sechs bis zehn Prozent auszugehen. Das ist das Fazit einer Studie von Johann Eekhoff, dem geschäftsführenden Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Köln. "Es spricht aus volkswirtschaftlicher Sicht alles für eine sofortige Öffnung des Ersatzteil-Marktes. Ein Monopol der Autoindustrie wäre eindeutig falsch", erklärte der Wissenschaftler, der in den neunziger Jahren als Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium auch politische Erfahrung sammelte. Eine Beschränkung des Wettbewerbs könne nicht mit dem Designschutz gerechtfertigt werden. "Der Wettbewerb um Fabrikate mit einem attraktiven Design findet beim Neuwagenkauf statt. Hier hat der Verbraucher die Wahl; hier zeigt sich die Zahlungsbereitschaft für ein gelungenes Design. Bei Ersatzteilen hat der Kunde keine Wahl, da ein Ersatzteil dem ursprünglichen Teil gleichen muss", so Eekhoff. Ohne eine den Markt liberalisierende Reparaturklausel seien Autobesitzer dazu gezwungen, die Ersatzteile vom jeweiligen Autohersteller zu beziehen. Dadurch erhielten die Autokonzerne freie Hand, um ihr Neuwagengeschäft durch überhöhte Ersatzteilpreise quer zu subventionieren. "Das Gutachten bestätigt damit die Position von Verbraucherschützern und freien Herstellern in der seit mehr als zehn Jahren währenden Auseinandersetzung um die Liberalisierung des Marktes", stellte der Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA) in einer Mitteilung fest. Dennoch bestehe die Gefahr, dass sich der EU-Ministerrat durch die mächtigen Autokonzerne beeinflussen lasse und sich so gegen eine Reparaturklausel ausspreche. Deren Hauptargument kritisierte Eekhoff: "Die Aussage der Automobilindustrie, freier Wettbewerb führe zu Arbeitsplatzverlusten, ist völlig überzogen, zeugt von geringem Selbstbewusstsein der Autohersteller bezüglich ihrer Leistungsfähigkeit und ist gesamtwirtschaftlich falsch." (ng)
Designschutz-Debatte: Neues Gutachten spricht sich für Reparaturklausel aus
Kölner Institut für Wirtschaftspolitik fordert sofortige Öffnung des Ersatzteil-Marktes