Corona-Krise: Continental schärft Sparprogramm nach

"Zahlungsfähig bleiben, das ist das oberste Gebot - und dafür passen sich jetzt alle an", erklärt Vorstandschef Elmar Degenhart.
© Foto: picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa

Der Doppelschlag aus Viruskrise und Branchenumbruch trifft die Autoindustrie weltweit. Continental muss seine Kostenziele wegen des Corona-Konjunkturknicks jetzt nachschärfen. Für die Mitarbeiter dürften die Risiken steigen - die Aktionäre bekommen eine Dividende.


Datum:
14.07.2020
Lesezeit: 
3 min

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Der Nachfrageeinbruch in der Corona-Krise zwingt den Autozulieferer Continental zur Verschärfung seines schon laufenden Sparkurses. Unabhängig von der strukturellen Umwälzung der Branche zu E-Mobilität und Digitalisierung müsse der Konzern kurzfristig noch stärker reagieren, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart am Dienstag bei der Hauptversammlung in Hannover. "Das Virus verschärft vor allem den konjunkturellen Rückschlag. Wir justieren unsere Finanzstruktur neu. Wir bauen uns eine Corona-Brücke über die kommenden Jahre."

Überkapazitäten würden abgebaut. "Wir reduzieren Investitionen, wir verringern Arbeits- und Sachkosten. Im Klartext: Wir sparen jetzt zusätzlich Geld ein." Es gehe um mehrere Hundert Millionen Euro, so Degenhart. "Auswirken wird sich das bis 2022. Dazu stehen wir bereits im engen Austausch mit den Vertretern unserer Belegschaft." Und das Programm "Transformation 2019-2029" mit einer angepeilten Reduzierung der Bruttokosten um 500 Millionen Euro laufe weiter. "Die Krise ändert nichts daran", meinte Degenhart vor den online zugeschalteten Aktionären. "Im Gegenteil: Wir strengen uns jetzt noch mehr an."

Conti steckte schon vor der Pandemie in einem großen Umbauprozess, bei dem weltweit Tausende Stellen wegfallen könnten. So geht etwa in Westeuropa die Produktion von Pumpen und Einspritztechnik für Verbrenner schrittweise zu Ende. Auch Anzeige- und Bedienelemente sind betroffen. Gleichzeitig werden Mitarbeiter weiterqualifiziert und Stellen besonders im Software-Bereich geschaffen. Bisher waren rund 3.000 Jobs "verändert", wie sich das Unternehmen ausdrückt. Etliche Beschäftigte sind inzwischen umgeschult, etliche haben den Dax-Konzern allerdings auch verlassen.

Betriebsbedingte Kündigungen als letztes Mittel

"Investitionen, die in die Zukunft geschoben werden können, analysieren wir aktuell sehr genau", erklärte Degenhart. "Es ist auch möglich, dass wir betriebsbedingt kündigen müssen. Aber das ist nur das letzte Mittel." Personalvorständin Ariane Reinhart betonte, auch Arbeitszeitverkürzung sei ein mögliches Instrument, um die Kosten zu drücken und gleichzeitig Fachkräfte im Unternehmen zu halten.

Die IG Metall mahnte, das Bekenntnis zu Zukunftstechnologien wie E-Antrieben oder dem autonomen Fahren müsse auch zu hinreichendem Jobaufbau in solchen Bereichen führen. "Das Unternehmen muss eine nach vorn gerichtete Strategie vorlegen, mit der Beschäftigung und Ausbildung bestmöglich gesichert werden", sagte die Vizechefin der Gewerkschaft und Vize-Aufsichtsratsvorsitzende von Conti, Christiane Benner. "Der Dreisatz, aus einem Umsatzrückgang einen entsprechenden Personalabbau zu berechnen, ist definitiv zu kurz gesprungen."

Der Leiter des IG-Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, erinnerte das Management daran, dass Politik und Sozialversicherungen viel Hilfe für die Industrie leisteten: "Kurzarbeit hilft Beschäftigten und Unternehmen. Wir werden es nicht akzeptieren, wenn jetzt einige die Krise für umfangreiche Strukturanpassungen nutzen wollen."

Rote Zahlen im zweiten Quartal erwartet

Degenhart wies die Anteilseigner darauf hin, dass die Pandemie tiefe Spuren in der Bilanz hinterlässt. Conti erwartet für das zweite Quartal rote Zahlen. Der April sei bei Umsatz und Ergebnis am schwächsten gewesen. "Der Mai lag über April, und der Juni über dem Mai", umriss Degenhart eine leichte Erholung. Doch selbst im Juni hätten die Erlöse noch deutlich unter dem Vorjahresmonat gelegen.

Im vergangenen Jahr hatte Conti vor allem wegen hoher Abschreibungen und Probleme auf dem chinesischen Markt einen Milliardenverlust eingefahren. Die Aktionäre bekommen für das Geschäftsjahr 2019 dennoch eine Dividende von drei Euro je Papier - der ursprüngliche Vorschlag lag bei vier Euro und damit schon 75 Cent unter dem Vorjahr, wurde aber wegen Corona nochmal zurechtgestutzt.

Laut Degenhart wird es noch dauern, bis die Folgen der Viruskrise weggesteckt sind: "Weder in Europa noch in Amerika wird sich die Wirtschaft schnell erholen." Zulieferer seien in einer "Talsohle". "Frühestens nach 2025 erreichen wir wieder das Niveau von 2017."

Die Anleger stimmten mit breiter Mehrheit für die Beschlussvorschläge des Unternehmens. Großaktionär ist mit 46 Prozent der Anteile die Industriellenfamilie Schaeffler, deren gleichnamiger Auto- und Industriezulieferer ebenfalls schwer von der Krise betroffen ist.

"Wir erwarten keine Renaissance des Verbrenners"

Continental investiert Milliarden in E-Antriebe, Software, Sensorik sowie Technologien für das assistierte Fahren. Die Antriebssparte, die in das Unternehmen Vitesco abgespalten wird, hat aber auch noch Technik für klassische Benzin- und Dieselmotoren im Angebot. "Wir erwarten keine Renaissance des Verbrenners", stellte Degenhart klar. "Die Technologie wird uns jedoch noch über einen längeren Zeitraum begleiten."

Zu den Diesel-Ermittlungen gegen frühere und aktuelle Beschäftigte der einstigen Siemens-Autosparte VDO, die Conti 2007 übernommen hatte, machte das Management keine weiteren Angaben. Finanzvorstand Wolfgang Schäfer betonte, Prüfungen der Staatsanwaltschaft Hannover, wonach es Zulieferungen für VW-Abschalteinrichtungen gegeben haben könnte, richteten sich nicht gegen die Continental AG oder Töchter, sondern gegen einzelne Personen. Der Kenntnisstand sei nach wie vor, dass es keine Hinweise auf Beteiligung an Manipulationstechnik gibt. (dpa)

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